Güllenutzung und CO2-Einsparung Grüne stehen AGV-Projekt in Voltlage positiv gegenüber

Von Bernard Middendorf, 12.09.2018, 14:00 Uhr
„Wie Kaninchenfutter!“ meinten Udo Urmann und Laurenz Brackmann scherzhaft nach einer Geruchsprobe. Foto: Bernard Middendorf

Voltlage. „Das scheint uns eine sinnvolle Sache zu sein“ erklärte Johannes Bartelt, Kreisgeschäftsführer von Bündnis90/Die Grünen, beim Vortrag der Firma AGV über Pläne für ein Güllevergärungsprojekt in Voltlage .

Seine Partei begleite das Vorhaben positiv, aber kritisch; wichtig sei auch, die Belange der Nachbarn zu berücksichtigen, resümierte Bartelt nach dem gut besuchten Informationsabend mit Michael Kruse und Christine Gärke von der Agrar-Güter-Vermittlung UG im Voltlager Hof.

Biogaserzeugung auf Güllebasis

In Niedersachsen fehlten aktuell 80.000 Hektar Fläche für Ausbringung der Gülle, die sogar bis nach Neu-Brandenburg transportiert werde. Ökologische Aspekte seien wesentliche Triebfedern für ihre Idee einer Biogaserzeugung auf 100 Prozent Güllebasis mit Totalnährstoffaufbereitung gewesen, betonten beide Geschäftsführer. Geplant seien der Bau eines Gewächshauses für Mikroalgen als Bionahrungsmittel und einer Biogasanlage mit 100 Prozent Güllevergärung. Statt Mais sollten 100000 cbm Rinder- und Schweinegülle aus der Region und 50000 cbm Gärreste verwertet werden.

Entstehender Strom würde ins öffentliche Netz eingespeist, Wärme genutzt zur Aufheizung der Fermenter und des Gewächshauses. Begriffe wie Siebbandpresse, Flotation, Umkehrosmose und Ionentauscher wurden erläutert. Geplant seien 46000 cbm flüssiger Nährstoffe und 7000 Tonnen Trockensubstrat (TS) jährlich; Ziel: ein preisgesichertes Nährstoffverwertungskonzept für Betriebe im Umkreis von 25 bis 30Kilometern. Kosten für Landwirte mit gestaffelten Abgabepreisen nach TS-Gehalt der Gülle stünden Nutzen wie Lieferverträge für zehn Jahre und festgelegte Qualitätsstandards gegenüber.

Treibhausgase reduzieren

Pro Fass würden Rückstellproben entnommen; auch die Qualität des in den natürlichen Kreislauf eingeleiteten Wasseranteils werde täglich geprüft, wurde auf Zuhörerfragen versichert. Umweltvorteile dieser Güllevergärung seien Reduzierung von Treibhausgasen aus vorheriger Lagerhaltung und effizientere Biogaserzeugung durch frischen Dünger. Der erzeugte Strom könne 350 Tonnen CO2-Emissionen – verursacht von 3504 Personen – einsparen, so die Modellrechnung. Vorteilhaft auch: Gärreste riechen nicht, der Phosphorgehalt sei null (Phosphorentlastung 525 Tonnen), Unkrautsamen würden vernichtet, Antibiotikareste „rausgekocht“.

Keine Großkonzerne

Die Gülle müsse nicht mehr umweltschädlich über weite Strecken transportiert werden, 24 Lkw betrüge das tägliche Aufkommen am Standort neben der Kreisstraße in Voltlage. Bei einer Investition von 7,5 Millionen Euro seien 3,0 Millionen Euro Eigenkapital nötig. An Gewinnen sollten nur Bauern und Biogasanlagenbetreiber teilhaben: „Wir wollen keine Großkonzerne als Kommanditisten!“ wurde betont; die Antwort auf eine Frage von Laurenz Brackmann: In Holland stünden bereits Anlagen dieser Art, in Deutschland auch eine. Genehmigungsbehörde sei das Gewerbeaufsichtsamt; „wir rechnen mit mehreren neuen Arbeitsplätzen am Standort“, lauteten die Auskünfte der AGV-Planer an Josef Klausing. Eine geruchfreie Trockensubstrat-Probe hatten die beiden gleich mitgebracht: „Wie Kaninchenfutter!“ bestätigte ein Grüner scherzhaft, bevor Bartelt mit einem Dank an Referenten und Teilnehmer die Versammlung schloss.

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