Drei Angriffe auf Herde Schaf Susi überlebt Wolfsangriff in Bippen

Liesel Hoevermann

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Schaf Susi hat sich von den Verletzungen durch den Wolfsangriff wieder erholt, ist aber scheuer geworden. Foto: Liesel HoevermannSchaf Susi hat sich von den Verletzungen durch den Wolfsangriff wieder erholt, ist aber scheuer geworden. Foto: Liesel Hoevermann

hoe/ja Bippen. Ein Wolf hat im Bippener Ortsteil Ohrtermersch mehrfach eine Schafherde überfallen. Die Besitzerin Christiane Kortmann hat zwei Tiere verloren, eines überlebte. Zu 90 Prozent handele es sich um die Fähe, die 2016 nachgewiesen worden sei, so Kreisjägermeister Martin Meyer-Lührmann.

Ganz beschaulich grast Schaf Susi auf der Weide hinter dem Haus seiner Besitzerin. Zusammen mit zehn Artgenossen steht es dort und folgt zutraulich dem Ruf von Christiane Kortmann, wenn diese die kleine Herde abends in den Stall lockt. Dies macht sie seit April und seit dem letzten Wolfsüberfall jeden Abend. Zuvor haben die Schafe, die zur Rasse der Skudden – eine der ältesten Hausschafrassen – gehören, auch die Nächte viele Jahre lang im Freien verbracht. Im Dezember gab es den ersten Wolfsangriff auf die Herde, bei der der Wolf Susi mit Bissen in Kehle und Bauch schwer verletzte, sie aber nicht tötete. Im März brach der Wolf erneut in die Weide ein, diesmal fiel ihm Schaf Olga zum Opfer, die nach einem Kehlbiss starb. Beim jüngsten Wolfsüberfall im April verletzte der Wolf Schaf Änne so schwer, dass Tier wenig später verendete. Seither kommen die Schafe über Nacht in den Stall. Tagsüber sind sie auf ihrer Wiese, aber sie sind viel scheuer geworden, berichtet Christiane Kortmann.

Untypisches Verhalten für einen Wolf

Erstaunlich ist, dass der Wolf bei keinem der Angriffe ein Tier direkt getötet hat und offensichtlich auch keine Anstalten machte, eins zu fressen. Dieses eher untypische Verhalten können sich weder die Besitzerin noch der hinzugezogene Wolfsberater erklären. Die sichergestellte DNA beweist jedenfalls, dass es sich um einen Wolf handelt, das hat Christiane Kortmann vom niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten-und Naturschutz (NLWKN) als zuständiger Behörde schriftlich.

Allerdings ist noch nicht abschließend geklärt, ob es sich um die aus Polen eingewanderte Fähe handelt, die 2016 per Genanalyse im Bippener Raum nachgewiesen worden ist oder ob möglicherweise sogar verschiedene Wölfe die Schafherde angegriffen haben. Der örtliche Hegeringleiter Andreas Dühne und Kreisjägermeister Martin Meyer-Lührmann warten noch auf das genaue Ergebnis des DNA-Abgleichs. Gleichwohl geht der Kreisjägermeister zunächst einmal davon aus, dass es sich um die Fähe handelt. Sie sei offenbar tatsächlich „territoral“ geworden. Jäger hätten das Tier häufiger gesichtet. Die hätten den Wolf akzeptiert und lernten, damit umzugehen, erläutert Andreas Dühne die Haltung der Jäger. Sollte es allerdings zu einer Rudelbildung kommen, wäre das angesichts der räumlichen Gegebenheiten ausgesprochen problematisch.

Trittsiegel des Wolfes vermessen

Ergänzend zur DNA konnte auch ein Trittsiegel des Wolfes, also ein Pfotenabdruck vermessen werden, der deutlich breiter als der eines Hundes ist. Das haben Christiane Kortmann und ihr Mann Hero Alting mit den Abdrücken ihrer eigenen großen Hunde verglichen. Mit einer Wildkamera konnten sie zudem Fotos von einem Wolf auf ihrer Wiese machen.

Hero Alting hat ihn außerdem für einige Sekunden selbst gesehen. Das war am 1. Mai um fünf Uhr morgens auf dem Ansitz, erinnert er sich. Er berichtet außerdem von einem toten Rehbock, der im März an anderer Stelle in Ohrtermersch gefunden wurde und nachgewiesenermaßen ebenfalls zur Beute wurde.

Kommunikation mit Behören schwerfällig

„Wir sind keine Wolfshasser oder Kritiker, aber die Kommunikation mit den Behörden ist schwerfällig“, schildert Christiane Kortmann ihre Erfahrungen. Der direkte Kontakt mit dem zuständigen Wolfsberater klappt zwar gut und in der Regel zeitnah zum Geschehen auf der Weide, aber die ablehnende Mail des NLWKN zu ihrer Anfrage auf Schadenserstattung mit dem Hinweis darauf, dass sie sich als Tierhalterin zuvor besser hätte informieren müssen, findet sie dreist.

„In anderen Bundesländern werden Schaf- und Nutztierhalter zum Teil bis zu 100 Prozent für ihre vom Wolf gerissenen Tiere entschädigt“, erklärt Martin Meyer-Lührmann den Unterschied zur Regelung in Niedersachsen.

Zur Info: Die Jäger, der Landkreis sowie der Wolfsberater bitten alle Bürger darum, Risse des Wolfes oder Sichtungen umgehend zu melden. Ansprechpartner sind die Jäger vor Ort sowie Wolfsberater Arndt Eggelmeyer, Telefon: 0171/ 9034426.


Im vergangenen Jahr hat es im Landkreis Osnabrück insgesamt drei eindeutig genetisch belegte so genannte C1-Nachweise gegeben, un dzwar in Ostercappeln, Groß Drehle bei Gehrde und in der Gemeinde Bippen. Hinzu kam eine Sichtung im Berger Ortsteil Grafeld. Im Vergleich zu Hinweisen der Kategorie C2 und C3 gilt der C1-Nachweis als definitiv wissenschaftlich gesichert.

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