Folgt die elfte Generation? Malergeschäft Fritze in Fürstenau 365 Jahre alt

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Fürstenau . Was für eine Zeitspanne: Seit 365 Jahrengeben die Väter der Familie Fritze aus Fürstenau ihren Malerbetrieb an die jeweiligen Söhne weiter. Seit zehn Generationen geht das nun so. Wird es weitergehen? Eine offene Frage, wie Hajo Fritze sagt. Der 50-Jährige führt seit 1995 den Betrieb.

Die Geschichte des Malerbetriebes ist allein angesichts der sie umfassenden Zeitspanne faszinierend. Schon viele Male hat sie die Runde gemacht. In den Archiven ruht sie sanft, um dann und wann wieder ans Licht der Gegenwart geholt zu werden. Auch als Beleg dafür, dass sich die Welt zwar stetig häutet, dass es aber in ihr sehr wohl Horte der Kontinuität gibt – wie eben den Malerbetrieb der Familie Fritze. 1652 sei es gewesen, als sich ein „Fritze“ sein erstes Geld mit Malerarbeiten verdient hat. Noch im Nebenerwerb zunächst, da Johann Hendric – so sein Vorname – ansonsten Ackerbürger war, also einer, der vor den Stadtmauern seine Felder bewirtschaftete. Aber wie das auch heute noch oft der Fall ist, wird aus anfänglichen Versuchen irgendwann ein Geschäft fürs Leben. So war es auch bei der Familie Fritze, die nachweislich seit 1719 in jenem Fachwerkhaus an der Großen Straße wohnt, in dem sich heute das Malergeschäft befindet. Das Gebäude ist das älteste der Stadt und wird bereits 1594 als „Gasthaus „Zum Schwan“ erwähnt. Endgültig in Familienbesitz gelangte es 1889.

Das älteste Haus in der Stadt

Die Fritzes wohnen aber nicht nur im ältesten Haus der Stadt. Sie führen zudem einen der ältesten Malerbetriebe in Deutschland – vielleicht sogar den Ältesten. So ganz genau weiß Hajo Fritze das nicht. Was er aber weiß: Er wird es nie bereuen, Malermeister geworden zu sein – so wie seine Vorfahren. Bevor er 1995 in den Betrieb seines heute 82-jährigen Vaters einstieg und ihn übernahm, da hat er sich in Deutschland umgeschaut und gearbeitet. In Osnabrück, da hat er seine Lehre gemacht, für ein weiteres Jahr zog es ihn nach Münster, später nach München und schließlich nach Paderborn, wo er die Meisterschule besuchte und erfolgreich die Prüfung ablegte.

Heute zieht es ihn beruflich nicht mehr in die Ferne. Mit seinem vierköpfigen Malerteam ist er in der Regel in einem Umkreis von 50 Kilometern rund um Fürstenau unterwegs. Das reiche ihm, sagt Hajo Fritze.

Wer übernimmt die Nachfolge

Neben dem reinen Malerbetrieb betreibt der 50-Jährige mit seiner Frau Ilka sowie zwei Aushilfen noch einen Ausstellungsladen. Hier gibt es nicht nur ein besonders großes Mustersortiment an Tapeten, Bodenbelägen, Tuchspanndecken und selbstredend Malerzubehör. Es gibt auch Wohn- und Einrichtungsdekoration. Alles ausgesuchte Ware.

Somit besteht wenig Grund, zum richtigen Meckern. Etwas betrüblich ist lediglich der Umstand, dass es die drei Kinder von Ilka und Hajo Fritze zumindest derzeit nicht danach drängt, als elfte Generation ins Geschäft einzusteigen. Alina ist 22 Jahre und studiert Lehramt für Sonderpädagogik, der 20-jährige Jannes hat ein duales Studium aufgenommen und möchte Wirtschaftsingenieur werden, Mara ist 18 Jahre, macht bald ihr Abitur und würde gerne beim Finanzamt arbeiten. Das hört sich nicht wirklich nach einer Betriebsübernahme an. Aber noch kann sich natürlich etwas ändern, wie Hajo Fritze sagt.

als der Sohn Zauberer werden wollte

2002 – anlässlich des 350-jährigen Bestehens der Unternehmung – ist Hajo Fritze auch schon mal gefragt worden, ob sein Sproß Jannes denn wohl mal später in seine Malerfußstapfen treten werde? Seine Antwort damals: „Im Moment möchte er unbedingt Zauberer werden. Aber soweit entfernt ist das ja eigentlich nicht von meinem Beruf. Irgendwo zaubern wir Maler ja auch.“ Der Berufswunsch von Jannes hat sich bekanntlich inzwischen geändert. Aber wer weiß: Vielleicht überlegt er es sich ja ein weiteres Mal. Die Sonderseite zum 400-jährigen Bestehen wäre gewiss.


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