Reise in die Vergangenheit Erntedankumzug beendet Festwoche in Neuenkirchen

Von Heinz Benken



Neuenkirchen. Mit einem imposanten Erntedankumzug ist die Jubiläumsfestwoche in Neuenkirchen abgeschlossen worden. Zur 825-Jahr-Feier hatten die Einwohner zwei publikumswirksame Veranstaltungen vorbereitet, den Mittelaltermarkt am vergangenen Donnerstag und am Sonntagnachmittag schließlich den Erntedankumzug unter der Regie der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Neuenkirchen.

Bei ruhigem Herbstwetter zogen am Sonntagnachmittag 38 Mottowagen, begleitet von fünf Fußgruppen und zwei Musikkapellen, durch Neuenkirchen. Weit mehr als 2000 Zuschauer verfolgten den rund zweistündigen Marsch, der an der Reithalle endete. Eine lange Tradition haben die festlichen Ernteumzüge in der Gemeinde Neuenkirchen im Hülsen. Alle fünf Jahre zeigen die Neuenkirchener ihr Dorfleben auf prächtigen Festwagen oder auch als Fußgruppen und beeindrucken damit immer wieder zahlreiche Zuschauer.

Im Jubiläumsjahr wurde daher auch beim Erntedankumzug ein historischer Rückblick gehalten, diesmal auf 825 Jahre Neuenkirchen. So wurde mit den Mottowagen auf die harte Arbeit im Vinner Moor erinnert, an alte Schulzeiten, an den gemütlichen Feierabend - doch auch die heutige Zeit stand Pate für fantasievolle Mottowagen.

Über den Verlauf des Zuges und die einzelnen Themenwagen wurden die Zuschauer von den beiden Moderatoren Martin Klekamp und Laura Waldhaus unterrichtet. Vorweg marschierte die Landjugend mit den beiden Erntekronen, gefolgt von der Ehrenkutsche mit den politischen und geistlichen Würdenträgern. Zwischendurch hielten die beiden Musikkapellen, der Musikzug Merzen und der Spielmannszug Velpe, die Zuschauer und den Festtross in Stimmung.

Die Kirchengemeinde Laurentius erinnerte mit ihrem dreißigjährigen Modell der Kirche an den unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen und die Rothertshausener an ihre fünfzigjährige Marienkapelle. Üppiges Obst und Gemüse verzierte die prachtvolle Erntekrone. Der Mottowagen der Rothertshausener Ortsgruppe schaute zurück auf das entbehrungsreiche Leben im Vinter Moor. Der Heimatverein präsentierte den „Feierabend“ alter Zeiten, als es noch keinen Fernseher gab und Oma und Opa in der Stube handarbeiteten.

Einen Blick auf die heutige Zeit warf die Siedlung Kleiner Sundern. Dort findet die moderne Arztpraxis so viel Zulauf, dass das Wartezimmer stets überfüllt ist. Einen großen Teil der Mottowagen stellten die örtlichen Vereine. An die gute alte Zeit erinnerten der Schützenverein, der Hegering und der Reitverein, der als „Reythevereyn Nyekerk“ ins Mittelalter ritt. Der Sportverein verhielt sich selbstverständlich sportlich und begleitete mit seiner neuen Radsportgruppe den Umzug.

Auch Kinder beteiligten sich in großer Zahl am Erntedankumzug. Sie marschierten in historischer Kleidung mit, verteilten von den Wagen Leckereien und zeigten, wie Mädchen und Jungen damals in der „Limberger Schule“ unterrichtet wurden. Auch das alte Handwerk wurde präsentiert: muskulöse Schmiede hämmerten Eisen und fleißige Bauern ernteten.

Der Abschluss des Festumzuges wurde in der Reithalle gefeiert. Bei Musik und Tanz klang die Woche mit allen Beteiligten in gemütlicher und geselliger Runde aus. Dort wurde auch die Gemeindewette zwischen der KLJB und der Gemeinde Neuenkirchen eingelöst. Es ging um nicht weniger als hundert Liter Freibier. Die Landjugend hatte gewettet, dass nicht mehr 120 Teilnehmer des Erntedankumzuges in historischen Kostümen mitmarschieren würden. Es waren aber schließlich fast 200. Über die gewonnene Wette freuten sich auch der Neuenkirchener Bürgermeister Christoph Lührmann und Gemeindedirektor Martin Brinkmann, die mit ihren eigenen historisch anmutenden Kostümen auch aktiv zum Gewinn beigetragen hatten.


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