Interview mit Berthold Eich Gesundheit im Alter fängt bei der Ernährung an

Von Elisabeth Schomaker


Neuenkirchen. Gesund, fit und selbstständig bis ins hohe Alter – das wünscht sich jeder. Doch was, wenn es immer schwerer fällt, den Alltag alleine zu bestreiten? Berthold Eich ist studierter Pflegemanager und Prokurist bei der Caritas Nordkreis Pflege GmbH, einem Verbund von Pflegediensten, Alten- und Pflegezentren im nördlichen Landkreis Osnabrück. Er plädiert dafür, sich möglichst früh einen Plan dafür zurechtzulegen, wie man im Alter leben will.

Herr Eich, Sie arbeiten seit fast 35 Jahren in der Seniorenpflege. Was können wir Ihrer Erfahrung nach tun, um auch im hohen Alter gesund und selbstständig zu bleiben?

Dass Gesundheit und Fitness im Alter allmählichnachlassen, ist unausweichlich. Das wissen wir natürlich. Trotzdem neigt der Mensch dazu, diese Gewissheit zu verdrängen. Ich glaube, dass wir uns früher und planerischer mit dem Älterwerden beschäftigen müssen – am besten schon weit vor der Rente. Nur so haben wir die Möglichkeit, einen Plan dafür zu entwickeln, wie wir in unserer ganz individuellen Lebenssituation in Eigenverantwortung alt werden können.

Was ist dafür besonders wichtig?

Eine ganz entscheidende Rolle spielt die Wohnform. Ich muss mir die Frage stellen: Kann ich hier, wo ich jetzt lebe, alt werden? Das berührt ganz viele Aspekte: Lebe ich in einer Partnerschaft? Wohnen meine Kinder im selben Haus oder im selben Ort? Und gibt es die Möglichkeit, einen Treppenlift einzubauen? Ich habe auf Dauer nichts davon, in einer Wohnung zu leben, die für Senioren nicht geeignet ist. Wenn ich mit 60 Jahren merke, dass der Bauernhof, auf dem ich lebe, zwar idyllisch gelegen ist, die drei Kilometer bis zum nächsten Dorf im Alter aber schwierig sind, dann kann ich die bewusste Entscheidung treffen, umzuziehen. Mit 70 oder 80 Jahren wird dieser Schritt immer schwieriger. Oder aber ich entwickele schon früh einen Plan, wie ich mir Hilfe hole – egal, ob von Angehörigen oder von professionellen Anbietern, etwa Pflegediensten.

Viele ältere Menschen scheuen davor zurück, Hilfe von Angehörigen oder Pflegekräften in Anspruch zu nehmen. Warum?

Es ist schwierig, sich selbst einzugestehen, dass man nicht mehr alles alleine schafft. Das fängt schon im Kleinen an, zum Beispiel bei der Ernährung. Das Einkaufen und Kochen fällt älteren Menschen oft schwer, deshalb ernähren sich viele sehr einseitig. Es gibt dann zum Beispiel tagelang Dosensuppe oder Brot mit Spiegelei, weil alles andere zu aufwändig ist. Im Grunde wissen sie, dass das ungesund ist, aber es fällt ihnen schwer, daraus die Konsequenz zu ziehen und sich Hilfe zu holen. Dabei könnte der Nachbar beim nächsten Einkauf einfach ein paar Sachen mitbringen, oder die Tochter kocht zweimal die Woche für ihre ältere Mutter mit.

Viele Senioren haben keine Angehörigen oder Nachbarn, die sie um Hilfe bitten können. Was raten Sie denen?

Es gibt sehr vielseitige Angebote, beispielsweise Einkaufshilfen, offene Mittagstische im Seniorenheim oder Essen auf Rädern. Ein offener Mittagstisch hat neben der Ernährung einen weiteren ganz wichtigen Vorteil: Er ist ein Begegnungsort; dort kann man sich treffen, reden und austauschen. Die Einsamkeit vieler Senioren ist ein ganz wichtiges Thema. Je älter man wird, desto mehr vereinsamt man häufig. Das hat mit Immobilität zu tun, oder damit, dass der Partner und enge Freunde verstorben sind und die Kinder weit weg wohnen. Für einige Senioren ist der Gang zum Arzt der engste soziale Kontakt. Auch dafür sollte man sich früh einen Plan überlegen: Was mache ich, wenn ich der letzte meiner Familie bin? Wie baue ich neue soziale Kontakte auf? Das betrifft weniger Menschen, die aus einer Großfamilie stammen und deren Kinder in der Nähe wohnen; betroffen sind vor allem ältere Singles. Wenn ich geistig vereinsame, wirkt sich das auch negativ auf die körperliche Gesundheit aus. Einsamkeit macht psychosomatisch krank.

Wie kann ich mir im Alter ein neues soziales Netzwerk aufbauen?

Auch hierfür gibt es zahlreiche Angebote von ganz verschiedenen Trägern. In fast jedem Ort gibt es Freizeitangebote für Senioren, etwa einen Seniorentreff, bei dem sich ältere Menschen unterhalten und Kaffee trinken oder Karten spielen können. Leider werden diese Angebote häufig nur unzureichend genutzt. Die Hemmschwelle, die eigene Burg zu verlassen, ist groß. Das hat auch mit Angst zu tun. Dabei wird man eigentlich immer mit offenen Armen empfangen. Häufig entwickeln sich in solchen Gruppen enge Freundschaften. Toll ist es auch, wenn Rentner sich ehrenamtlich engagieren oder einem Hobby nachgehen, zum Beispiel im Chor singen. Leidenschaft und Motivation ist der größte Antrieb, um auch im hohen Alter fit und gesund zu bleiben.