Kultur und Reitkunst exportieren Pferdeshow made in Fürstenau soll China begeistern

Gruppenbild mit Diva: Wenn überhaupt jemand während der Proben Starallüren entwickelt habe, dann sei es Schimmelwallach Enamorao gewesen, verraten Sacha Eckjans (von links), Camille Pless und Claudia Magira (Darstellerinnen der Helena). Foto: Ulrike HavermeyerGruppenbild mit Diva: Wenn überhaupt jemand während der Proben Starallüren entwickelt habe, dann sei es Schimmelwallach Enamorao gewesen, verraten Sacha Eckjans (von links), Camille Pless und Claudia Magira (Darstellerinnen der Helena). Foto: Ulrike Havermeyer

ugh Schwagstorf. Ein ambitioniertes Reiterteam ist jetzt unerschrocken nach Peking aufgebrochen, um mit der Pferdeshow „Troy“ (Troja) das chinesische Publikum zu erobern. Sechs Monate hat sich die Truppe in Fürstenau vorbereitet.

Mehr als 40 Akteure aus zehn europäischen Nationen, dazu 55 Pferde vom Shetlandpony bis zum Shire Horse, haben die Reitanlage von Luciana Diniz in Fürstenau in den vergangenen sechs Monaten in die sagenumwobene Stadt Troja des Dichters Homer verwandelt – und dramatisch belebt: mit Reitkunst, Akrobatik, exklusiven Musikkompositionen, einer High-Tech-Lichtinszenierung und Spezialeffekten der besonderen Art. Und natürlich: mit reichlich Hufgetrappel.

Menschliche und wirtschaftliche Kontakte stärken

Wozu der ganze Aufwand? Sacha Eckjans, Geschäftsführer der Equestrian Globe in Georgsmarienhütte und Initiator des deutsch-chinesischen Kooperationsprojekts, ist sich sicher, dass der Kulturexport „Troy“ die Kontakte zwischen beiden Ländern intensiviert – und das in mancherlei Richtungen: „Diese Show wird nicht nur die sportlichen und wirtschaftlichen, sondern auch die menschlichen Beziehungen stärken.“ Als Eckjans, der als offizieller Repräsentant der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für China fungiert, das Reich der Mitte vor einigen Jahren bereiste, hat er festgestellt, dass weder die traditionsreiche deutsche Reitkunst noch die erfolgreiche Sportpferdezucht dort gut bekannt, geschweige denn angemessen vertreten seien. „Die meisten Chinesen gehen davon aus, dass alle europäische Pferde aus den Niederlanden stammen“, bilanziert Eckjans ernüchtert.

High-Tech-Spektakel dürfte gut ankommen

Diese eingeengte Sicht, verbunden mit der Beobachtung, „mit welch zunehmender Begeisterung sich Chinesen quer durch alle Altersgruppen sowohl für Pferde als auch für moderne westliche Unterhaltung interessieren“, alarmierten den Pferde- und Showmann. Gemeinsam mit der FN, einem deutschen Investor und chinesischen Partnern organisierte er die geballte kulturelle und hippologische Aufklärungsoffensive „Troy“. „Wir glauben, dass die Mischung aus dem epochalen Geschehen rund um den Trojanischen Krieg, verbunden mit Pferden, spektakulären Schlachten, einer dramatischen Liebesgeschichte und bisher nie da gewesenen Special Effects bei den Chinesen gut ankommt“, ist der gebürtige Sauerländer zuversichtlich. Insgesamt 840-mal soll die Show in den kommenden Jahren in zehn chinesischen Städten aufgeführt werden. Die Macher erwarten mehr als zwei Millionen Zuschauer.

Keine Aufführungen in Europa geplant

Wer jetzt neugierig geworden ist, hat allerdings Pech – oder eine weite Reise vor sich: Denn in Europa wird es keine Wiederbelebung des griechischen Mythos auf der Show-Bühne geben. Wogegen Las Vegas, wie Eckjans erklärt, bereits Interesse an der „Pferdeshow made in Fürstenau“ angemeldet habe. Wenn das Konzept der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit aufgehe, könne er sich aber gut vorstellen, dass demnächst der Kulturexport auch andersherum verlaufe und ein klassischer chinesischer Stoff – beispielsweise Dschingis Khan – in China produziert und dann in Europa aufgeführt werde.


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