Von der Mühle zur Apartmentanlage Wöckener-Gebäude in Fürstenau werden abgerissen

Von Jürgen Schwietert

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Fürstenau. Die Betriebsgebäude der ehemaligen Mühle Wöckener werden derzeit abgerissen. Das Grundstück hat – wie berichtet – die Heilpädagogische Hilfe Bersenbrück erworben. Sie will dort Apartments bauen lassen. Damit geht ein Kapitel Firmengeschichte in Fürstenau endgültig zu Ende. Ein Rückblick.

Im Jahre 1878 gründete der Architekt Heinrich Wöckener, geboren am 1. Dezember 1854, seinen Betrieb in der Bahnhofstraße in Fürstenau. Es entstand zunächst ein Wohn- und Geschäftshaus mit Mühle und Nebengebäuden. Bis Ende 1879 war er unter anderem bei der Eisenbahn Quakenbrück als Unternehmer für die Hochbauten auf der Strecke Freren– Bippen tätig. Zugleich übernahm er bis 1882 sämtliche Hochneubauten des Ritterguts Lonne sowie Reparaturarbeiten am Rittergut Schlichthorst.

1880 heiratete er seine „Ella“ (Eleonore) und zog mit ihr in das Wohnhaus Nummer 117 (heute Trütken) ein. 1884 übernahmen Heinrich und Ella Wöckener dann die Agentur der Hannoverschen Sparkasse und Kapital-Versicherungs-Anstalt. Zwei Jahre später, 1886, erschien ein Artikel in der Tageszeitung mit folgendem Inhalt. „Da bis dahin die hier bestehenden Privat-Sparkassen wenig von den Einwohnern genutzt wurden, musste man die Einrichtung dieser Agentur als ziemlich nutzlos betrachten. Zu unserer Freude sind wir jedoch in der Lage schon jetzt konstatieren zu können, dass die gedachte Agentur einer guten Zukunft entgegensehen kann“.

Auch sonst war Heinrich Wöckener ein umtriebiger Mann. Er war unter anderem Taxator für den Amtsbezirk Fürstenau, amtlicher Schätzer und Revisor für Brandkassenangelegenheiten sowie Amtsanwalt beim königlichen Amtsgericht in Fürstenau, Standesamtstellvertreter, Senator und Ratsherr. Weiterhin war er Mitbegründer des MGV Harmonie.

1919 erfolgte die Übergabe des Betriebes an den jüngsten Sohn Louis. Dieser führte das elterliche Geschäft mit seiner Ehefrau Elfriede, geborene Schwietert, im Sinne seines Vaters weiter. Weil keine der drei Töchter (Hildegard, Lore und Traute) den Betrieb übernehmen wollte, erbauten Louis und Elfriede ein Haus im „Kohlgarten“ (heute Kolosser) und verkauften den Betrieb an die Familie Trütken, die hier Jahrzehnte einen Land- und Mineralölhandel betrieb, der später um Zoobedarf ergänzt wurde. Wilhelm und Maria Trütken gaben aus Altersgründen das Geschäft vor gut zehn Jahren auf und vermieteten die Räume. Bis 2015 beherbergte das Haus den Floristikbetrieb An(n)emone.


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