Minister bricht Lanze für Europa Björn Thümler lobt engagierte Bürger in Neuenkirchen

Über den Besuch von Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (Mitte) freuten sich Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay und Bürgermeister Vitus Buntenkötter. Foto: Ulrike HavermeyerÜber den Besuch von Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (Mitte) freuten sich Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay und Bürgermeister Vitus Buntenkötter. Foto: Ulrike Havermeyer

Neuenkirchen. Lahmes Internet. Zu wenig Krippenplätze. Die Straßen mit Schlaglöchern übersät. Wie sich der ländliche Raum attraktiver gestalten lässt, soll jetzt die Uni Vechta herausfinden. Dieses und mehr verriet Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler beim Neujahrsempfang der Gemeinde Neuenkirchen.

Ein dickes Lob aus Hannover gab es beim Neujahrsempfang in Neuenkirchen für das aktiv arbeitende "Humankapital" in der Hülsengemeinde – so umschreibt das Verwaltungsfachdeutsch das menschliche Miteinander: "Engagierte Bürger, die sich selbst auf den Weg machen und dafür sorgen, dass ihr Ort lebens- und liebenswert bleibt", kommentierte Festredner Björn Thümler die Ambitionen seiner Gastgeber, "das ist am Ende das alles Entscheidende". Zuvor hatte Neuenkirchens Bürgermeister Vitus Buntenkötter von der Aufnahme der Dorfregion Merzen-Neuenkirchen in das Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen berichtet. 

Uni Vechta erforscht den ländlichen Raum

Ausgewählt vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium als eine von zehn Gemeinden zur Teilnahme am Modellversuch „Soziale Dorfentwicklung“, will die Kommune in den nächsten Jahren herausfinden, wie sie in Zeiten von demografischem Wandel, schwächelnden Infrastrukturen und zunehmender Digitalisierung ihr gesellschaftliches Gefüge lebendig erhalten kann. Hilfreiche Antworten auf diese existenzielle Frage könnten die Neuenkirchener demnächst vielleicht sogar von der Uni Vechta bekommen. Denn dort, verriet Thümler, werde der erste Lehrstuhl bundesweit eingerichtet, der sich mit der Frage beschäftige, wie sich ländliche Räume in ihrer Komplexität erfassen ließen und sich entwickeln könnten.

"Wir haben nur diese eine Chance, uns zu einem selbstbestimmten Europa zu bekennen", forderte Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler seine Zuhörer auf, am 26. Mai wählen zu gehen. Foto: Ulrike Havermeyer


Nicht allein mit Blick auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft – Stichwort: Automatisierung – plädierte Thümler dafür, das Thema "Künstliche Intelligenz" (KI) verschärft anzugehen. "Wir müssen in Deutschland aufpassen, dass wir nicht unter die Räder der digitalen Großmächte USA und China geraten", warnte der Wissenschaftsminister und wies darauf hin, "dass wir 50 KI-Professuren an den Start gebracht haben, um diesen Prozess mitzubestimmen." Sein Ministerium habe Wert darauf gelegt, den Bereich Ethik mit einzubeziehen, "weil wir ethische und moralische Fragen zum Beispiel beim automatisierten Fahren mit beantworten müssen."

Europa nicht fahrlässig aufs Spiel setzen

Besonders am Herzen lag Thümler die Europawahl am 26. Mai: "Egoismen, Nationalismen – Menschen verachtende Systeme haben zurzeit einen größeren Zulauf, als es gut ist", konstatierte er und forderte die Neuenkirchener auf, "Europa als Friedensgemeinschaft nicht fahrlässig aufs Spiel" zu setzen. "Wir sägen sonst den Ast ab, auf dem wir sitzen", gab er zu verstehen und erinnerte daran, dass "Europa auch uns zu Wohlstand und Entwicklung" geführt habe. Wenn die Staatengemeinschaft auseinander breche, würde Deutschland "nicht mehr ernst genommen in der Welt – weder von den USA noch von China."





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