Ein Begriff, viele Definitionen Neujahrsempfang in Voltlage widmet sich dem Thema Heimat

Von Christian Geers


Voltlage. Was ist Heimat? Eine kurze Frage, auf die es aber keine schnelle und vor allem einfache Antwort gibt. Fest steht, dass der Begriff eine Renaissance erlebt in einer globalisierten Welt und alles andere als angestaubt wirkt. Antwortversuche lieferte der Neujahrsempfang in Voltlage.

Das Schöne am Neujahrsempfang „Kiek in’t neije Johr“ ist der Erkenntnisgewinn am Schluss. Die Festrede im Mittelpunkt widmet sich stets einem aktuellen Thema oder hat einen Bezug zum Ort. Dieses Mal hatte der Ausschuss für Dorfentwicklung, der die Veranstaltung maßgeblich vorbereitet, den Fokus auf den Begriff Heimat gelegt und das Thema „#Heimatliebe: Heimat sind unsere bunten Dörfer“ bezeichnet. Das war ganz passend, denn schließlich war auch die Ehrung einer Gruppe, die das Wort Heimat im Namen trägt, ein Programmpunkt des sonntagvormittäglichen Treffens. Geehrt wurden die Voltlager Heimatmusikanten.

(Weiterlesen: Gemeinde Voltlage ehrt Garanten für gute Laune.)

Was also ist Heimat? Eine räumliche Bezeichnung, die die Gebrüder Grimmmit „Land oder auch nur der Landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden Aufenthalt hat“ definierten? Und wieso ist das Thema neuerdings wieder präsent? Diese letzte Frage von Bürgermeister Norbert Trame beantwortete Gemeindereferentin Kathrin Sierp so: „Erpelpannekaoken bi mine Mama“. Für sie ist Heimat also ein Gericht, aber eben nicht nur, wie sie erläuterte. Das können auch ‚Heimatmenschen‘ sein, die wie die Voltlager „ihr Herz auf der Zunge tragen“, die auf Augenhöhe und mit Wertschätzung mit sich und anderen kommunizieren. „Und solche Menschen gibt es an vielen Orten, eben nicht nur zu Hause“, so Sierp.

Der Heimatbegriff und die Medien

Und wie gehen die Medien mit dem Begriff Heimat um? Ulrike Havermeyer, freie Journalistin aus Westerkappeln und unter dem Kürzel ugh als Autorin vieler Artikel fürs „Bersenbrücker Kreisblatt“ bekannt, hatte die Online-Suchmaschinen befragt – und war fündig geworden. Der Begriff „Heimat“ wirft rund 2,4 Millionen Einträge aus, auf der Internetseite auf noz.de immerhin 24000 Artikel zum Thema. Zum Vergleich: Die Olympischen Spiele sind mit mehr als 40.000 Ergebnissen offenbar gefragter. Aber „Heimat liegt todsicher im Trend“, folgerte Havermeyer. Medien griffen das Thema auf vielfältige Art und Weise auf, beschäftigen sich mit der Flüchtlingskrise, in der Menschen ihre Heimat verlören, benutzten Heimat aber auch in anderen Zusammenhängen, wie sie anhand von Schlagzeilen erläuterte: Da war – im politischen Sinne – von „heimatlosen Konservativen“ die Rede, aber auch von Wölfen, die hierzulande eine neue Heimat finden. Ihre Quintessenz: Die Medien beschäftigen sich mit dem Thema Heimat, gerade Lokalzeitungen wie das „Bersenbrücker Kreisblatt“ greifen die Themen auf, die auch das Lebensumfeld ihrer Leser aufnehmen und reflektieren.

Was Schüler unter Heimat verstehen

Und was verstehen Voltlager Schüler unter Heimat? Diesen Part übernahmen Maileen Kleingers, David Bergsma, Maxima Jung und Leonard Tebbe, alle Schüler der Klasse 5b der Goode-Weg-Schule Neuenkirchen. Und schnell war klar, dass die fünf Heimat mit ihrer unmittelbaren Umgebung, ihrem Zuhause, verbinden. Entsprechend lebensnah war ihr Blick. Voltlage, das ist für sie „viel Land und Landwirtschaft“, das sind Sportverein und Schützenvereine, die Wetterschutzhütte und – da brandete plötzlich Applaus auf – die Weeser Fischteiche als „Ort der Natur, der Ruhe und Erholung“. Ob sie sich vorstellen könnten, woanders zu wohnen, wollte Hermann Dreising, Voltlages stellvertretender Bürgermeister, wissen. „Nein“, sagte Leonard Tebbe und lieferte den Grund schnell nach: „In der Großstadt ist es so stickig, und außerdem kann man da nicht so gut Trecker fahren.“

Trame: Heimat fällt aber nicht vom Himmel

Bürgermeister Norbert Trame versucht am Schluss eine Zusammenfassung: Ein Dorf wie Voltlage könne Heimat sein, Heimat sei ein Ort, an dem man sich sicher, wohl und angenommen fühle. „Heimat fällt aber auch nicht vom Himmel“, stellte er klar. Dafür brauche es „Menschen, die sich vor Ort kümmern und die Voraussetzungen schaffen“. In diesem Sinne arbeite auch der Gemeinderat, dem Trame für die gute Arbeit im vergangenen Jahr ausdrücklich dankte.