Alltag von psychisch Erkrankten Ratsvertreter besuchen Awo-Wohnanlage in Schlichthorst

Von Jürgen Schwietert

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Einrichtungsleiter Alf Börsch (links) führt die Gäste durch die Wohnanlage. Foto: Jürgen SchwietertEinrichtungsleiter Alf Börsch (links) führt die Gäste durch die Wohnanlage. Foto: Jürgen Schwietert

Merzen/Fürstenau. Zu einem Informationsbesuch waren jetzt Mitglieder der Räte und Vorstände der SPD aus den Samtgemeinden Neuenkirchen und Fürstenau in der Awo-Wohnanlage Günter Storck in Schlichthorst zu Gast.

Einrichtungsleiter Alf Börsch erläuterte den Gästen die Vielfalt der dort geleisteten Arbeit zum Wohle der psychisch Erkrankten . Die Kommunalpolitiker waren sichtlich vom Engagement und von der Empathie des Trialog-Teams beeindruckt.

In einer Gesprächsrunde informierte Sozialpädagoge Alf Börsch die Gäste aus den beiden Samtgemeinden. Börsch ging zunächst auf die breite Vielfalt der Awo-Einrichtungen in der Region ein, um sodann spezifisch über die Arbeit in Schlichthorst, aber auch über die Ursachen der Erkrankungen zu informieren.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben

Seit nunmehr 18 Jahren, davon fünf Jahre als Leiter der Wohnanlage, arbeitet Börsch in Schlichthorst. In dieser Zeit gelang es, zahlreichen Patienten zu helfen, wieder selbstständig wohnen und oft auch arbeiten zu können, zumindest aber die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verbessern. Es gelang Wohnraum in angrenzenden Orten, besonders in Fürstenau zu finden und Bewohner der Anlage dort in möglichst selbstständiger Lebensweise unterzubringen.

Im Jahr 1973 wurde die Wohnanlage in privater Trägerschaft gegründet. Im Rahmen der öffnenden Gesetzgebung entwickelte sich das Haus zu einer Einrichtung, in der die Bewohner in der Regel im Verhältnis zu ihrer Beeinträchtigung gerne leben. Vor knapp fünfzig Jahren wurde erkannt, dass es nicht gut ist, wenn Menschen dauerhaft in Kliniken leben müssen. Seit 1988 befindet sich das Haus in Trägerschaft der Awo, zunächst geleitet von Günter Storck. Seine erste Handlung war, den von der Umgebung trennenden Zaun abzureißen. Und in den vergangenen Jahrzehnten kamen und kommen nach wie vor Menschen, die nicht in der Lage sind, ohne Hilfe auf eigenen Beinen zu stehen.

Ziel: Integration in den Arbeitsmarkt

Dabei geht das Durchschnittsalter der Erkrankten immer weiter zurück. Fälle von Druck an der Arbeitsstelle, Fälle von Mobbing und Stalking, von Zusammenbrüchen und Suizidgedanken wurden skizziert. Immer enger getaktete Arbeitsabläufe seinen für zahlreiche Menschen kaum noch zu bewältigen. Vermeintlich dauernd geforderte Erreichbarkeit so wie auch weitere negative Erlebnisse im Umfeld führen oft zu psychischen Erkrankungen.

In der Wohnanlage Schlichthorst finden derart beeinträchtigte Menschen Hilfe. Hilfe, die mit kleinen, unterstützenden Eingriffen in den Tagesablauf beginnt und mit der erneuten Integration in den Arbeitsmarkt enden kann. Für die derzeit 131 Bewohner in zehn Wohnbereichen, oft nach erfolgter Modernisierung in Einzelzimmern untergebracht, stehen 77 Mitarbeiter einschließlich der hausinternen Regiebetriebe und des Werkstattbereichs zur Verfügung.

Freundeskreis Schlichthorst leistet wichtige Hilfe

Weiterhin ging Alf Börsch auf die Altersstruktur der Bewohner von 20 bis 89 Jahre ein. Er informierte über die Aufgabenfelder der Mitarbeiter und den Betreuungsschlüssel für Bewohner. „Wir erwarten bei unseren Mitarbeitern viel Flexibilität. Wir bieten aber auch flexible Arbeitsbedingungen“, so Börsch. Für die Mitarbeiter gebe es Beratungsangebote sowie Aus- und Fortbildungsveranstaltungen. Die Arbeit in der Wohnanlage sei nicht immer einfach. „Man muss seine Grenzen kennen und auch Grenzen setzen können“, so Börsch.

Auch die Arbeit des Freundeskreises Schlichthorst wurde thematisiert. Ihm gelinge es mit seiner Unterstützung, so manche Wünsche der Bewohner zu erfüllen. Auch ein wichtiger Aspekt sei das jährliche Bildhauerseminar, welches Teilhabe am gesellschaftlichen Leben generiere. Ebenso seien die Angebote in der Schießsportgruppe, Bouleturniere und Kegelwettbewerbe aber auch Fahrten zu den Spielabenden des Schachclubs Fürstenau ein Schritt zur verbesserten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.


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