Ein Stück Zeitgeschichte Bippener laden zur Rast auf der alten Melkbank ein

Von Liesel Hoevermann

Bäuerliche Kultur: Der traditionell gestaltete Rastplatz der Schockländer Nachbarschaft. Foto: Liesel HoevermannBäuerliche Kultur: Der traditionell gestaltete Rastplatz der Schockländer Nachbarschaft. Foto: Liesel Hoevermann

Bippen. „De olde Melkbank“ steht auf der ziemlich neuen Holzbank in rustikalem Stil, die – ergänzt durch einen passenden Holztisch – auf dem idyllisch gelegenen Rastplatz am Waldrand an der Schockländer Straße in Bippen steht.

Zur offiziellen Übergabe an die Allgemeinheit haben sich die Nachbarn der ganzen Straße dort versammelt. Ein schönes Fleckchen zum Ausruhen bietet die Bank an dieser Stelle für Spaziergänger, Radfahrer und sonstige Rastsuchende. Die jetzt aufgestellte Bank ist neu, aber sie ist nicht die erste an dieser Stelle. Bereits 1990 wurde dort eine Bank im Rahmen eines Straßenfestes der Schockländer aufgestellt, 2003 wurde sie renoviert, vor zwei Jahre beschlossen die Nachbarn eine komplette Erneuerung.

Wo früher die Milchkannen standen...

Tatsächlich ist die Geschichte des Bankstandortes noch wesentlich älter und hatte früher ganz praktische Gründe. An dieser Stelle stand wie an zahlreichen anderen Straßen im landwirtschaftlich geprägten Bippen eine Melkbank, auf der von den Bauern die schweren, metallenen Milchkannen abgestellt wurden. Von dort wurden sie mit einem Pferdefuhrwerk abgeholt und in die dörfliche Molkerei gefahren. Die Milchkannen waren nummeriert.

Haltestelle zur Molkerei

Die gut erhaltenen und heute als Dekoration genutzten Milchkannen standen beim Fototermin wie früher auf der Bank, zur Faszination der Kinder und zur Erinnerung der älteren Schockländer. Die konnten sich noch an ihre Kindheit entsinnen, wenn die Kannen vom Milchmann wieder zurückgebracht wurden und anstelle der zur Molkerei gelieferten Rohmilch dann Magermilch oder Buttermilch für den Eigenbedarf enthielten. Auf dem gleichen Weg bekamen die Bauern auch Butter und Käse oder gelegentlich auch einen Sack Getreide aus der örtlichen Genossenschaft. Wie individuell und kommunikativ die tägliche Milchfuhre zur Molkerei war, belegte auch der Aufsatz einer Schülerin aus dieser Zeit, der beim nachbarlichen Bankfest vorgelesen wurde. Außerdem fuhren die Schulkinder manchmal auf ihrem Weg nach Hause mittags mit dem Milchwagen zurück.

Rasante Entwicklung der Technik

Bis 1965 fuhr der Pferdewagen noch täglich zur Molkerei, dann folgte die Umstellung auf einen motorisierten Molkereiwagen, der nur noch alle zwei Tage die Milch von den Höfen abholte. Also mussten die Bauern Kühleinrichtungen installieren. Manche hatten allerdings nur drei oder fünf Kühe, für die lohnte sich die Investition nicht – bei nur einem Pfennig mehr pro Liter Milch. Manche Kleinbauern gaben damals ihren Betrieb auf. Seither hat sich die Technik weiterhin rasant entwickelt in der Landwirtschaft, in der Milchviehhaltung, in den Molkereien – in rund 50 Jahren schneller als in den langen Jahrhunderten vorher. „De olde Melkbank“ ist damit auch zu einem Stück Zeitgeschichte geworden, ein Zeugnis bäuerlicher Kultur. Gut, wenn nachbarschaftliches Engagement wie das der Schockländer zum Erhalt beiträgt.


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