Vom alten Kotten zum Traumhaus Bildband zeigt Heuerhäuser auch im Osnabrücker Nordkreis

Carsten van Bevern und Jürgen Ackmann

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Idyllische Lage: das Heuerhaus der Familie Westphal im Berger Ortsteil Hekese. Fotos: Marin SkibickiIdyllische Lage: das Heuerhaus der Familie Westphal im Berger Ortsteil Hekese. Fotos: Marin Skibicki

ja/vb Altkreis Bersenbrück. Die Journalisten aus Berlin, Köln und Hannover waren entsetzt über das, was sie bei einer Pressefahrt 1929 im nördlichen Osnabrücker Land sahen. Familien, die in einsturzgefährdeten Heuerhäusern unter menschenunwürdigen Bedingungen lebten, eine marode Infrastruktur und überall Elend. Heute ist das nicht mehr vorstellbar. Der Nordkreis ist aufgeblüht, die noch verbliebenen Heuerhäuser sind in vielen Fällen liebevoll renoviert. All das – die Vergangenheit, die Gegenwart – hat Bernd Robben mit seinem Team in dem Bildband „Heuerhäuser im Wandel“ aufgearbeitet.

Gerade einmal drei Jahre ist es her, dass der Autor mit dem Historiker Helmut Lensing ein ausgesprochen erfolgreiches Buch zum Heuerlingswesen mit dem Titel „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen“ veröffentlicht hat. Inzwischen liegt es in der fünften Auflage vor und hat sich mehr als 14000-mal verkauft.

Jetzt haben die beiden Experten gemeinsam mit dem Fotografen Martin Skibicki und dem Maler Georg Strodt sowie zahlreichen Co-Autoren einen weiteren Bildband aufgelegt, in dem Geschichten über den Wandel von ärmlichen Kotten zu Traumhausern erzählt werden. Fast zwei Jahre haben die Autoren daran gearbeitet und in dieser Zeit 11000 Kilometer zurückgelegt, um die rund 90 im Buch vorgestellten Heuerhäuser und deren heutige Bewohner zu besuchen. Großzügig seien ihnen die Türen geöffnet und interessante Geschichten erzählt worden, berichtete Bernd Robben bei der Buchpräsentation in Lingen. „Wir können heute sagen, es hat sich gelohnt. Die Geschichten der Häuser waren ebenso interessant wie die Berichte der heutigen Besitzer“, so Bernd Robben.

Mit beeindruckenden neuen und teils auch historischen Aufnahmen sowie kleinen erläuternden Texten und so einigen „Dönkes“ werden die mit viel Eigeninitiative und Engagement sanierten Häuser aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, dem Cloppenburger und dem Münsterland bis hin zu Oldenburg und Ostwestfalen-Lippe vorgestellt.

Auch dem Osnabrücker Nordkreis ist viel Platz gewidmet. Zwar sind auch dort viele der Gebäude in den 60er-Jahren von der Feuerwehr gegen einige Kisten Bier angezündet oder von Unternehmen abgerissen worden, weil sie als Schandflecken galten. Doch setzte zeitgleich eine Gegenbewegung ein. Bürger kauften die heruntergekommenen Heuerhäuser und richtete sie wieder her. So hat beispielsweise der Zimmermann Uwe Brunneke, im Berger Ortsteil Hekese ein fast komplett verfallens Doppelheuerhaus rundum erneuert. Die Geschichte des Erwerbs erzählt Uwe Brunneke im Buch selbst. Er sei eines Tages zufällig an dem Heuerhaus vorbeigekommen, als ein Nachbar auf dem Dachgebälk des Hauses gesessen habe, um mit einem Gehilfen neue Dachlatten anzubringen. Er habe angehalten und ihn auf die Gefährlichkeit des Tuns hingewiesen, erzählt Uwe Brunneke. Der Nachbar habe daraufhin gesagt: „Wenn ich das nun nicht repariere, fällt das Dach in Kürze zusammen. Oder willst du das Haus kaufen?“ Nach einigen Tagen des Nachdenkens kaufte Uwe Brunneke das Gebäude tatsächlich. Heute gilt er als „Pionier“, was den Erhalt und die Renovierung von Heuerhäusern angeht. Aus diesem Grunde ist ihm im Buch sogar ein zusätzlicher Beitrag gewidmet.

All das und vieles mehr erfährt der Leser. So gibt es beispielsweise Einblicke in das Heuerhaus der Familie Westphal – ebenfalls in Hekese –, das ohne Strom und Telefon auskommt, dafür aber mit kunstvollen Skulpturen aufwartet. Auch fehlt das von Klaus Scherhorn aus Dalvers renovierte Heuerhaus nicht. Es dient ihm nach der Übergabe des Hofes an seinen Sohn als Altenteilerwohnung – früher Leibzucht genannt.

„Heuerhäuser im Wandel“ ist für 29,90 Euro im Buchhandel erhältlich.


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