Abschiedsgottesdienst am Sonntag Pfarrer Stephan Höne verlässt nach 16 Jahren Merzen



Merzen. Am Sonntag feiert Pfarrer Stephan Höne seinen letzten Gottesdienst in der Pfarreiengemeinschaft Merzen-Neuenkirchen-Voltlage. Nach 16 Jahren als Seelsorger zieht der 54-Jährige um ins südliche Osnabrücker Land, Anfang April tritt der Priester in Glandorf seine neue Stelle an.

Am Anfang der Woche stapeln sich noch die Umzugskartons im Pfarrhaus an der Westerholter Straße. Die haben die Möbelpacker inzwischen abgeholt, auch den Fernseher und die Sitzgruppe. Pfarrer Stephan Höne, der hier seit August 2001 lebt, fühlt sich eher wie ein Gast denn als Hausherr. Er hat das Gästezimmer bezogen und lebt aus dem Koffer. „Nun wird es ernst“, sagt der 54-Jährige und schaut sich in der fast ausgeräumten Wohnung um. Dass der Bischof ihn zum 1. April als Pfarrer nach Glandorf schickt, weiß Höne schon seit dem vergangenen April. „Aber jetzt wird der Abschied mit jedem Tag greifbarer.“

„Gewisse Gelassenheit“ vor Neuanfang in Glandorf

Dem anstehenden Neuanfang sieht Höne mit Optimismus entgegen. Es sei – bei allem Wehmut – an der Zeit, sich noch einmal zu verändern – so gerne er Pfarrer in Merzen, Neuenkirchen und Voltlage sei. Er freut sich auf die neue Kirchengemeinde im Süden des Landkreises Osnabrück mit ihren neuen Herausforderungen, auf neues Denken und neue Impulse. Der Wechsel werde ihm nicht leicht fallen, aber dank vieler Erfahrungen und Begegnungen in der Pfarreiengemeinschaft könne er mit einer „gewissen Gelassenheit“ nach Glandorf gehen.

Akzente gesetzt und Traditionen bewahrt

Das war im Sommer 2001 anders. Nach sechs Jahren als Kaplan in Wallenhorst und Meppen tritt er in Merzen seine erste Pfarrstelle an – mit 38 Jahren. Ihm kommt die Aufgabe zu, zunächst aus den Kirchengemeinden St. Lambertus Merzen und St. Katharina Voltlage einen Seelsorgeverbund zu formen. Ein Pfarrer ist nun für zwei Gemeinden zuständig. 2010 kommt die St.-Laurentius-Gemeinde Neuenkirchen dazu. Das bedeutet einen Umbruch und für die Gläubigen den Abschied lieb gewonnener Gewohnheiten. Aber wie man gemeinsam den richtigen Weg des Zusammengehens findet, Akzente setzt und Neues wagt, dagegen Traditionen bewahrt und den Blick der Kirchengemeinden nicht nur auf den eigenen Kirchturm lenkt, auf solche Aufgaben werden junge Priester heute viel intensiver vorbereitet. Höne geht die Aufgabe an, unterstützt von vielen Gemeindemitgliedern, die sich einbringen, die Kirche leben. Es sind Lehrjahre eines Pfarrers, der selbstbewusst und gewinnend auftritt, der gut zuhören kann, pragmatisch denkt und Anstöße gibt. Der stets für einen Spaß zu haben ist und nach einer verlorenen Wette im Zeltlager mit strohblonden Haaren am Altar steht oder vor der Fernsehkamera als Franz Beckenbauer kalauert. Der in diesen Jahren Geduld und Gelassenheit lernt und sich ein dickes Fell zulegt. „Denn ein Pfarrer muss auch klare Kante zeigen, auf Kurs bleiben.“ Das falle um so schwerer, je intensiver er mit seiner Gemeinde verwoben sei und sich von ihr getragen fühle.

Kurze Wege im Ländlichen

Stephan Höne, der Kindheit und Jugend in der Stadt Osnabrück verbringt, lernt ab 2001 das Landleben schätzen und lieben. „Hier sind die Wege kürzer, ist die Zahl der Menschen, die sich engagieren, viel größer als in der Anonymität einer Stadt.“ Doch Glaube und Kirche verlieren auch auf dem Land ihren Stellenwert, beobachtet er in 16 Jahren. Die Kirchenbänke leeren sich wie andernorts, was Kirche macht und Pfarrer sagen, geht in der Gleichgültigkeit unter. Höne bedauert, dass Kirche manche Menschen nur dann interessiert, wenn sie ihren eigenen Anliegen nützt. „Die Frage, was sie für die Kirche und den Glauben tun könnten, rückt leider hinter dieses Konsumdenken zurück.“

Sogar eine Verkehrsampel gesegnet

Die ungezählten Begegnungen mit Menschen bleiben dem 54-Jährigen in Erinnerung – viele schöne Momente sind darunter wie auch traurige und belastende. Seinen 40. Geburtstag mit einer großen Feier im Garten des Pfarrheims werde er nicht vergessen, „weil ich erst zwei Jahre in Merzen war und so viele Leute gekommen sind“. Höne hat in 16 Jahren viele Dinge gesegnet und mit Weihwasser besprenkelt: Kinderkrippe, Friedhofskapelle, Pfarrheim, Schutzhütten, Gedenksteine, neue Bankfilialen, Fabriken und sogar die Fußgängerampel in Voltlage. „Mir war wichtig, zu zeigen, dass Kirche mitten im Leben steht, sie etwas zu sagen hat, dass der Glaube Teil des Gemeindelebens ist.“ Dass Kirche bei diesen Gelegenheiten nur „verzweckt“ worden sein könnte, glaubt er nicht.

Über dramatische Ereignisse und schlaflose Nächte

Doch es gibt auch Erlebnisse, die einen Pfarrer physisch und psychisch fordern, einen Seelsorger an seine Grenzen bringen. Dramatische Verkehrsunfälle mit Toten gehören dazu, wenn Menschen ihrem Leben selbst ein Ende setzen. Den Angehörigen beizustehen, kostet viel Kraft. „Es gab Nächte, da habe ich nicht geschlafen“, gesteht er. Trotz guter Freunde und Aussprache „bleibt da etwas haften, das du mit dir selbst ausmachen musst“. Dazu zählen Niederlagen gleichermaßen, die Höne nicht verschweigt. Gerne wäre er Dechant im Dekanat Osnabrück-Nord geworden, ein Amt, das er zeitweilig kommissarisch führt. Aber als die Wahl im Herbst 2014 anders ausgeht, ist er für einen Moment enttäuscht und gekränkt.

Dankbar für die Zeit in Merzen

Diese und andere Erlebnisse nimmt er mit. Dankbar blickt der 54-Jährige auf seine Zeit in Merzen, Neuenkirchen und Voltlage zurück. Als Landpfarrer in Glandorf will er das Rad nicht neu erfinden, „aber zeigen, dass Glaube im Leben etwas beeinflussen kann und er ein Geschenk ist“.


Abschiedsgottesdienst in Südmerzen

In der Schützenhalle des Schützenvereins Südmerzen beginnt am Sonntag, 14. Januar, um 10 Uhr der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Stephan Höne. Für ausreichend Sitzplätze sei gesorgt, teilt die Pfarreiengemeinschaft mit. Im Anschluss an den Gottesdienst biete sich bei einem kleinen Imbiss die Möglichkeit, sich in geselliger Atmosphäre persönlich von Pfarrer Höne zu verabschieden. An diesem Wochenende gibt es außer dem Gottesdienst in der Südmerzener Schützenhalle nur noch eine Vorabendmesse. Sie beginnt am Samstag, 13. Januar, um 17.30 Uhr in der St.-Laurentius-Kirche in Neuenkirchen.

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