Optimierung der Produktion Firma Meurer in Fürstenau wird einmal umgekrempelt

Zu Gast bei Meurer: Landrat Michael Lübbersmann (Fünfter von links) mit einer Landkreis-Delegation sowie Vertretern der Stadt Fürstenau – hier mit Geschäftsführer Jens Gozian ((Vierter von rechts) und seinem Führungsteam. Foto: Jürgen AckmannZu Gast bei Meurer: Landrat Michael Lübbersmann (Fünfter von links) mit einer Landkreis-Delegation sowie Vertretern der Stadt Fürstenau – hier mit Geschäftsführer Jens Gozian ((Vierter von rechts) und seinem Führungsteam. Foto: Jürgen Ackmann

Fürstenau. Die Firma Meurer in Fürstenau wandelt sich in hohem Tempo. Das stellte auch Landrat Michael Lübbersmann fest, der mit einer Delegation das international tätige Unternehmen besuchte. Es taucht zunehmend in die Philosophie der amerikanischen ITW-Gruppe ein – dem Mutterkonzern.

Meurer – das ist zunächst einmal einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Ein Unternehmen, das jährlich im Schnitt 430 Folien- und Kartonverpackungsmaschinen sowie Anlagen für die Palettier-, Speicher- und Fördertechnik auf höchstem technischen Niveau für die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie herstellt, das über 29000 Quadratmeter an Fertigungs- und Büroflächen verfügt, das aktuell knapp 600 Menschen beschäftigt – darunter 50 Auszubildende.

Meurer ist aber auch ein Unternehmen, das derzeit „komplett umgekehrt wird“, wie Jens Gozian, seit 2015 Geschäftsführer, bei einem Rundgang deutlich machte. Sichtbar wird dies beispielsweise am Lager. War es bisher zentral im Produktionsbereich angesiedelt, verbunden mit der Folge, dass viele Mitarbeiter weite Wege gehen mussten, wenn sie ein Fertigungsteil für den Bau einer Endverpackungsmaschine benötigten, so wird die Lagerhaltung nun dezentralisiert. Das benötigte Material wird direkt an den jeweiligen Produktionsstationen vorgehalten, die in der Halle nun klar linear von West nach Ost ausgerichtet sind. Auf diese Weise hätten sich die Laufwege der Mitarbeiter um 40 Prozent reduziert, ein gravierender Zeitgewinn, betont Jens Gozian.

Bevorratung von Bauteilen auf zwei Monate reduzieren

Weiterhin ist geplant, die Bevorratung von Baugruppen und Teilen von derzeit vier Monaten auf zwei Monate umzustellen. Auch aus diesem Grunde könne das Unternehmen derzeit noch gar nicht sagen, wie viel Platz es in zwei Jahren tatsächlich benötige, so Jens Gozian.

Was der Geschäftsführer aber genau weiß: Die besondere Aufmerksamkeit des Unternehmens muss jenen 14 Kunden gelten, die 80 Prozent des Umsatzes bei Meurer ausmachen. Mit ihnen pflegten die Mitarbeiter – ob in der Produktion, im Service oder in der Geschäftsführung – intensive Kontakte. Meurer suche hier ganz bewusst „proaktiv“ das Gespräch mit den Kunden, um deren Bedürfnisse kennenzulernen und um auf dieser Basis optimale Lösungen für Endverpackungsmaschinen anbieten zu können. Ein Kunde habe einmal gesagt, dass er das Gefühl vermittelt bekomme, dass Meurer eine Maschine tatsächlich für ihn baue. Und dass es nicht darum gehe, einfach nur ein Produkt zu verkaufen, so Jens Gozian.

80 Prozent des Ergebnisses mit 20 Prozent des Umsatzes

Mit diesem Ansatz, sich im ersten Schritt auf die wichtigsten Kunden zu konzentrieren und auch die Fertigung danach auszurichten, folgt Meurer der sogenannten 80/20-Regel, die der italienische Soziologe Vilfredo Pareta begründet hat und die grundsätzlich besagt, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Aufwandes erzielt werden können. Diese Regel gilt statistisch betrachtet für viele Bereiche des Wirtschaftens und des Lebens generell, wie Vilfredo Pareto herausfand. So tragen die Menschen in der Regel 20 Prozent ihrer Kleidung im Schrank zu 80 Prozent der Zeit. Firmen erzielen in der Regel mit 20 Prozent des Sortiments 80 Prozent des Umsatzes. Und auch bei Meurer ist es so, dass das Unternehmen mit fast 20 Prozent der Kunden 80 Prozent des Umsatzes erzielt.

Dieses Wissen allein reicht aber nicht. Das Unternehmen muss daraus auch entsprechende Handlungsanleitungen für alle Abteilungen entwickeln. Und dies geschieht derzeit bei Meurer – adäquat zur Firmenphilosophie im Gesamtkonzern, der Meurer 2013 übernommen hat. Hinter der 80/20-Regel steht der Gedanke, die Abläufe in den jeweiligen Unternehmen mit dem Augenmerk auf die 80 Prozent-Umsatz-Kunden möglichst ökonomisch zu gestalten. Und das gelinge der ITW-Gruppe weltweit in allen Segmenten, wie die Zahlen belegten, so Jens Gozian.

Zuwenig Frauen im Betrieb

Bei Meurer hat die Umstrukturierung der Produktionsabläufe inzwischen dazu geführt, dass die Belegschaft in den vergangenen Jahren um gut 100 Mitarbeiter geschrumpft ist. Aber dank der Prozessoptimierungen könne die Belegschaft selbst die aktuell steigende Zahl an Aufträgen bewältigen, so Jens Gozian. Wie der Leiter für das Personalwesen; Franz von Galen, ergänzte, seien von der Personalreduzierung überwiegend Leiharbeiter betroffen gewesen, mit denen die Zusammenarbeit nicht verlängert worden sei. Die Stammbelegschaft sei geblieben. Das dort vorhandene Know-how sei mit Blick auf die selbst gesteckten Qualitätsmaßstäbe ebenso unverzichtbar wie der 24-Stunden-Service für die Kunden.

Handlungsbedarf sehen Franz von Galen und Jens Gozian derzeit vor allem bei der Frauenquote. Unter den Führungskräften gebe es keine einzige. „Das müssen wir ändern“, so Jens Gozian.Aber auch unter den Ingenieuren und in der Produktion gebe es kaum Frauen.

Abschließend betonte Jens Gozian noch einmal, dass ITW keine „Heuschrecke“ sei. Der Konzern verkaufe seine Neuerwerbungen nicht nach wenigen Jahren gewinnbringend. Im Gegenteil: Er versuche neue Firmen nachhaltig in die Konzernstrukturen zu integrieren. Dazu gehöre auch, dass die Verantwortlichen vor Ort im Rahmen planerischer Vorgaben absolute Freiheit in ihrem Tun hätten.


1 Kommentar