Serie: Der Wackenbericht – Teil 3 Für Berger Truppe ist nach Wacken vor Wacken

Von Hermann Brands


Berge/Wacken. Der Berger Arzt Hermann Brands ist wieder auf Wacken-Tour. Für das „Bersenbrücker Kreisblatt“ schreibt er über seine Erlebnisse bei einem der größten Festivals Deutschlands. Hier der Abschlussbericht:

Immer noch Tag 3 der norddeutschen Schlammrutschmeisterschaften in Wacken. Der Regen hat endlich nachgelassen, das Gelände beginnt, abzutrocknen, nur das Infield bleibt eine gigantische Schlicklandschaft, die eher an das Wattenmeer erinnert. Wo bleibt, fragen wir uns, der Effekt der aufwändigen Drainageanlage, an der hier im letzten Jahr auch eine Firma aus Ibbenbüren mitgewirkt hat. Ein erstes Opfer hat der Matsch gefordert: An einem meiner Schuhe, seit zehn Jahren mit mir buchstäblich durch dick und dünn gegangen, löst sich die Sohle.

Zeichen gegen Ravioli-Kultur

Schweren Herzens beschließe ich, mich von ihnen zu trennen und sie ihrer wohlverdiente Ruhe auf dem Holy Ground zu überlassen. Mit Sicherheit werden sie aber dort nicht allein sein. Heute müssen sie mich aber noch zu meinem Survival-Cooking-Event begleiten, bei dem unter Anleitung von Stephan Boriss, Ex-Bassist bei Running Wild und Mitinhaber der Pinneberger Kochschule, ein Drei-Gänge-Menü gezaubert wird. „Wir möchten ein Zeichen gegen die Ravioli-Kultur setzen“, meinen Boriss und David Fenske, Inhaber des Küchenstudios, dass die Einrichtung stellt. Die Erlöse kommen komplett der Wacken Foundation zugute, einer gemeinnützigen Einrichtung, die diverse Projekte für den musikalischen Nachwuchs unterstützt.

Wohlgeordnetes Chaos

Nach dem Kochen ist Treffen mit dem Rest unserer Truppe im Dorf angesagt, schauen, was sich auf den Straßen tut. Eine ganze Menge, stellen wir fest. Viele Tagesgäste, mehrere Zehntausende am Tag, Tendenz zunehmend. Alle scheint zu interessieren, wie es in Wacken nach dem Einfall der schwarzen Horden zugeht. Manche scheinen überrascht, dass im Ort kein Chaos herrscht oder wenn, dann wenigstens ein wohlgeordnetes und friedliches. So manches Fußballspiel verursacht da deutlich mehr Stress.

Musikalisch runden später noch Apokalyptica den Abend ab. Vier Finnen, die ihren Cellos eine für diese Instrumente ganz untypische Art von Musik entlocken. Ach ja, nicht zu vergessen: Es regnet mal wieder...

Zu kühl für Open-Air-Ereignis

Tag 4: Wieder kann sich das Wetter nicht entscheiden. Kein Regen, aber es ist kühl, zu kühl für August und erst recht für ein Open-Air-Ereignis, bei dem man sich auch mal auf trockenen Boden setzen möchte. Hatten wir früher auch schon mal! Immerhin, die Wege trocknen weiter, was hoffnungsvoll für die morgige Abreise stimmt. Keiner hat Lust, sich mit einem Trecker zur Straße schleppen zu lassen.

Wieder ist Dorf angesagt. Diesmal dann doch endlich mit dem lang ersehnten Sonnenschein. Der dafür die Menge der Tagesgäste noch einmal verdoppelt. Darunter viele Gruppen, die in Wacken einen Junggesellenabschied feiern. Manche dieser Gruppen könnten einem dabei mehr Angst einflößen als die anwesenden Metalheadz.

Junggesellinnenabschied

Ich treffe Gesche, eine junge Frau aus Dithmarschen, mit ihrem zwölf Mädels, alle eher keine Metalfans, aber Gesches Jungesellinnenabschied wird ihr wohl unvergesslich bleiben. „Total cool“ findet sie es in Wacken. Einen Abstecher mache ich noch bei Sonja, der Bäuerin, die wir im vergangenen Jahr kennengelernt haben. Mittlerweile hat sie ihren Betrieb nach der Durststrecke bei den Milchpreisen aufgegeben. „Ob ich nächstes Jahr noch hier bin, weiß ich noch nicht“, meint sie mit etwas Wehmut.

Wackenkarte zur Silberhochzeit

Später am Abend reißt Alice Cooper das Publikum mit seinen Songs und seiner Show mit sich. Der 73-jährige Veteran wirkt frisch und beinahe jugendlich. „Er kann es noch immer“, sagt Annette, Friseurin aus der Eifel, neben mir und ist überglücklich. Sie hat ihre Wackenkarte vom Ehemann zur Silberhochzeit bekommen. Ein Traum, der für sie in Erfüllung gegangen ist. Es sind diese Begegnungen, die Wacken immer wieder zu etwas besonderem machen.

Die Wikinger von Amon Amarth, Tobias Sammets Avantasia und Kreator runden den Abend ab. Es bleibt vorerst trocken…

3.00 Uhr: Wacken ist vorbei. Die letzten Bands haben ausgespielt, die üblichen Absagen sind gemacht. Auf dem Infield haben traditionell Subway to Sally den Abschluss gemacht, auf den Zeltplätzen beginnen sich die Reihen schon zu lichten, mancher fährt schon in der Nacht nach Hause. Gerade wieder im Zelt, kommt erneut der unvermeidliche Regenguss...

Von Wacken gleich zum VfL

6.00 Uhr: Abbau von Camp und unserem Wohnzimmer, alle Handgriffe sitzen, es geht nach Hause. Wer sich auskennt, umfährt den Abreisestau. Pinneberg und Bremen kosten dennoch beinahe zwei Stunden. Christian möchte gleich noch weiter, der VfL Osnabrück spielt gegen Halle. Das mag er sich nicht entgehen lassen. Die Frage an alle: Nächstes Jahr wieder Wacken?...

Die Antwort ist für alle klar. Und Christian hat auch noch einige Freunde aus Bippen „heiß gemacht“. Ich für meinen Teil werde heute Nacht um Mitternacht schon mal versuchen, Tickets fürs nächste Jahr zu ergattern. Nach Wacken ist schließlich vor Wacken!