Übergangslösung gefunden Neuenkirchener wollen Traditionsgasthaus Haarmeyer erhalten

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Neuenkirchen. Der Betrieb im Hotel Haarmeyer geht weiter. Am Sonntag, 13. Januar, – nach dem Gottesdienst – öffnet die Traditionsgaststätte in der Neuenkirchener Dorfmitte für den Frühschoppen. Und nachmittags präsentieren die Mimen der Theatergruppe ihren neuen Schwank.

Wenn Ulf Dieckmann, Johannes Abing und Martin Klekamp an der Theke im Gasthaus Haarmeyer an der Lindenstraße Platz nehmen, dann denken sie zurzeit an alles andere, nur nicht an ein frisch gezapftes Pils. Die drei Mitglieder des Kirchenvorstandes der St.-Laurentius-Gemeinde arbeiten daran, das Hotel Haarmeyer als kulturellen Treffpunkt im Ort zu erhalten. Denn seit Jahresbeginn gibt es keinen Pächter mehr .

Großer Saal hat Seltenheitswert

Seit Anfang Januar verbringen viele freiwillige Helfer jede freie Minute in dem Gebäude an der Lindenstraße, das als Hotel Haarmeyer über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist. Schon allein der große Saal hat Seltenheitswert, mit seiner hohen Decke, den beeindruckenden Leuchtern, die mit Seilzügen bedient werden, und der großen Bühne – das gibt es in dieser Form nicht mehr oft im Altkreis Bersenbrück.

Arbeitskreis koordiniert Arbeiten

Das Heer der Freiwilligen dirigiert ein Arbeitskreis, dem Ulf Dieckmann, Johannes Abing und Martin Klekamp angehören. Sie koordinieren die anfallenden Aufgaben und packen mit an. Jeder bringt sich und sein Wissen ein. Erfahrung als Gastronomen haben alle drei nicht. „Obwohl: Gekellnert haben wir alle schon einmal“, lächelt Martin Klekamp. Dafür aber kennen sie sich aus in Bau- und Finanzfragen. Und auch auf diese Professionen kommt es im Moment an. „Das Gasthaus Haarmeyer soll erhalten bleiben“, sagt Johannes Abing. Unvorstellbar ist nicht nur für ihn, sondern wohl auch für alle Neuenkirchener, dass die Immobilie mitten im Ort einfach eingeebnet wird und an ihrer Stelle Wohnungen hochgezogen werden. Interessenten würden sich dafür finden, womöglich viel schneller als ein neuer Betreiber. Aber so ein nagelneuer Bau, da sind sich alle einig, würde die Gemeinde doch irgendwie ärmer machen. Und ein wichtiger Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft würde fehlen.

Sonntags wieder Frühschoppen „beim Haarmeyer“

„Und das wollen wir nicht“, ergänzt Martin Klekamp. Deshalb hat sich die Kirchengemeinde auf die Suche nach einem neuen Pächter gemacht, der das Objekt langfristig betreibt. Der Gefallen findet an dem Haus mit seinen vielen Räumen und an seiner Geschichte. Bis der aber gefunden ist, sorgt der Kirchenvorstand mit vielen Ehrenamtlichen dafür, dass ein Notbetrieb möglich ist. Eine komplette Schließung soll so verhindert werden. Als eine der ersten Aktionen will ein 15- bis 20-köpfiges Team den sonntäglichen Frühschoppen reaktivieren. Erstmals besteht dazu am morgigen Sonntag Gelegenheit. „Beginn ist natürlich nach der Kirche“, wirbt Martin Klekamp. Er hofft, dass viele Neuenkirchener vorbeischauen, um sich einen Überblick über die bisherigen Arbeiten zu verschaffen. Und über die Veranstaltungen: Auf dem Parkett des Saals soll es wieder Tanzkurse geben, am 7. Februar hält die Gemeinde Neuenkirchen hier ihren Neujahrsempfang ab. Auch Beerdigungen und Geburtstagsgesellschaften könnten „bei Haarmeyer“ wieder stattfinden. Der Arbeitskreis arbeitet an Zwischenlösungen. Klar ist bisher nur, dass die Kirchengemeinde nicht als Betreiber auftreten kann. Auch für die Übergangslösung seien viele Auflagen und Vorschriften zu beachten.

Helfer machen Klarschiff im Gasthaus

Seit Tagen stellen die Helfer das Gasthaus Haarmeyer buchstäblich auf den Kopf. Um die Immobilie zu erhalten und die Voraussetzungen für eine Neuverpachtung zu schaffen, musste der Kirchenvorstand die eine oder andere längst fällige Reparatur in Auftrag geben: Ein Loch im Dach zu stopfen war da noch eine überschaubare Herausforderung. Anders ist es bei der Heizung, die ersetzt werden muss. Für den Übergang sorgt eine provisorische Zeltheizung für wohlige Wärme im Haus. In Kürze wird das Gasthaus an das Neuenkirchener Nahwärmenetz angeschlossen. Und dann muss für den Thekenbetrieb eine Geschirrspülmaschine angeschafft werden. „Das alles ist nötig, damit der Betrieb möglich ist“, so Klekamp.

Zupackende Hände in Vereinen und Verbänden

Jeder Raum und jede Ecke wird ausgeräumt. Was die Helfer zutage fördern, sind nicht nur Hunderte von Gedecken, Gläsern, Stühlen und anderem Mobiliar. Vieles kann weiter genutzt werden, anderes wandert auf den Müll. Sie verleihen den alten Räumen neuen Glanz, schrubben Böden, putzen Schränke und Wände, reinigen Teppiche. Zupackende Hände für diese Aufgaben zu finden sei einfach, sagt Klekamp. Die Gaststätte sei schließlich seit Jahrzehnten das Zuhause vieler Vereine und Verbände. Und aus deren Reihen kämen die Helfer. „Die Zukunft des Hauses ist im Moment das Thema im Dorf. Man wird immer wieder gefragt.“ Und die zugesagte Unterstützung ist für das Kirchenvorstandsmitglied ein „deutliches Zeichen für den Zusammenhalt“.

Laienspieler zeigen Dreiakter „Nix äs Ärger in‘t Büro“

Fast jeden Tag waren Mitglieder der Theatergruppe im Haus tätig. Die haben mit anderen Freiwilligen den Vorsaal und den Saal farblich aufgehübscht, denn am Sonntag findet auf der Bühne die Premiere des Dreiakters „Nix äs Ärger in’t Büro“ statt. Um 15 Uhr geht es los, mit Theatercafé und einem Stück, das aus der Feder von Elke Woltering stammt. Für die Laienspieler ist das Gasthaus unverzichtbar, ein anderer Spielort kam nach Bekanntwerden der Schließung nicht infrage.

Ein neues Kapitel in der 200-jährigen Geschichte

Die Neuenkirchener sind fest entschlossen, in der mehr als 200-jährigen Geschichte des Traditionshauses ein neues Kapitel aufzuschlagen. „Willkommen beim alten Haarmeyer“ – so steht es auf den Kerzenlichtern auf den Tischen im gemütlichen Schankraum der Gaststätte.


Kirchengemeinde St. Laurentius ist Eigentümer

Das Gasthaus Haarmeyer mit seiner mehr als 200-jährigen Geschichte im Schatten der St.-Laurentius-Kirche gehört seit fast zwei Jahrzehnten der katholischen Kirchengemeinde. Eigentümer August Haarmeyer hatte es dem St.-Elisabeth-Stift vermacht, das ebenfalls als sogenanntes Sondervermögen der Kirche gehört. Bis Ende 2018 hatte der Kirchenvorstand als Verwalter das Haus an Sebastian Senger verpachtet. Der Gastronom hatte im September 2018 darum gebeten, den Mietkaufvertrag aufzulösen. Seither beschäftigt sich der Kirchenvorstand mit der Zukunft des Traditionshauses und sucht einen neuen Pächter. cg

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