zuletzt aktualisiert vor

Experten: Äußerst seltener Unglücksfall Siebenjährige stirbt nach Reitunfall – Verein in Neuenkirchen unter Schock

Von Corinna Berghahn und Mirko Nordmann

Der erste tödliche Unfall in einer Jugendprüfung seit zwölf Jahren hat sich in Neuenkirchen zugetragen. Die Mitglieder des Reitvereins stehen unter Schock. Symbolfoto: dpaDer erste tödliche Unfall in einer Jugendprüfung seit zwölf Jahren hat sich in Neuenkirchen zugetragen. Die Mitglieder des Reitvereins stehen unter Schock. Symbolfoto: dpa

Neuenkirchen. Eine siebenjährige Reiterin aus Neuenkirchen ist beim Frühjahrsturnier des Reit- und Fahrvereins Neuenkirchen so schwer verletzt worden, dass sie im Krankenhaus starb. Die Mitglieder des Vereins stehen unter Schock. Reit-Experten betonen, Unfälle dieser Art seien selten.

Wie die Polizei mitteilte, war das Pony des Mädchens bei einer Siegerehrung am Sonntagnachmittag plötzlich hochgestiegen, überschlug sich und begrub die junge Reiterin unter sich. Ersthelfer des Malteser Hilfsdienst, die bei der Veranstaltung den Sanitärsdienst stellten, kümmerten sich um das Mädchen, bis der Notarzt in der Neuenkirchener Reithalle am Lünort eintraf. 

Ein Rettungshubschrauber brachte das Mädchen, das noch vor Ort reanimiert worden war, in ein Krankenhaus, wo die Siebenjährige am Sonntagabend verstarb. Notfallseelsorger betreuten die Angehörigen und einige Turnierbesucher. Nach dem Unfall war das Turnier abgebrochen worden. 

Schwere Verletzungen

Bis dahin war das Neuenkirchener Frühlingsturnier, bei dem traditionell die Nachwuchsreiter im Fokus stehen, eine Reitsportveranstaltung, wie sie an jedem Wochenende irgendwo in der Region stattfindet. Wie genau es zudem Unglück kam, und warum das eigene Pony des Mädchens bei der Siegerehrung eines Reiterwettbewerbes plötzlich scheute, ist weiter unklar. 

„Das ist eine ganz seltene Situation", sagte Norbert Meenen vom Asklepios Klinikum St. Georg in Hamburg. Jeder Reiter falle mal vom Pferd. Wenn ein Tier wie bei diesem Unfall auf einen Reiter falle, seien allerdings schwere Verletzungen zu erwarten. Das gelte auch für Erwachsene.

Zudem sei für die Tiere die Situation einer Siegerehrung ungewohnt. „Pferde sind bei Siegerehrungen nervös. Sie tun etwas, was sie sonst nicht tun: still stehen. Das können nicht alle Pferde", sagte Meenen. Auch durch Musik könnten die Tiere nervöser werden. „Es kann passieren, dass Pferde weglaufen oder eben scheuen." 

Verkettung unglücklicher Umstände

Die Polizei sieht jedenfalls keinen Anlass, um Ermittlungen einzuleiten. „Das war eine ganz tragische Verkettung unglücklicher Umstände“, sagte eine Polizeisprecherin, „da kann man niemandem einen Vorwurf machen.“

„Wir stehen alle noch unter Schock“, sagte Heiko Bertke, 1. Vorsitzender des RuF Neuenkirchen, am Montagnachmittag. Erst in ein paar Wochen wolle man im Vorstand beraten, wie es weitergeht. Das verunglückte Mädchen war Mitglied des Neuenkirchener Reit- und Fahrvereins.

Erster tödlicher Unfall seit zwölf Jahren

Zusammen mit dem Richter des Turniers arbeitet der Reitsportverband Weser-Ems den Unfall derzeit auf. „Das ist eine sehr tragische Angelegenheit", sagte Jörg Maier vom Verband. Anfängerprüfungen würden im Regelfall mit erfahrenen Pferden durchgeführt. Auch die Größe des Reiters entscheide, welches Pferd geritten werde.  

Bei der Ausbildung der Betreuer werde darauf geachtet, dass diese in Notfällen einschreiten könnten. In manchen Fällen wie in Neuenkirchen ließen sich Unfälle allerdings nicht verhindern. Gleichzeitig betont auch Maier, dass es sich um einen Einzelfall handele. „Das ist der erste tödliche Unfall bei einer Jugendprüfung im Verbandsgebiet in den letzten zwölf Jahren", erklärt der Vorsitzende. (mit dpa)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN