An Düngeverordnung halten Gülletrecker sind im Altkreis Bersenbrück unterwegs

Von Josef Pohl

Warten auf Wetterbesserung: Auf den durchweichten Böden der Region gab es bisher nur wenige Möglichkeiten, die Gülle auszubringen. Symbolfoto: dpa/SchulzeWarten auf Wetterbesserung: Auf den durchweichten Böden der Region gab es bisher nur wenige Möglichkeiten, die Gülle auszubringen. Symbolfoto: dpa/Schulze

Altkreis Bersenbrück. Bei einigen Tierhaltern neigen sich die Lagerkapazitäten für die Gülle dem Ende entgegen. Seit 1. Februar ist die Wintersperre zwar abgelaufen, es stellt sich aber die Frage, inwieweit das Ausbringen des Nährstoffes derzeit erlaubt oder sinnvoll ist?

Das Wetter hat den Landwirten – auch hier in der Region – wochenlang einen Strich durch die Rechnung gemacht. Schon im Herbst waren die Böden zum Teil so nass, dass einige Landwirte Probleme hatten, die Maisernte einzubringen, die Maishäcksler blieben stecken. Auch die eingebrachte Wintersaat stand an mehreren Orten so unter Wasser, dass diese Felder wohl wieder umbrochen werden müssen.

Ausnahmegenehmigung

Aber das seien nur Einzelfälle, sagte der Neuenkirchener Johannes Schürbrock, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes Bersenbrück. Bei Zusammenkünften in Oldenburg oder Hannover höre er von ganz anderen Problemen der Berufskollegen, hier vor Ort hingegen sehe es sowohl bei den Zwischenfrüchten, als auch beim Wintergetreide noch gut aus.

Angesichts der Gülleproblematik und der Lagerkapazitäten gab es die Möglichkeit, innerhalb der Sperrzeit eine Ausnahmegenehmigung bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises zu beantragen, aber aus dem Altkreis Bersenbrück habe es nur eine Anfrage gegeben, wie ein Sprecher des Landkreises und die Landwirtschaftskammer bestätigen. Die Wasserbehörde konnte jedoch den Kontakt zu einem Lohnunternehmen herstellen, das noch über freie Kapazitäten verfügte. Und eine Förderung des Baus zusätzlicher Lagerkapazitäten durch das Land steht auf dem Wunschzettel von Johannes Schürbrock, der dies bei der neuen Landesregierung für eher umsetzbar hält.

Ende der Sperrfrist

Mitte vergangener Woche endete die Sperrfrist, so dass bei günstigen Bodenverhältnissen Grünland, Ackergras sowie Wintergetreide und Winterraps mit Stickstoff versorgt werden können. Doch die Probleme für die Landwirte sind geblieben, denn laut Düngeverordnung darf auf wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedeckten Böden keine Gülle aufgebracht werden, wie Karin Lambers, Mitarbeiterin der Düngebehörde an der Landwirtschaftskammer in Osnabrück, erläutert.

Keine Gülle auf Schneeflächen

„Jeder Landwirt hat die Pflicht, vor einer Aufbringung von Gülle und anderen stickstoffhaltigen Düngemitteln die Aufnahmefähigkeit des Bodens zu prüfen“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Bei Schneeauflage war eine Düngung bisher nur dann verboten, wenn die Schneedecke mehr als fünf Zentimeter hoch war. Diese Höhenbeschränkung ist mittlerweile komplett entfallen, so dass nunmehr auch bei geringer Schneeauflage keinerlei Düngung mehr zulässig ist. Als Richtschnur für die Praxis könne, so die Düngebehörde, gelten, dass eine Düngung verboten ist, sobald die Bodenoberfläche wegen des Schnees nicht mehr zu erkennen ist. Bei Dauerfrost, also an Tagen, an denen auch tagsüber keine positiven Temperaturen erreicht werden, ist eine Düngung nicht zulässig.

Imageverlust für Landwirtschaft

Eine Düngung auf schneebedeckten Flächen sorge auch für Unverständnis in der Bevölkerung, sieht Johannes Schürbrock darin auch einen Imageverlust für die Landwirtschaft, der auch durch noch so viele Bauernmärkte nicht aufgefangen werden könnte. Ob Gülle ausgebracht werden dürfe oder nicht, sei im Paragrafen 5 der Düngeverordnung klar geregelt, so der Kreisvorsitzende. Die Tragfähigkeit nachts gefrorener Böden auszunutzen, sei beliebt. Die Flächen würden im Tagesverlauf aufgrund positiver Temperaturen im Laufe des Nachmittags oberflächig auftauen und die ausgebrachten Düngemittel könnten vom Boden aufgenommen werden.

Doch Johannes Schürbrock wirbt dafür, sich zu überlegen, ob es nicht sinnvoller sei, noch 14 Tage zu warten und den Nährstoff dann auszubringen, wenn die Pflanzen ihn benötigten.