Gedenken an jüdische Bürger 13 weitere Stolpersteine in Fürstenau gesetzt

Von Jürgen Schwietert

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Fürstenau. Die dritte Stolpersteinsetzung ist Fürstenau ist abgeschlossen. Jetzt erinnern 13 weitere Messingplatten an aus Fürstenau vertriebene und/oder ermordete Fürstenauer Bürger jüdischen Glaubens.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte die Steine vor den zuletzt bekannten Wohnsitzen der Familien Stoppelmann, Neuhoff sowie Süskind. Bei den Stolpersteinsetzungen wirkten die IGS Fürstenau, die Marienschule Schwagstorf sowie die Grundschule Fürstenau mit.

Der Sprecher des Arbeitskreises Stolpersteine Fürstenau, Bernd Kruse, hieß zahlreiche Gäste willkommen. Zunächst stellte er den Arbeitskreis mit Vertretern aus Schulen und Verbänden sowie der Stadt Fürstenau vor. „Das Ziel der genannten Gruppierungen ist es, dass wir die Erinnerungen an die ermordeten und vertriebenen jüdischen Bürger Fürstenaus bewahren wollen. Die Ursachen dieser Barbarei wollen wir auch benennen, damit diese nie wieder vorkommt“, so Bernd Kruse.

Wenn alles Ausländische verschwindet

Bürgermeister Herbert Gans trug statt eines Grußwortes ein etwas anderes Weihnachtsmärchen vor. Es handelte davon, dass einige Männer kurz vor dem Fest in einer kleinen Stadt an Häuserwände Ausländer-raus-Parolen sprühen und die Schaufenster eines türkischen Geschäftes einwerfen. Und was passiert? Alles „Ausländische“ verschwindet darauf hin. Die Schokolade zieht nach Ghana, der Kaffee nach Afrika und Südamerika, die Bananen nach Südafrika. Der Dresdner Stollen zögert und hat Tränen in seinen Rosinenaugen. Als Mischling habe er es besonders schwer. Und weiter: Seidenhemden und Teppiche fliehen nach Asien; die Tropenhölzer nach Brasilien, das Benzin fließt zurück in den Nahen Osten. Nach drei Tagen war nichts Ausländisches mehr im Lande. Mit einer Ausnahmegenehmigung durfte lediglich „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen werden, denn das Lied kommt aus Österreich. Ein ausländisches Paar blieb in Deutschland. Maria und Josef mit Jesus blieben. „Wenn wir auch noch aus dem Lande gehen, wer wird dann den Weg zurück zu Vernunft und zu Menschlichkeit zeigen? Mit dieser Frage beendete der Bürgermeister seine Weihnachtsgeschichte, den Nerv der Zuhörer traf, verknüpft mit einem Appell, sich für die Freiheit sowie die Demokratie einzusetzen und sich nicht Verführern wie – wie in der Nazizeit – auszuliefern.

Alle Verhafteten kamen ins KZ Buchenwald

Pastorin Anke Kusche erinnerte an die sogenannte Reichspogromnacht und an die Stadtgänge, die vom obengenannten Arbeitskreis in Erinnerung an diese Nacht in den vergangenen Jahren veranstaltet worden sind. In Fürstenau kamen fast alle in dieser Nacht verhafteten Männer in das KZ Buchenwald, so Anke Kusche.

Nach einem Geigenintermezzo, gespielt von Ellen Eilermann, verlas die Schulleiterin der Marienschule Ludgera Gohmann am ehemaligen Haus der Familie Stoppelmann die Namen der ermordeten Fürstenauer Bürger. Sodann verlasen Schüler – wie auch an den folgenden Verlegestellen – die Geschichte der hier ehemals wohnenden Fürstenauer Bürger.

An der zweiten Verlegestelle wirkten auch die Kinder der vierten Klassen der Grundschule Fürstenau mit. Nachdem hier an die Geschichte der Familie Neuhoff erinnert worden war, erfolgte von den Viertklässlern ein Anagramm zum Namen Margot. Ihr gelang zusammen mit ihren Eltern 1938 die Flucht nach Südamerika. „Shalom Alechem“, begleitet von Renate Hundrup erklang hier zum Abschluss.

Live aus New York zugeschaltet

An der dritten Verlegestelle, dem Hause Süskind, schaltete der Arbeitskreis Bernhard Süskind live aus New York zu. Er erzählte von seinem früheren Zuhause. „Hier habe ich früher gespielt. Das ist eine gute Ecke, an der ich gewohnt habe“, sagte Bernhard Süskind. Sie habe die „goldene Ecke“ geheißen. Der heutige Ehrenbürger Fürstenaus zeigte weiterhin ein Bild des Elternhauses mit seiner Großeltern in den 20er Jahren, auf dem noch die Kaiserflagge zu sehen war.

Blechbläser von der IGS begleiteten diese Steinsetzung musikalisch. An allen Verlegestellen legten Teilneher zudem Blumen nieder, gebunden und mit informativen Texten vor Harald Münch versehen.


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