Schuhhaus Kruse besteht seit 125 Jahren Familie Kruse kleidet seit 1894 die Füße der Neuenkirchener ein

Eine Familie und ihr Geschäft: Schuhe, von modisch-elegant bis orhtopädisch-bequem, werden seit 125 Jahren im Schuhhaus Kruse verkauft. Zurzeit arbeiten dritte und vierte Generationen zusammen, von links: Thilo Kruse, Christiane Kirchhof, Elisabeth und Franz Kruse. Foto: Christian GeersEine Familie und ihr Geschäft: Schuhe, von modisch-elegant bis orhtopädisch-bequem, werden seit 125 Jahren im Schuhhaus Kruse verkauft. Zurzeit arbeiten dritte und vierte Generationen zusammen, von links: Thilo Kruse, Christiane Kirchhof, Elisabeth und Franz Kruse. Foto: Christian Geers

Neuenkirchen. Schritt halten. Mit der Zeit gehen. Bei seinen Leisten bleiben. Sich nicht aus dem Tritt bringen lassen. Daran hat sich das Schuhhaus Kruse seit seiner Gründung im Jahr 1894 stets gehalten. Nun feiert die Familie das 125-jährige Bestehen.

Das Fachgeschäft an der Alten Poststraße im Neuenkirchener Ortskern ist ein Stück Zeitgeschichte. Als Clemens Kruse 1894 seine Schusterei anmeldet, regiert in Berlin Kaiser Wilhelm II.; der Landkreis Bersenbrück, zu dem die Hülsengemeinde gehört, ist noch keine zehn Jahre alt. Neuenkirchen erlebt damals so etwas wie seine Gründerjahre: Schneider, Gastwirte, Tischler, Bäcker, Kolonialwarenhandel – alles das gibt es schon im Ort, und nun auch einen Schuster. Der besohlt die Füße der Neuenkirchener mit maßgefertigten und passgenauen Lederschuhen, repariert und flickt sie. Später können die Kunden dihre Schuhe aus einem Katalog auswählen und bestellen. Anprobiert werden sie in dem kleinen Laden. 

Mit Christiane Kirchhof arbeitet die vierte Generation im Familienbetrieb. Foto: Christian Geers


Die Mode der Schuhe mag sich ändern, der Geschmack der Kundschaft auch – aber die Philosophie im Schuhhaus unterliegt keiner Mode. Was zählt, ist solides Handwerk, zufriedene Kunden. Das Geschäft wird von Generation zu Generation weitergegeben. 1963, mit 15 Jahren, beginnt der heutige Inhaber Franz Kruse seine Lehre. Später betreibt er zusammen mit Ehefrau Elisabeth das Geschäft – und erweitert es.

3000 Paar Schuhe in den Regalen

Heute finden sich auf mehr als 200 Quadratmeter Verkaufsfläche rund 3000 Paar Schuhe – in allen Farben und Formen, von topmodern bis orthopädisch-bequem, vom bonbonfarenen Kinderschuh über den leichten Sportschuh bis zum glänzend-polierten Herrenschuh, von Größe 20 bis 47. Schuhe für jeden Anlass, für jede Gelegenheit. In vierter Generation

Nicht nur Verkauf und Reparatur bestimmen den Alltag, längst hat sich das Geschäft auf die individuelle Herstellung orthopädischer Schuhe spezialisiert und sich damit einen guten Ruf über Neuenkirchen hinaus erworben. Und seit Tochter Christiane Kirchhof, die wie ihr Vater ausgebildete Orthopädieschuhtechnikerin ist, mitarbeitet, müssen sich Kunden mit besonderen Anforderungen an ihr Schuhwerk nicht mehr mit Konfektionsware zufrieden geben. Die 46-Jährige verbindet ihre Kreativität mit Experimentierfreude, schafft orthopädische Schuhmodelle, die das Handicap seines Trägers zu überdecken vermögen. „So modisch wie möglich, so orthopädisch wie nötig“, sagt sie.

„Ich wollte keinen Beruf erlernen, wo Aktenordner und Computer zu den Arbeitsmitteln zählen.“ Christiane Kirchhof, Schuhhaus Kruse

Genau das habe sie immer gewollt: „Ich wollte keinen Beruf erlernen, wo Aktenordner und Computer zu den Arbeitsmitteln zählen.“ Also machte die Neuenkirchenerin nach dem Abitur eine Lehre zur Orthopädieschuhtechnikerin. Längst arbeitet sie im elterlichen Betrieb mit. Genau wie ihr Bruder Thilo Kruse (43), der sich um Verwaltung, die Finanzen und um den Verkauf kümmert. Auch in der vierten Generation dreht sich alles um die Schuhe. „Heimkehrer“ im Laden 

Franz Kruse seit 40 Jahren ein Meister seines Faches

Die Eltern freut das: „Die beiden hätten auch etwas anderes machen können“, versichert Elisabeth Kruse. Und auch Franz Kruse, der im vergangenen Jahr sein 40-jähriges Meisterjubiläum feierte, würde den Beruf auch immer wieder ergreifen – nicht nur, weil er den ganzen Tag im Trockenen sitzt, wie ihm sein Lehrherr einst die Vorteile aufzählte: Sondern weil er abends sieht, was er mit den Hände geschaffen hat.

Auch in Zeiten des Internethandels glauben die Kruses an das Fachgeschäft vor Ort, dessen Service und Beratung kein Onlinekaufhaus aufzubieten imstande ist: Schuhe können in die Hand genommen, anprobiert und – wenn nötig – passend gemacht werden. Die Modelle in den Regalen sucht Christiane Kirchhof übrigens selbst aus, sie kennt den Geschmack der Neuenkirchener, weiß, was sie gerne an den Füßen tragen. Die wissen den Vorteil zu schätzen, Schuhe vor Ort unter fachkundiger Beratung aussuchen zu können. „Und immer wieder kommen Heimkehrer zu uns“, lächelt sie. Wie die Großmutter, die mit ihrem Enkel im Geschäft erschien. Der sollte wie seine Mutter sein erstes Paar Schuhe aus dem Neuenkirchener Geschäft bekommen.

Zum 125. Geburtstag bietet das Schuhhaus Kruse in dieser Woche einen Jubiläumsrabatt von 30 Prozent auf das gesamte Sortiment. Dazu gehört auch ein Gewinnspiel für alle Kunden.


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