Genehmigt Landkreis Schultaxi? Mutter aus Bippen sorgt sich um ihre Schulkinder

Von Katharina Preuth

Zur Bushaltestelle Nordemann in Ohrtermersch führt kein Fuß- und Radweg. Im Hintergrund ist der Kreuzungsbereich der Lingener Straße zu sehen. Die müssen die Kinder von Steffi Werbeck zudem überqueren. Foto: Jürgen AckmannZur Bushaltestelle Nordemann in Ohrtermersch führt kein Fuß- und Radweg. Im Hintergrund ist der Kreuzungsbereich der Lingener Straße zu sehen. Die müssen die Kinder von Steffi Werbeck zudem überqueren. Foto: Jürgen Ackmann

Bippen. Steffi Werbeck aus dem Bippener Ortsteil Orthermersch weiß derzeit nicht, wie ihre beiden Kinder die Grundschule erreichen sollen. Der Weg zur Bushaltestelle sei zu gefährlich, sie selbst müsse arbeiten, sagt sie. Eine Möglichkeit wäre ein Taxidienst. Der Landkreis Osnabrück hat aber noch nicht entschieden, ob das möglich ist. Doch die Schule hat begonnen.

Steffi Werbeck ist berufstätig und hat seit vergangener Woche nicht mehr nur ein, sondern zwei schulpflichtige Kinder. Die besuchen beide die Grundschule in Berge, da dort die Möglichkeit einer flexiblen Nachmittagsbetreuung besteht. Überdies liegen die Grundschulen in Berge und Bippen beide etwa 5,7 Kilometer vom Wohnhaus der Familie entfernt. Auch die Haltestelle ist identisch.

Bis vor Kurzem hatte Steffi Werbeck einen anderen Beruf. Da konnte sie ihre Kinder noch selbst zur Schule beziehungsweise in die Kita bringen. Jetzt hat sie in Cloppenburg angefangen und muss bereits vor den Kindern das Haus verlassen. Ihr Mann arbeitet im Schichtdienst und fällt deshalb ebenfalls als regelmäßiger Chauffeur für die Kinder aus.

(Weiterlesen: Der Landkreis genehmigt überdurchschnittlich viele Taxisfahrten)

Der Landkreis ist verantwortlich

Der Landkreis ist dafür verantwortlich, dass Schüler pünktlich und sicher zu ihren Lernstätten gelangen. Die Behörde geht zunächst einmal davon, dass das mit einem Linienbus möglich ist. Das sei aber wegen des Weges zur Haltestelle zu gefährlich, argumentiert die Mutter. Um den mehr als 500 Meter entfernten Stopp zu erreichen, müssten sie eine viel befahrene Straße überqueren, die im Dunkelheit nicht beleuchtet sei. Auch gebe es bis zur Bushaltestelle keinen durchgängigen Rad- und Fußweg. Das sei insbesondere für das sechsjährige Kind zu gefährlich, so Steffi Werbeck. Da die Gegend dünn besiedelt ist, habe sie zudem Angst, dass ihre Kinder Opfer von Sexualstraftaten werden könnten. „Ich kann einfach nicht ruhigen Gewissens zur Arbeit fahren“ sagt sie.

Mit ihrem Anliegen hat sie sich an den Landkreis gewandt. Dieser antwortete ihr, dass eine Projektgruppe die Gegebenheiten vor Ort prüfen werde und dann entscheidet, wie ihre Kinder zukünftig zur Schule kommen. Allerdings: Dies sei noch nicht geschehen, obwohl die Schule begonnen habe, so die Mutter.

Einvernehmliche Lösung

Auf Anfrage teilte der Landkreis mit: „Es wurde ihr erklärt, dass man bemüht ist, schnellstmöglich die Begehung durchzuführen, dieses jedoch noch nicht stattfinden konnte, weil noch kein Termin – aufgrund der Urlaubszeit – vereinbart werden konnte.“ Er solle aber in jedem Falle im August über die Bühne gehen. Und weiter: Selbstverständlich wolle der Landkreis eine einvernehmliche Lösung erzielen. Tatsächlich sei es so, dass die Behörde verkehrstechnisch sicherstellen müsse, dass Schüler rechtzeitig zur ersten Stunde in der Schule sein könnten. Dies geschehe in der Regel mit dem öffentlichen Personennahverkehr. Werde festgestellt, dass ein besonders gefährlicher Schulweg vorliege, würden Alternativen entwickelt. Dies könne gegebenenfalls auch eine Beförderung mit Taxi sein, so der Landkreis.

Das hilft Steffi Werbeck aktuell nicht weiter. Sie hat nun in dieser Woche freigenommen. Da sie aber noch in der Probezeit sei, werde sie danach wieder arbeiten müssen. Bis dahin – so befürchtet sie – werde es noch keine Lösung geben.