Serie „Die Kunden und ich“ Merzener Bestatter über bunte Särge und emotionale Momente

Von Christian Geers

Ob Urne oder Sarg – die Bestattungskultur wandelt sich ständig, weiß Bestatter Markus Overberg. Foto: Ch. GeersOb Urne oder Sarg – die Bestattungskultur wandelt sich ständig, weiß Bestatter Markus Overberg. Foto: Ch. Geers

Merzen. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 8: Bestatter

Für Markus Overberg gehört der Tod zum Alltag. Der 45-jährige Merzener arbeitet als Bestatter, seine Firma unterhält neben dem Stammsitz in Merzen auch Ausstellungs- und Büroräume in Neuenkirchen und Bramsche. Mit unserer Redaktion spricht er über Trends bei Beerdigungen, über emotionale Momente und über den Umgang mit Tod und Trauer.

Herr Overberg, wie reagieren Menschen, wenn Sie erzählen, dass Sie Bestatter sind?

Ganz unterschiedlich. Es gibt Menschen, die finden diesen Beruf immer noch außergewöhnlich, sind neugierig und stellen Fragen. Ich habe aber auch schon in einer Gruppe erlebt, dass sich Menschen abwenden, weil sie offenbar nichts von Tod und Trauer hören wollen.

Was wollen die Leute denn so wissen?

Zum Beispiel, ob mir der Umgang mit Verstorbenen etwas ausmacht und ob es nicht eine Belastung ist, dauernd auf trauernde Menschen zu treffen.

(Weiterlesen: Pferde-Zahnärztin über eklige Gerüche und ohnmächtige Besitzer)

Und? Es ist eine Belastung?

Nein. Man lernt, damit professionell umzugehen. Aber natürlich gibt es bei aller Routine Situationen, die mich durchaus traurig stimmen: wenn Kinder und junge Menschen gestorben sind oder wenn ich gute Bekannte und Freunde bestatten muss.

Hat der Beruf Ihre Sicht auf das Leben verändert? Lebt man als Bestatter bewusster?

Vielleicht ja, weil man öfter über das eigene Leben nachdenkt. Gerade bei tödlichen Verkehrsunfällen wird man daran erinnert, dass das Leben von jetzt auf gleich zu Ende sein kann.

Eine Standardfrage ist sicher auch, ob Sie die Särge auch noch selbst herstellen...

Ja, diese Frage wird mir häufig auch gestellt. Das liegt daran, dass viele Bestatter früher auch Tischler waren. Das trifft auch auf unsere Firma zu. Tischler haben die Särge gebaut und sich dann auch um die Bestattung gekümmert.

(Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Woher kommen die Särge?

Heute gibt es Tischlereien, die sich auf die Herstellung von Särgen spezialisiert haben. Von dort und aus dem Sarghandel beziehen wir die Särge.

Unterliegen auch Särge Moden und Trends?

Ja, allerdings ist das auf dem Land weniger zu beobachten als in der Stadt. Früher mussten die Särge eher dunkel und mit vielen Schnitzereien verziert sein, heute wählen Angehörige schon mal einen helleren Farbton in einer schlichten, zeitlosen Ausführung.

Was war der ausgefallenste Wunsch bei einer Bestattung?

Es gab einmal eine Familie, die wollten für ihren Verstorbenen einen grün lackierten Eichensarg mit Messingbeschlägen. Ein anderes Modell kam für die Angehörigen nicht infrage...

...es sind also alle Farben denkbar?

Theoretisch ja. Es gibt Särge, auf denen Fotos oder andere Motive aufgebracht sind, die Bezug nehmen können auf den Toten. Allerdings handelt es sich dabei um Sondermodelle, die kaum ein Bestatter vorrätig hat und erst beschafft werden müssen.

(Weiterlesen: Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene)

Sie haben bestimmt mehr schwarze Anzüge und Schuhe im Kleiderschrank als ich, oder?

Im Moment sind es vier Anzüge – je nach Jahreszeit aus einem leichteren oder dickeren Stoff. Dazu kommt eine ganze Reihe weißer Oberhemden und, ja, mehrere Paar schwarze Schuhe.

Wie oft müssen Sie sich am Tag umziehen?

Mehrmals, das kommt ganz darauf an, welche Aufgaben anstehen: ob ich in der Friedhofskapelle die Beerdigung vorbereite, ob ich ein Trauergespräch mit den Angehörigen führe oder ob ich einen Verstorbenen abhole oder einsarge.

(Weiterlesen: Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen)

Gestorben wird immer, heißt es. Ist das Bestattergewerbe tatsächlich ein todsicheres Geschäft?

Nein, ist es nicht. Wie jedes andere Unternehmen muss man sich neuen Aufgaben und Herausforderungen stellen.

Auch Ihr Vater ist Bestatter. War für Sie klar, dass Sie diese Aufgabe auch einmal übernehmen würden?

Ich würde heute nicht als Bestatter arbeiten, wenn ich die Arbeit nicht von Kindesbeinen an in der Familie hautnah mitbekommen hätte.

Sind Sie immer bei einer Beerdigung dabei?

Ja, in der Regel schon. Die Beerdigung ist sozusagen der Abschluss aller Vorbereitungen in den Tagen zuvor.

Gehen Menschen heutzutage mit Tod und Trauer anders um als noch vor 20 Jahren?

Ja, aber das ist nicht unbedingt ein Verdienst der Bestatter. Über Tod und Trauer wird in der Gesellschaft heute viel offener gesprochen als noch vor Jahrzehnten. Das sind keine Tabuthemen mehr. Immer mehr Menschen regeln schon zu Lebzeiten, wie sie sich ihre eigene Bestattung vorstellen und sprechen mit den Angehörigen und dem Bestatter darüber. Das ist für alle Beteiligten eigentlich ein Idealzustand.

Hand aufs Herz, haben Sie schon über Ihre eigene Beerdigung nachgedacht?

Ja, ich habe schon Vorstellungen.