Eine nicht alltägliche Gärtnerei Die Gärtnerküche des Harald Münch in Fürstenau

Im Geschäft: Harald Münch. Foto: Jürgen AckmannIm Geschäft: Harald Münch. Foto: Jürgen Ackmann

Es gibt Menschen, für die ihr Beruf nur Pflichterfüllung ist. Harald Münch gehört nicht dazu. Im Gegenteil. Er ist mit Leib und Seele Gärtner und Florist. In seinem Betrieb in Fürstenau hat er sich viele kleine und große Pflanzenschätze bewahrt. Dahinter steckt alte Gärtnerkunst, die es vielerorts nicht mehr gepflegt wird.

Harald Münch kann stundenlang über seinen Beruf erzählen. Lexikalisches Wissen hat sich da im Kopf angehäuft. Ob es um die zehn Jahreszeiten im Garten und die Pflanzen geht, die das anzeigen. Ob es um den Monat März geht, mit dem das Naturjahr beginnt. Oder ob es um die Wiederentdeckung des Knollenziest geht, dessen Speicherwurzeln schmackhaft sind und der ursprünglich aus dem nördlichen China kommt.

Gerne zeigt Harald Münch auch sein bisweilen verwinkeltes Gärtnerreich mit den vielen Gewächshäusern. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken – zum Beispiel viele alte und ursprüngliche Sorten – ob es sich nun um Geranien, Primeln oder Stiefmütterchen handelt. Nur wenig ist zugekauft, fast alles ist selbst gezogen – echte Nischenproduktion eben.

An einer anderen Stelle türmt sich der Kompost auf – nach allen Regeln der Kunst von Harald Münch und seinen fünf Mitstreitern selbst produziert. Auch die Begegnung mit einem 400 Jahre alten Olivenbaum ist möglich. Den hat Harald Münch derzeit in Pflege genommen. Der wertvolle Baum, der einem Nordkreisler gehört, ist krank und bedarf fachkundiger Behandlung. Aber auch sonst nimmt die Gärtnerei Münch gerne Pflanzen zum Überwintern auf. Schließlich hat nicht jeder passende Räume im eigenen Haus.

Sämereien fehlen ebenfalls nicht. In einer kleinen Ecke finden sich beispielsweise allein 50 Tomatensorten. Daneben stehen Kochbücher. Nicht ohne Grund. Harald Münch ist ein Freund der „Gärtnerküche“. Was mit selbst gezogenen Pflanzen alles möglich ist, stellt er gerne unter Beweis. Unter dem Stichwort „Krautopsie“ finden sich zum Beispiel Rezepte für eine Gurkensuppe mit Sauerampfer oder Tagliatelle mit Katzenminze-Sauce im Internet.

Seine Gärtnerküche hat er bereits bei größeren Veranstaltungen präsentiert – ob in Fürstenau oder wie kürzlich in Lingen bei den Gartenträumen in den Emslandhallen. Dort stellte Harald Münch an drei Tagen „Floristik für den Gaumen“ mit dem Inhaber der Landgenusswerkstatt aus Münster, Philipp Gakstatter, vor. Die beiden würzten ihre Auftritte zudem mit Küchenphilosophischem sowie einer mit einer Prise Pflanzenwissen.

Seit inzwischen 80 Jahren existiert der Betrieb – zunächst gegründet als Baumschule von der Familie Pöppe, dann – nach dem Tod des Inhabers bei einem Bombenangriff 1945 – 1949 wiederaufgebaut und weitergeführt von den Eheleuten Ressel, schließlich 1970 übernommen und ausgebaut vom Neffen Hartmuth Münch und seit Januar 2007 geführt von Harald Münch und Jens Renner.

Die beiden haben seither den Strukturwandel im Gärtnereiwesen hautnah miterlebt. Der Zierpflanzenbau ist zunehmend nur noch im großen Stil oder in der Nische rentabel, die Friedhofsgärtnerei ist im Zeitalter der Urnen auch keine Bank, die Globalisierung ist ein weiteres Thema.

Harald Münch ficht das nicht an. Er hat seine Nischen gefunden. Er wird weiterhin gärtnern, was die Pflanzen hergeben, und zudem Floristik jeder Art anbieten, Räume für Feiern ausgestalten, Gräber kunstvoll gestalten, Balkone und Kübel mit Pflanzen gestalten, die tatsächlich in der Gärtnerei gewachsen sind. Das Motto über allem: „Von der Wiege bis zur Bahre begleitet sie der Gärtner mit der Ware.“


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