Serie „Gesund leben!“ Neuenkirchener St.-Elisabeth-Stift wandelt sich vom Krankenhaus zum Pflegeheim

Von Christian Geers


Neuenkirchen. Das St.-Elisabeth-Stift in Neuenkirchen ist einst als Krankenhaus gegründet worden. Heute, 124 Jahre nach der Grundsteinlegung, ist es ein Seniorenpflegeheim, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Ein Blick in die wechselvolle Geschichte.

Das Krankenhaus in Neuenkirchen geht – wie viele andere Gründungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Gebiet des heutigen Altkreises Bersenbrück – auf eine Stiftung zurück. In Fürstenau verfügt die Witwe Regina Nieberg 1887 in ihrem Testament, ein Krankenhaus zu gründen. Es ist die Geburtsstunde des späteren St.-Reginen-Stifts. Auch in Neuenkirchen entsprechen die Erben der 1888 verstorbenen Witwe Elisabeth Kitzero ihrem letzten Willen und legen 1894 den Grundstein für das Krankenhaus St.-Elisabeth-Stift.

Beginn in Gaststätte

Ein Jahr später, am 29. September 1895, begannen die Ordensschwestern der Franziskanerinnen vom hl. Märtyrer Georg in Thuine, erkrankte Menschen zu behandeln und zu pflegen. Das geschah seit 1888 im Haus Kitzero, einer ehemaligen Gaststätte. Eng verbunden mit der Geschichte des Krankenhauses ist Schwester M. Norberta, die im Mai 1888 nach Neuenkirchen kam und zunächst die erkrankte Witwe Kitzero pflegte. Bis auf eine kurze Unterbrechung war die Schwester bis zu ihrem Tod im Jahr 1948 mehr als 60 Jahre in Neuenkirchen tätig.

Lange Weg zu den Ärzten

Die Arbeit der Schwestern ist aufopferungsvoll und schwierig, wie die Chronik des St.-Elisabeth-Stifts anschaulich berichtet. In den ersten Jahren steht ein Arzt den Thuiner Schwestern zur Seite, doch zwischen 1896 und 1921 sind sie oft auf sich selbst angewiesen, wenn medizinische Hilfe gebraucht wurde. Die nächsten Mediziner praktizierten in Mettingen und Bramsche, der Weg dorthin ist weit. Als wieder ein Arzt in Neuenkirchen ansässig ist, steigt die Zahl der Patienten. Anfangs lag sie zwischen 20 und 30 pro Jahr, um 1919 sind es schon 100. Die große Nachfrage zwingt die Verantwortlichen zu Neu- und Anbauten. 1908 wird ein Operationszimmer eingerichtet, noch vor dem Ersten Weltkrieg schafft das verantwortliche Kuratorium Platz im ersten Stock. Bis zu 460 Patienten pro Jahr werden Anfang der 1950er-Jahre im Krankenhaus behandelt. Immer wieder sind Erweiterungen notwendig, es wird Platz gebraucht auch für die sieben Ordensschwestern.

Aus für kleinere Krankenhäuser

Mitte der 1960er-Jahre denkt das Kuratorium erstmals darüber nach, das Stift komplett in ein Alten- und Pflegeheim umzuwandeln. Im Obergeschoss verbringen bereits 20 ältere Menschen ihren Lebensabend. Doch die Pläne für einen neuen Trakt mit 30 Plätzen werden aus Kostengründen verworfen. Ende der 1970er-Jahre zeichnet sich ab, dass die Tage des St.-Elisabeth-Stift als reines Krankenhaus gezählt sind. Das Land Niedersachsen will die kleinen Krankenhäuser schließen – aus Kostengründen. Verfügte das Haus 1960 noch über 29 planmäßige Krankenbetten und elf Altenheimplätze, so waren es 1980 nur noch 13 Planbetten und 32 Altenheimplätze. Es zeichnet sich ab, dass kleine Häuser für die medizinische Akutversorgung der Menschen nicht zu halten sind, weil der finanzielle Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen steht. Ende 1983 schlägt das Stift ein neues Kapitel in seiner Geschichte auf: Es wird vom Krankenhaus zum Alten- und Pflegeheim. Die Entbindungsstation war schon 1977 geschlossen worden. Mit der Neuausrichtung verbunden sind erneut Bauarbeiten, die zweineinhalb Jahre dauern. Im September 1985 ist das Haus umgebaut, es gibt 38 Betten in 20 Einbett- und neun Zweibettzimmern.

Zukunftsperspektiven

In den folgenden Jahren gelingt es dem Alten- und Pflegeheim immer wieder recht erfolgreich, auf Veränderungen im Gesundheitswesen zu reagieren. Und es ist seiner Zeit voraus: Als das St.-Elisabeth-Stift 1994 sein 100-jähriges Bestehen feiert, ist es schon seit zwei Jahren in einen Modellversuch eingebunden. Es gibt eine Tagesbetreuungsgruppe speziell für altersverwirrte Menschen, in die später auch verwirrte Bewohner als Tagesgäste ambulant betreut werden. 1993 entstehen in Sichtweite des Hauses in der Straße Kleiner Sundern 16 Altenwohnungen. Deren Mieter können sich auf Wunsch vom Personal des St.-Elisabeth-Stiftes betreuen und versorgen lassen. Die Verantwortlichen wollen das Alten- und Pflegeheim um Angebote erweitern, die den individuellen Bedürfnissen älterer pflegebedürftiger Menschen gerecht werden. Sie haben erkannt, dass das Haus nur dann eine Zukunft hat, wenn es auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert. In den 1990er-Jahren stehen weitere bauliche Veränderungen an. Nach Osten hin wird das Haus um einen weiteren Flügel ergänzt. Die Zahl der Pflegeplätze steigt auf 75.

2009 erfolgt der Abriss des markanten Bruchsteingebäudes

Die wohl einschneidendste Veränderung wird im Jahr 2008 angestoßen. Das St.-Elisabeth-Stift, inzwischen Teil des Pflegeheimverbundes St. Michael GmbH, plant den Abriss des Altbaus. Nur der 1998 eingeweihte Trakt soll erhalten bleiben. Die Raumstruktur im Altbau ist nicht mehr zeitgemäß und mit vertretbarem Aufwand nicht mehr zu sanieren. Und so scheut die Kirchengemeinde St. Laurentius den „schmerzlichen Klärungsprozess“ nicht, wie es Generalvikar Theo Paul bei der Einweihung des 3,6 Millionen Euro teuren Neubaus Ende November 2010 formuliert. Der bedeutet am Ende den Abriss des 1894 gebauten Hauses mit seiner ortsbildprägenden Bruchsteinfassade. An der Lindenstraße entsteht ein moderner Neubau mit drei Geschossen und heller Putzfassade. Modern, geräumig, zweckmäßig präsentiert sich das St.-Elisabeth-Stift seither. Es gibt mehr als 66 Langzeitpflegeplätze, die Bewohner leben in Hausgemeinschaften zusammen.

Teil eines Verbundes

Und die Entwicklung geht weiter: 2015 wird die Caritas Nordkreis Pflege gegründet. Unter diesem Dach sind der Caritas-Pflegedienst Fürstenau/Neuenkirchen, der Caritas-Pflegedienst Bersenbrück/Bramsche sowie sechs Alten- und Pflegezentren im Osnabrücker Nordkreis vereint. Vorrangiges Ziel der Dachgesellschaft ist es nach eigenen Angaben, mittels moderner Managementstrukturen die zukünftigen Herausforderungen in der Altenhilfe zu bewältigen aber auch neue Wege zu gehen, zeitgemäße Konzepte umzusetzen und somit die katholischen Altenhilfeeinrichtungen im Altkreis Bersenbrück an ihren Standorten weiterzuentwickeln. 2016 wird das alte Verwalterhaus des Stiftes an der Kolpingstraße abgerissen. An dieser Stelle ist der Neubau einer Tagespflege und ambulanter Hausgemeinschaft vorgesehen. Die Pläne werden zurzeit erarbeitet.