E-Mail aus Argentinien (1) Hollenstederin berichtet über ihr Leben in Argentinien

Von Nicole Klostermann

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Von Asien nach Südamerika: Nicole Klostermann und ihre Familie ziehen nach Argentinien um. Foto: KlostermannVon Asien nach Südamerika: Nicole Klostermann und ihre Familie ziehen nach Argentinien um. Foto: Klostermann

Hollenstede/Buenos Aires. Seit neun Monaten berichtet Nicole Klostermann in ihren „E-Mails aus China“ den Lesern des „Bersenbrücker Kreisblatts“ von ihrem Leben in Fernost. Nach zwölf Jahren im „Reich der Mitte“ zieht es die gebürtige Hollenstederin mit ihrer Familie nach Argentinien. Fortan kommen ihre monatlichen E-Mail also aus Südamerika. Aber vorher noch ein letzter Blick zurück...

Wenn man genau darüber nachdenkt, dann sind zwölf Jahre schon eine kleine Ewigkeit. Als ich nach China zog, war Gerhard Schröder noch Bundeskanzler, wir waren noch nicht Papst, Harald Juhnke lebte noch, und Otto Rehagel machte Griechenland tatsächlich zum Fußball- Europameister.

Damals fuhr man in China noch vornehmlich Fahrrad, an roten Ampeln blieb noch keiner stehen, und die Chinesen waren der festen Überzeugung, auf eine Pizza gehöre Obst mit süßer Mayonnaise. Das waren noch Zeiten.

Und nun sitze ich hier, ganz unverhofft auf meinem vorläufig letzten Flug innerhalb Chinas, und es fühlt sich überhaupt nicht so an.

Ich werde China verlassen, und vor noch ein paar Monaten habe ich davon noch nicht einmal etwas geahnt. Gleiche Firma, anderer Job, anderes Ende der Welt. Manchmal geht es schneller als gedacht.

China – geliebt und gehasst. Natürlich, es gab unzählige Momente, in denen ich am liebsten sofort gegangen wäre.

Wenn der Friseur mit blonden Haaren nichts anfangen kann und er sie versehentlich etwas grün färbt, der Taxifahrer dich an den falschen Bahnhof fährt und du den Zug verpasst oder die Luft draußen so verdreckt ist, als würden fünf Leute in einem geschlossenen VW Polo Kette rauchen.

Aber dann wiederum die unzähligen Momente in denen China sich in mein Herz geschlichen hat.

Menschen die alles dafür tun, dass du dich als Gast in ihrem Land wohlfühlst. Die Gemüseverkäuferin, mit der ich jeden Tag über Gott und die Welt rede, oder der Klempner, der abends um acht meine Dusche provisorisch mit Tesafilm und Frischhaltefolie repariert, damit ich heute nicht aufs Haarewaschen verzichten muss.

Und nun sitze ich hier, und mich blicken die akkurat frisierten chinesischen Flugbegleiterinnen mit ihrem vertrauten, asiatischen Lächeln an. Mein Sitz ist mit Rüschen und Goldkante verschönert, und es gibt grünen Tee aus Plastikkannen. Neben mir kaut jemand an getrocknetem Fisch, irgendwo plärrt lautstark ein Kung-Fu-Film aus einem Handy. Ich schaue aus dem Fenster und lasse eine chinesische Millionenstadt hinter mir, die so viele Jahre mein Zuhause war.

Und 26 Flugstunden später taucht Argentinien unter den Wolken auf, und mein Blick fällt auf Buenos Aires. Die Sonne steht tief und taucht die Stadt in ein warmes Licht.

Was ich über Argentinien weiß? Eigentlich nicht viel. Tango, Fußball, Fleisch. Mir kommt Evita Perón in den Sinn, die Mutter einer Nation und ihr von Krisen geschütteltes Land.

Ich steige aus, und mir schlägt die südamerikanische Hitze entgegen.

Eines der ersten Gesichter in das ich schaue, lächelt mich strahlend an. Irgendwo höre ich Salsa-Musik. Ich lächle zurück. Die ersten Minuten sind wunderbar.

Da bin ich nun, in Buenos Aires. Eine völlig andere Welt auf einem neuen Kontinent, und der Unterschied zu China hätte wohl nicht größer sein können.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mich weiterhin auf meiner Reise begleiten, denn ich trenne mich nur ungern von alten Freunden.

Bleiben Sie doch einfach bei mir, während ich ein Land entdecke, dessen Menschen mir noch fremd sind, dessen Sprache ich noch nicht spreche, dessen Kultur ich noch nicht kenne und über das ich noch nicht viel weiß.

Ich werde sicher Fehler machen, lustige und manchmal weniger lustige, aber ich verspreche, Ihnen davon zu erzählen.

Aber seien sie sich gewiss, meine alte Liebe werde ich nicht vergessen. China behält ein kleines Stück meines Herzens, wohl für immer. Aber vielleicht finde ich auch eine neue Liebe?

Ich bin gespannt.


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