„Pavillon der Region“ Merzener Traktorenfreunde machen Eigenwerbung auf der Laga

Von Martin Heimbrock

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Merzen/Bad Iburg. Es knallt, es pufft, es kracht und zischt. So könnte man den Auftritt der Merzener Traktoren- und Raritätenfreunde beschreiben, den sie an ihrem Ausstellungstag am „Pavillon der Region“ auf der Landesgartenschau in Bad Iburg verbracht hatten.

Mit insgesamt drei Traktoren, acht Vereinsmitgliedern, einem Standmotor und allerlei weiteren technischen Ausstellungsstücken waren die Freunde der altertümlichen Technik für zwei Tage nach Bad Iburg gereist, um an der insgesamt 25 Hektar großen niedersächsischen Landesgartenschau teilzunehmen.

Anfrage vom Landkreis

„Die Anfrage, ob wir mitmachen wollen, kam schon im Frühjahr, als Mitarbeiter vom Landkreis Osnabrück zu einem Museumsbesuch in unserem Vereinsheim in Lechtrup waren“, beschreibt der Vorsitzende Josef Plog den Ursprung des außergewöhnlichen Tages. Die Veranstalter der Landesgartenschau wollten auf dem ‚Pavillon der Region‘ nicht nur mit Ausstellungen von Städten und Gemeinden vertreten sein, insbesondere Museen und besondere Vereine sollten das Angebot für die insgesamt erwarteten 500000 Besucher der Landesgartenschau anreichern. Und genau diese beiden Eigenschaften brachten die Merzener Raritätenfreunde mit. Fabian Schröder, als Mitarbeiter des Kulturbüros vom Landkreis für Museen im Osnabrücker Land zuständig, ist an diesem Freitag, an dem die Merzener ihren Ausstellungstag haben, ebenfalls schon früh morgens dabei. Da die Ausstellung um 10 Uhr beginnt und präsentierte Exponate und Stände zu diesem Zeitpunkt komplett aufgestellt sein müssen, mussten die Traktorenfreunde schon morgens um 5 Uhr in Merzen mit ihrem Mobiliar starten.

Ohrenklappen und Handschuhe

„Und das bei herbstlichen Temperaturen unter zehn Grad“, erläuterte Clemens aus dem Moore die frühzeitige und gewöhnungsbedürftige Ausfahrt, als er seine Uschanka, eine dunkle Pelzmütze mit wärmenden Ohrenklappen vom Kopf nimmt und die Handschuhe auszieht. Allerdings sei das frühe Aufstehen in der Kälte später mit einem herrlichen Sonnenaufgang belohnt worden, der hinter den Schwaden der morgigen Nebelfelder zu bestaunen gewesen sei, lächelt aus dem Moore zufrieden.

Walter von den Benken, der mit seinem Lanz Bulldog Baujahr 1951 ebenfalls dabei ist, schmunzelt über die beschriebenen Strapazen, verfügt er an seinem einzylindrigen 4,7 Liter-Hubraum Traktor doch über eine nachträglich angebaute Frontscheibe, die ihn an diesem Morgen vor dem kalten Fahrtwind schützt.

Lanz als Hingucker

Sein Lanz ist am heutigen Tag einer der Hauptattraktionen auf dem Stand der Merzener. Jedes Mal, wenn er mit seiner Benzinlampe den Zylinderkopf seines metallenen Vehikels vorwärmt, wartet eine Schar interessierter Besucher darauf, dass er mit seinem Lenkrad die Kurbelwelle in Bewegung bringt, damit schwarzer Qualm aus dem „Schornstein“ steigt und im Takt des Zylinders dröhnende Geräusche über die grünen Flächen der Landesgartenschau verteilt.

Handgemachte Seile

Norbert Plog, der an diesem Tag gemeinsam mit Clemens aus dem Moore für das altertümliche Herstellen von Seilen zuständig ist, bedient die Seilmaschine. An einem getriebeähnlichen Gehäuse mit Zahnrädern, Wellen und Haken werden vier Seilpaare eingehängt, aus denen im anschließenden Arbeitsgang ein Zugseil entsteht. Während Plog die Handkurbel des Getriebes dreht, bewegt Clemens aus dem Moore einen hölzernen Knochen durch die vier Seilpaare, wodurch ein handfestes Tau aus Hanf entsteht. Für 2,50 Euro pro Meter wechseln an diesem Tag handgemachte Seile an interessierte Besucher.

Josef Plog ist für den Deutz-Standmotor zuständig, der über einen Flachriemen den „Spitzendöschker“ antreibt. Hier werden die Enden von Korngarben in den Einzug gehalten, wobei Metallschlegel die Ähren vom Stroh trennen. Diese Ähren wandern anschließend in die „Windfege“, bei der sprichwörtlich die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Lehrreiches zur Landwirtschaft

Und somit sauberes Korn unten herausfällt – das, was früher mittels Jutesack zum Müller gebracht wurde, der dann aus Korn Mehl mahlte.

Neben altertümlicher Wäschemaschine, Zentrifuge als Buttermaschine und allerlei sonstigen Handgeräten bietet die Ausstellung an diesem sonnigen Tag ihren Besuchern allerlei Lehrreiches über die landwirtschaftliche Arbeit längst vergangener Zeiten, was bei den Besuchern für reichlich Interesse sorgt. So unterhält sich Karl-Heinz Brinkmann gerade mit Heinz Hinrichs, der sich über den Verein der Traktoren- und Raritätenfreunde informieren möchte. Das Mitglied eines gleichgesinnten Oldtimerclubs aus dem emsländischen Berßen ist an der Organisation sowie über das Vereinsheim der Traktorenfreunde interessiert.

Den Teuto erwandern

Ein anderes Besucherpaar bilden die beiden Meppener Wilfried und Annette Dulle, die in ihrem Alltag mit alten Traktoren und landwirtschaftlichen Gerätschaften erst einmal gar nichts zu tun haben. Während sie im Gespräch mit Josef Plog den vereinseigenen Kräuterlikör kosten, berichten sie über ihren Zwischenstopp auf der Landesgartenschau in Bad Iburg zu Ihrem eigentlichen Reiseziel nach Paderborn. „Wir wollten einfach mal durch den Teutoburger Wald wandern und sind nun hier eingekehrt“, berichtet Annette Dulle. Umso schöner sei es, nun am Pavillon der Region eben Menschen aus der Region kennenzulernen, die besondere Freude an dem haben, was sie tun.

„Ob sich der ganze Aufwand lohnt, den wir hier betreiben, wissen wir gar nicht genau“, resümiert der Vereinsvorsitzende Josef Plog am Ende des Tages die Arbeit seiner Mannschaft. Man habe sich zwar „gut verkauft“ und somit den Bekanntheitsgrad Merzens erheblich gesteigert, auch der ein oder andere Euro wurde für die Vereinskasse eingenommen. Aber feste und konkrete Ergebnisse des Tages seien – zumindest auf dem ersten Blick – gar nicht genau zusammenzufassen.

„Wir hatten Spaß“

„Aber wir hatten Spaß, und das ist das, was zählt“, ergänzt Karl-Heinz Brinkmann, der als Gründungsmitglied die Werte, Ziele und Inhalte der Traktoren- und Raritätenfreunde nur zu gut kennt.


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