Betreiber haben Vorhaben prüfen lassen Zertifikat für geplantes Nahwärmenetz in Neuenkirchen

Von Christian Geers


Neuenkirchen. Das Neubaugebiet am Fürstenauer Damm in Neuenkirchen soll an ein Nahwärmenetz angeschlossen werden. Dessen Betreiber hat die Pläne vorab prüfen lassen. Das Ergebnis der Gutachter: Dabei handelt es sich um eine sehr effiziente und vor allem klimaschonende Energieform.

Die Schulte Biogas GmbH & Co. KG mit Sitz in Merzen plant, ihr bestehendes Nahwärmenetz in Neuenkirchen auszubauen. Angedacht ist ein Anschluss des neuen Baugebiets am Fürstenauer Damm. Aber auch weitere Objekte, wie zum Beispiel das Rathaus oder Einrichtungen der Kirchengemeinde, könnten auf diese Weise beheizt werden.

Biogasanlage steht in Südmerzen

Das Biogas wird in einer Anlage auf dem Hof Kemme in Südmerzen erzeugt und per Leitung auf den Hof Schulte in Neuenkirchen geleitet. Dort steht ein sogenanntes Satelliten-Blockheizkraftwerk (Kraft-Wärme-Kopplung), in dem Wärme und Strom erzeugt wird und das neben einigen Privathäusern seit Ende 2010 auch das Schulzentrum Neuenkirchen beheizt. Allerdings: Die mögliche Gesamtleistung des BHKW werde derzeit noch nicht ausgenutzt, die erzeugte Wärme noch nicht in Gänze abgeführt, erläutert Marcus Kemme. Eine Erweiterung des Nahwärmenetzes wäre betriebswirtschaftlich sinnvoll, so würde sich die Biogasanlage nach Ablauf der 20-jährigen Förderung – in diesem Zeitraum garantiert der Staat über das Energieeinspeisegesetz die Abnahme des erzeugten Stroms zu einem bestimmten Preis – ein weiteres Standbein bekommen. Das ist zumindest die Idee der Investoren Marcus Kemme, Gregor Schulte und Andreas Lührmann.

Übergabe des Zertifikats im Rathaus Neuenkirchen

Der mit Planung und Bau des Nahwärmenetzes beauftragte Fachmann Wilfried Oeverhaus aus Quakenbrück hat das Nahwärmenetz begutachten lassen. Das Ergebnis der Expertise: Der Primärenergiefaktor liegt bei 0,0 , auch alle anderen gesetzlichen Anforderungen an das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz werden erfüllt. Das Zertifikat überreichte Oeverhaus bei einem Ortstermin im Rathaus Neuenkirchen im Beisein von Bürgermeister Vitus Buntenkötter und dem stellvertretenden Gemeindedirektor Reinhold Ricke an Marcus Kemme und David Schulte von der Schulte Biogas. Dabei erläuterte der Quakenbrücker die Vorteile dieser Bescheinigung für Immobilienbesitzer und Bauherren.

Planer: Vorteile für Häuslebauer

Dank des zertifizierten Nahwärmenetzes falle es Bauherrn leichter, bei einem Neubau die geltende Energieeinsparverordnung und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz zu beachten. Letzteres schreibt zum Beispiel die verpflichtende Nutzung von Erneuerbaren Energien vor. Durch den Anschluss an das Wärmenetz sind keine anderen Wärmeerzeuger wie zum Beispiel Solaranlage mehr erforderlich. „Außerdem können beim Bau zinsgünstige Kredite der KfW-Bank mit Teilschuldenerlass in Anspruch genommen werden“, so Oeverhaus. Dazu müsse jeweils der individuelle Einzelfall geprüft werden. Der Quakenbrücker Heizungsfachmann ist überzeugt, „dass das geplante Nahwärmenetz nur Gewinner hat“. Auch der CO2-Ausstoß werde minimiert, was letztlich, der Gemeinde Neuenkirchen und ihren Bürgern zugutekomme.

Sicherheitspuffer einkalkuliert

Das auf dem Hof Schulte am Neuenkirchener Ortsrand bestehende Blockheizkraftwerk wird um eine zweite Anlage ergänzt. Für Spitzenzeiten – also bei hoher Nachfrage nach Wärme – gibt es einen Notkessel, der mit Heizöl betrieben werden kann. „Das garantiert eine sehr hohe Versorgungssicherheit“, erläuterte Wilfried Oeverhaus. Die Anlage sei so konzipiert, dass es einen auf zehn Stunden ausgelegten Sicherheitspuffer gibt. „Das leistet eine Gasheizung nicht, wenn der Monteur bei einer Reparatur erst noch auf das Ersatzteil warten muss.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass das Nahwärmenetz ausfalle, sei „sehr gering“.

Großes Interesse an Nahwärmenetz

Nach einer Informationsveranstaltung im vergangenen Jahr schätzt Planer Oeverhaus das Interesse der Bauherren im Baugebiet am Fürstenauer Damm an einem Nahwärme-Anschluss auf etwa 80 Prozent. Bis April sollen die Versorgungsleitungen verlegt werden. Auch die Samtgemeinde Neuenkirchen denke im Zuge der anstehenden Rathaus-Sanierung auch an einen Wechsel der Heizung nach, wie Bauamtsleiter Reinhold Ricke anmerkte. „Das Interesse ist vorhanden.“


Primärenergiefaktor

Der Primärenergiefaktor hilft, die Effizienz verschiedener Energieformen zu vergleichen. Damit wird das Verhältnis zwischen eingesetzter Primärenergie zu abgegebener Endenergie angezeigt. Je kleiner der Primärenergiefaktor ist, desto effizienter ist die Energieform. Der Primärenergiefaktor berücksichtigt nicht nur die Effizienz, sondern auch Versorgungssicherheit und Klimaschädlichkeit (CO2-Emissionen). Bei Erd- und Flüssiggas sowie Heizöl liegt er bei 1,1, bei Strom bei 1,8 und bei Nahwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung bei 0,0.