Auf den Wolf vorbereitet Ein Settruper Schäfer und seine tägliche Arbeit


Settrup. Kai Mithöfer war 13 oder 14 Jahre alt, als er seine ersten Schafe bekam, sie pflegte und hegte. Ein Hobby eben. Inzwischen ist Kai Mithöfer 37 Jahre alt, hat 700 Schafe, Lämmer und Ziegen. Ein Hobby ist das nicht mehr. Kai Mithöfer ist heute hauptberuflich Hüteschäfer.

Es ist schon beeindruckend, wenn der 37-Jährige am Weidezaun in Settrup steht, einige laute Rufe ausstößt und sich daraufhin die gesamte Herde in Bewegung setzt und auf ihn zutrottet. Ganz gemächlich, wiederkäuend, friedlich. Auch Kai Mithöfer ist die Ruhe selbst. Er tätschelt einen der Herdenschutzhunde und erklärt, dass die Schafe jetzt etwas enttäuscht seien. Die Rufe seien normalerweise das Signal zum Aufbruch zur nächsten Weide – verbunden mit der Verlockung frischen Grases. „Da, wo ich hingehe, gehen auch die Schafe hin“, sagt Kai Mithöfer.

Einst hat Kai Mithöfer als Zimmermann in Ankum gearbeitet. Im Hinterkopf hatte er dabei stets das Ziel, Schäfer zu werden. In vielen kleinen Schritten ist er nun dort angekommen, wo er immer hin wollte. In die freie Natur, zu den Tieren. Wenn er mit den Schafen unterwegs sei, dann sei das „Urlaub“.

Nur noch 1,5 Millinen Schafe

Dass Berufsschäfer zunehmend rarer werden, weiß Kai Mithöfer natürlich auch. Gut 3000 Schäfereien gibt es noch in Deutschland und etwa 1,5 Millionen Schafe. Zum Vergleich: Im 19. Jahrhundert waren noch etwa 28 Millionen Schafe auf Deutschlands Weiden unterwegs. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Es gebe immer weniger Weiden, immer mehr Äcker. Das wiederum liege am Maisanbau und an den Biogasanlagen, erklärt Kai Mithöfer. Das führe zu ähnlichen Entwicklungen wie in anderen Branchen. Die Großen würden immer größer. Die Kleinen verschwänden.

Auch Kai Mithöfer möchte sich noch einmal vergrößern. 1000 Schafe und Ziegen strebe er an – falls er die Flächen bekommt. Erst bei dieser Größenordnung könne er wirklich gut von der Schäferei leben, sagt der 37-Jährige. Genauer gesagt, vom Verkauf der Lämmer und von der Beweidung von Gewässerrandstreifen, Flächen im Hahlener Moor oder den Wacholderhainen im Fürsten Forest. Landschaftspflege pur, die dem Erhalt alter Kulturschätze dient.

Eine tierliebe Familie

Unterstützung bekommt er von seiner ganzen Familie – vom 19-jährigen Marcel, von der 17-jährigen Anna-Lena, vom 13-jährigen Hendrik, von der siebenjährigen Abigal und von seiner Frau Manuela, die in Nortrup arbeitet. Sie alle haben etwas gemeinsam: ihre Liebe zu Tieren. Neben den Schafen und Ziegen gibt es unter anderem noch zwei Ponys, sechs Esel, sechs Kaninchen sowie eine Kuh nebst Kälbchen, die auch schon mal ein Lamm für einige Wochen durchfüttert. Eine kleine Arche Noah, irgendwo in Settrup an der Grenze zum Emsland gelegen. Wenige Menschen leben hier, viel Idyll gibt es dafür.

Seit einiger Zeit gibt es tierischen Zuwachs. Zu den fünf Hütehunden sind drei Herdenschutzhunde hinzugekommen – zwei Kaukasische Owtscharkas und ein Maremmen-Abruzzen-Schäferhund. Die Tiere sind eigentlich „lammfromm“, werden als Welpen in einer Herde geboren und fühlen sich als Teil von ihr. Im Falle eines Falles verteidigen sie aber die Schafe und Ziegen kompromisslos mit furchterregend gefletschten Zähnen.

Auch der Wolf ist ein Thema

Kai Mithöfer hat die Herdenschutzhunde aus gutem Grund angeschafft. Er geht davon aus, dass in absehbarer Zeit auch Wölfe in die Region kommen. Er habe nicht warten wollen, bis etwas passiert, erklärt er.

Dass der Wolf für ihn ein wichtiges Thema ist, zeigen auch die Einträge auf seiner Facebook-Seite. Ging es einst eher um die Geburt der Lämmer oder die Anreise der neuseeländischen Schafscherer im Mai oder Juni, so finden sich derzeit viele Beiträge zu Rissen von Wölfen.

Gleichwohl ficht Kai Mithöfer das alles nicht an. Er übt seinen Traumberuf aus, und zwar „mit Leib und Seele“, wie er sagt. Und so wird der 37-Jährige weiter mit seinen Tieren von Weide zu Weide ziehen, kleine Abenteuer erleben, zufrieden und glücklich sein.


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