Hildegard Schwertmann-Nicolay Neuenkirchen: Bürgermeisterkandidatin im Gespräch

<em>Ein handschriftlicher Steckbrief:</em> Für das „Bersenbrücker Kreisblatt“ füllte Hildegard Schwertmann-Nicolay einen Fragebogen aus, wie man ihn aus Schüleralben kennt. Fotomontage: Stefan LangerEin handschriftlicher Steckbrief: Für das „Bersenbrücker Kreisblatt“ füllte Hildegard Schwertmann-Nicolay einen Fragebogen aus, wie man ihn aus Schüleralben kennt. Fotomontage: Stefan Langer

Neuenkirchen. In sieben Tagen wählt die Samtgemeinde Neuenkirchen einen neuen Bürgermeister. Genauer gesagt, eine Bürgermeisterin. Denn nur der Name von Hildegard Schwertmann-Nicolay steht auf dem gelben Stimmzettel. Ist die Wahl also schon gelaufen? „Nein“, sagt die 51-jährige Osnabrückerin im Gespräch mit dem „Bersenbrücker Kreisblatt“. Für sie ist ganz entscheidend, „mit welchem Ergebnis ich als Bürgermeisterin herauskomme“. Die einzige Bewerberin wünscht sich einen möglichst großen Rückhalt.

Daran arbeitet die Kandidatin, die von der CDU nominiert wurde, aber kein Parteibuch besitzt, seit Wochen. An die 20 Veranstaltungen hat sie besucht: Es waren Treffen mit Menschen aller Altersgruppen, aus allen Vereinen, Verbänden und Institutionen aus Merzen, Neuenkirchen und Voltlage. Keine Wahlkampfaktionen im bekannten Sinn, sondern Gespräche zum Zweck des Kennenlernens, mit viel Neugier auf beiden Seiten. Ohne Pressebegleitung und Fotobericht danach. Ohne Redemarathon in Gaststätten und Betriebsbesichtigungen mit CDU-Granden im Schlepptau – das alles gab es nicht.

„Ganz bewusst nicht“, sagt Schwertmann-Nicolay. „Das persönliche Gespräch ist einfach ergiebiger.“ Sie, die in Neuenkirchen aufgewachsen ist und bis heute Kontakte in die Heimat pflegt, lernte die kleinste der vier Samtgemeinden im Altkreis Bersenbrück dabei von einer neuen Seite kennen. „Ich hatte ja ein Bild von der Samtgemeinde. Aber in den Treffen habe ich ihren Schatz kennengelernt: viele Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen und engagieren, die mit viel Herzblut dabei sind.“

Zuhören, sich austauschen, Ziele beschreiben und Entscheidungen treffen – wer die Kandidatin erlebt, merkt schnell, dass die formelhafte Politikersprache nicht ihr Ding ist. Sie, die Seiteneinsteigerin, will trotz Wahlkampf bleiben, wie sie ist: authentisch und ehrlich. „Verbiegen kann ich mich nicht“, schiebt sie nach. Ein Wahlkampf mit flammenden Reden und einer Vielzahl öffentlicher Veranstaltungen wäre wohl nicht ihr Ding gewesen. „Aber auch mit einem Gegenkandidaten wäre er nicht anders verlaufen“, ergänzt sie.

Hildegard Schwertmann-Nicolay hört gerne zu, gibt Anstöße. Das ist ihr Job beim Landkreis Osnabrück. Dort arbeitet sie im Gesundheitsdienst, organisiert Konferenzen und pflegt Netzwerke. „Verhandeln, ausgleichen, Fronten glätten, auch wenn die Ziele der Beteiligten am Tisch noch so unterschiedlich sind.“ Das ist der Reiz dieser Aufgabe: „Inhaltlich zu arbeiten und etwas zu erreichen“. Als Moderatorin sehe sie sich, nicht als jemand, der „redet um des Redens willen“. Gleichwohl: Scheu, auch Entscheidungen treffen zu müssen, für die kein Konsens erreichbar ist, hat sie nicht. „Ich bin kein ängstlicher Typ.“ Ihr Ziel sei, bei Entscheidungen schon vorher für Positionen zu werben. Vor allem aber, „diejenigen daran zu beteiligen, über die gesprochen und über die entschieden wird“. Das sei eine gute Voraussetzung für eine Aufgabe im Rathaus. Auch dort gelte es, Einwohner zu beteiligen, sie zu überzeugen und nicht nur nach Aktenlage zu entscheiden. „Es gibt viele Bürger, die viele gute Ideen haben.“ Als Bürgermeisterin steht sie zwar verantwortlich an der Spitze, „ich bin aber kein durch und durch hierarchischer Mensch“. Hierarchie dürfe auch durchbrochen werden. Hildegard Schwertmann-Nicolay schwebt eine Amtsführung vor, wie sie sie selbst seit 28 Jahren in der Landkreisverwaltung erlebt: „Dort haben die Mitarbeiter viel Raum, um zu gestalten und sich weiter zu entwickeln. Gerade das motiviert. Ich gehe bis heute jeden Tag gerne zur Arbeit.“

Vor einem halben Jahr hat sich die 51-Jährige, die am Osnabrücker Stadtrand mit Mann und vier Kindern lebt, entschieden, das Angebot des CDU-Samtgemeindeverbandes anzunehmen und sich für den Chefsessel im Neuenkirchener Rathaus zu bewerben. Die Anfrage sei eine Überraschung und eine „glückliche Fügung“ gewesen. Darauf habe sie nicht gewartet, „und 51 Jahre sind ein gutes Alter, um noch einmal etwas Neues zu wagen“. Ehemann, Kinder und Freunde hätten sie bestärkt. Zweifel an ihrer Zusage habe sie seither auch nicht gehabt, „weil ich diese Entscheidung ja wohl überlegt habe.“

Einen Rollenwechsel von der Landkreis-Bediensteten zur Bürgermeisterin mit Führungsaufgaben sieht sie durchaus mit Respekt. Sie bleibt aber gelassen, weil sie auf ihre Fähigkeiten vertraut und sie auf das Wissen einer eingespielten Verwaltung setzt. In vielen Bereichen wie Gesundheit und Soziales oder auch Finanzen habe sie fundierte Kenntnisse, in andere Themen werde sie sich einarbeiten. „Ich kann mir Wissen schnell aneignen, und ich habe eine Vorstellung davon, was wichtig ist“, nennt die Osnabrückerin eine ihrer Stärken. Doch Aktennotizen und Protokolle sind das eine, die Teilnahme an den Sitzungen der Gemeinderäte Merzen, Neuenkirchen und Voltlage das andere. „Ich möchte schon direkt mitbekommen, was die Menschen bewegt.“

Als Exotin sieht sich Hildegard Schwertmann-Nicolay nicht. Nach einer Wahl wäre sie die zweite Rathauschefin im Landkreis Osnabrück. „Es wurde mal Zeit, denn Frauen können viele Themen ganz anders vertreten“, erklärt sie selbstbewusst. Dass die Samtgemeinde Neuenkirchen mit gutem Beispiel vorangeht, freut sie. Und wie reagieren die Wähler, wenn sie hören, dass ihr Familienleben nicht dem tradierten Bild entspricht? Dass ihr Ehemann Dirk sich um Kinder und Haushalt kümmert und ihr beruflich den Vortritt ließ, „war kaum ein Thema“.

Überhaupt: Das Leben im Hause Schwertmann-Nicolay werde sich auch mit einer neuen Aufgabe nicht großartig verändern. Das Amt werde sicher viel Zeit kosten, und oft werde sie nach Sitzungen abends später nach Hause kommen. Doch das stört sie nicht. „Das erlebe ich ja schon jetzt.“ Letztlich sei alles eine Frage der Planung. Und so werde es wie bisher künftig einmal am Wochenende eine gemeinsame Mahlzeit mit allen Familienmitgliedern geben.

Osnabrück wird auch nach einer Wahl der Lebensmittelpunkt bleiben. „Ein Nachteil ist das nicht. So behalte ich den neutralen Blick von außen auf alle Gemeinden.“ Und ist die einzige Kandidatin aufgeregt? „Ja, ein bisschen angespannt“, gibt sie zu. Denn die Wahl sei schließlich „noch nicht gelaufen, auch wenn es ohne einen Gegenkandidaten so aussieht“ und ihr ein Seniorenvertreter aus Osnabrück jüngst schon ein Geschenk zum Abschied überreicht hat. Ihr ist eine größtmögliche Unterstützung ein Herzensanliegen. „Mit einem großen Rückhalt kann ein Bürgermeister ganz anders auftreten“, ist sich Hildegard Schwertmann-Nicolay sicher. Ein gutes Ergebnis brauche sie nicht für eine „persönliche Nabelschau“, wohl aber diene es der Wahrnehmung des Neuenkirchener Bürgermeisteramtes im Landkreis Osnabrück.


An dieser Stelle geht es zu wie auf dem Fußballplatz: Das „Bersenbrücker Kreisblatt“ gibt die Vorlage, und die Kandidatin vollendet. Ehrgeiz ist... in passender Dosis wichtig. Luxus ist für mich... ein prasselndes Kaminfeuer an einem Winterabend. Wer mir eine Freude machen möchte,... empfiehlt mir ein gutes Buch. Mein größtes Talent ist... Offenheit für Menschen und Themen. Mein größtes Laster ist... Da fragen Sie besser meinen Mann. Mein Lebensmotto: Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt. (Albert Einstein) Reizvoll an Osnabrück ist... die Lage im Landkreis Osnabrück. Der Dreiklang „Kinder, Kirche, Küche“... ist als Dreiklang hoffnungslos veraltet. Jeder Bereich für sich ist aber von großer Bedeutung. Familie bedeutet für mich... Heimat, Gemeinsamkeit und Sicherheit. Dass ich kein CDU-Mitglied bin,... hat Vor- und auch Nachteile und heißt nicht, dass ich dieser Partei nicht nahe stehe. Dass auf den Wahlplakaten auch CDU steht,... hat den Grund, dass die CDU mich gefragt und nominiert hat. Wer Netzwerkarbeit mit Hinterzimmerpolitik vergleicht,... verwechselt Netzwerke mit Seilschaften. Bei Netzwerken geht es um Beteiligung und Austausch, jenseits von Hierarchien und Konkurrenz. Eine zweite Bürgermeisterin im Landkreis Osnabrück... ist auf jeden Fall ein Gewinn für die Region. Das Modellprojekt „Wohnen mit Zukunft in der Samtgemeinde Neuenkirchen“ ... bietet eine hervorragende Chance, die Lebensqualität in der Samtgemeinde, insbesondere für ältere Menschen und ihre Familien, zu steigern. In acht Jahren möchte ich..., dass die drei Kirchtürme sich näher sind, vorhandene Gräben zugeschüttet und gemeinsame Ziele erreicht wurden. Am 30. April 2014... ist möglicherweise nach exakt 29 Jahren mein letzter Arbeitstag beim Landkreis Osnabrück und ich freue michauf meinen ersten offiziellen Arbeitstag in der Samtgemeinde Neuenkirchen.

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