Minister lobt Landkreis für Ausbauplan Merzener können nun mit Lichtgeschwindigkeit im Internet surfen

Surfen mit Kriechgeschwindigkeit ade: Gastwirt Heinz Gerbus (Zweiter von links) profitiert vom Breitbandausbau des Landkreises Osnabrück in Merzen. In seiner Gaststätte übergab Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (Sechster von links) den Förderbescheid an Landrat Michael Lübbersmann (Vierter von links); mit dabei: Christian Ohlms (Innogy), Gregor Schröder (Bürgermeister Merzen), Christian Calderone (CDU-Landtagsabgeordneter), Hildegard Schwertmann-Nicolay und Dirk Holtgrewe (Telkos). Foto: Christian GeersSurfen mit Kriechgeschwindigkeit ade: Gastwirt Heinz Gerbus (Zweiter von links) profitiert vom Breitbandausbau des Landkreises Osnabrück in Merzen. In seiner Gaststätte übergab Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (Sechster von links) den Förderbescheid an Landrat Michael Lübbersmann (Vierter von links); mit dabei: Christian Ohlms (Innogy), Gregor Schröder (Bürgermeister Merzen), Christian Calderone (CDU-Landtagsabgeordneter), Hildegard Schwertmann-Nicolay und Dirk Holtgrewe (Telkos). Foto: Christian Geers

Merzen. Der Ausbau des Breitbandnetzes im Landkreis Osnabrück kommt voran: Nun hat auch der Merzener Ortsteil Plaggenschale sein erstes Glasfasernetz in Betrieb. Niedersachsens Digitalminister Bernd Althusmann kam nicht mit leeren Händen, und Gastwirt Heinz Gerbus surft nun mit Lichtgeschwindigkeit durchs Internet.

Einen Film in der Mediathek anschauen? Videos auf Youtube gucken? „Das war bisher kein Vergnügen, dafür war die Leitung zu schwach“, berichtet Heinz Gerbus. Doch das Surfen im Schneckentempo ist vorbei. Der Merzener betreibt seine Gaststätte direkt an der Bundesstraße im Ortsteil Plaggenschale und gehörte damit zu den unterversorgten Gebieten im Landkreis Osnabrück, den weißen Flecken. Das sind zersiedelte Außenbereiche und kleine Bauerschaften mit einem Internetanschluss von weniger als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). 

Schon davon konnte Heinz Gerbus nur träumen, und so gab er sich damit zufrieden, dass der Verkehr auf der Asphaltpiste schneller unterwegs war als er im Internet. Seit Mittwochabend kann Gerbus sich mit 300 Mbit/s durch weltweite Netz klicken, was einem Quantensprung gleichkommt.  

30 Haushalte in Plaggenschale profitieren

Heinz Gerbus und weitere 30 Haushalte in Plaggenschale profitieren von der Breitbandinitiative des Landkreises Osnabrück. Der investiert in der ersten Ausbaustufe 39 Millionen Euro, verlegt Glasfaserkabel, baut Kabelverzweiger um und verschafft kreisweit 9.000 Haushalten eine schnellere Internetverbindung. Weitere 2700 Haushalte bekommen sogar einen Glasfaseranschluss, darunter sind 800 Gewerbebetriebe in 30 Gewerbegebieten.

„Für die Menschen und die Wirtschaft ist schnelles Internet so wichtig wie gute Straßen.“Michael Lübbersmann, Landrat des Landkreises Osnabrück


Für Landrat Michael Lübbersmann gibt es zur Landkreis-Initiative keine Alternative. „Für die Menschen und die Wirtschaft ist schnelles Internet so wichtig wie gute Straßen“, sagte er bei einem Besuch von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. Das habe der Kreis schon vor zehn Jahren erkannt und mit der Telekommunikationsgesellschaft (Telkos) eine Tochterfirma gegründet. 

Zur Sache

Breitbandausbau im Landkreis Osnabrück
Bis Mitte 2019 soll die erste Ausbaustufe mit einem Volumen von 39 Millionen Euro abgeschlossen sein. 15 Millionen Euro trägt der Bund, fünf Millionen Euro das Land Niedersachsen, 19 Millionen Euro bringen die kreiseigenen Städte und Gemeinden auf. In der zweiten Ausbaustufe, für die der Bund 31,5 Millionen Euro bereitstellt und die Mitte 2019 beginnen soll, will der Kreis weitere 500 Kilometer Breitband verlegen. 3.600 Adressen erhalten einen Glasfaserdirektanschluss. Die dritte Ausbaustufe kostet rund 65 Millionen Euro. 30 Millionen Euro erhofft sich der Kreis als Bundeszuschuss. Beteiligungen des Landes könnten den verbleibenden kommunalen Eigenanteil reduzieren. 3800 Anschlüsse sollen Anschluss ans Breitbandnetz erhalten, davon 1500 Gewerbebetriebe in 42 Gewerbegebieten.  


Der Kreis setze auf das Betreibermodell, wonach die Telkos Eigentümerin der Infrastruktur ist, während die Firma Innogy Telnet die Breitbandversorgung übernimmt und das Netz auch betreibt. Christian Ohlms, Bereichsvorstand Finanzen der Sparte Netz und Infrastruktur bei Innogy, begrüßte bei diesem geförderten Projekt die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Landkreis. „Als Partner der Kommunen treibt Innogy den Breitbandausbau vor allem im ländlichen Raum voran. In Deutschland haben wir bereits mehr als 20.000 Kilometer Glasfaserleitungen verlegt.“ Deutschlandweit habe sein Unternehmen in mehr als 300 Gemeinden weit mehr als eine Million Menschen einen schnellen Internetzugang verschafft.

Land fördert Breitbandausbau im Kreis mit fünf Millionen Euro

Das Engagement des Landkreises Osnabrück beim Breitbandausbau sei „beispielgebend für das Land Niedersachsen“, stellte Minister Bernd Althusmann fest. Schnelles Internet sei eine Grundvoraussetzung für die digitale Transformation Niedersachsens. Die Landesregierung habe sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Schnelles Internet für alle Haushalte im Land zwischen Ems und Elbe solle es bis 2025 geben und schon Ende 2021 flächendeckend im Mobilfunkstandard 4G. „Das ist auch finanziell eine gewaltige Kraftanstrengung“, so Althusmann. 

„Den Worten folgen nun Taten.“Hildegard Schwertmann-Nicolay, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Neuenkirchen


An der Finanzierung werde sich auch das Land bis zum Ende 2022 mit einer Milliarde Euro beteiligen. Sprach’s und übergab einen Förderbescheid über fünf Millionen Euro an Landrat Lübbersmann als Unterstützung für die erste Ausbaustufe.Neuenkirchens Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay freute sich, dass „den vielen Worten nun Taten folgen“ und der zugesagte Breitbandausbau „zu sehen ist“. Sie lobte die Landesregierung, die bewiesen habe, „nicht nur die Zentren im Blick zu haben, sondern auch das Land in den Fokus zu rücken“. 

Bis Heinz Gerbus Thekenraum, Restaurant, Saal und Kegelbahnen in seiner Gaststätte mit W-Lan-Netzen ausgerüstet hat, wird es allerdings noch einige Tage dauern. Solange müssen er und seine Gäste noch mit dem Schneckentempo leben.


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