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Bürger fürchten um Image Bordell mit 840 Quadratmeter großer Halle in Fürstenau?

Eine „Erlebnisgastronomie für Männer“ auf gehobenen Niveau soll im Fürstenauer Gewerbegebiet Utdrift entstehen, wie der Bauherr erklärt. Symbolfoto: CoulorboxEine „Erlebnisgastronomie für Männer“ auf gehobenen Niveau soll im Fürstenauer Gewerbegebiet Utdrift entstehen, wie der Bauherr erklärt. Symbolfoto: Coulorbox

Fürstenau. Der Plan, in einem Fürstenauer Gewerbegebiet ein Bordell zu errichten, sorgt weiter für Diskussion. 840 Quadratmeter groß soll die Halle samt Indoorparkplätzen werden. Anwohner sind entsetzt.

Ein Bordell in Fürstenau? Auf keinen Fall. Ernst Kruse, Kay-Ute Hallen, Rudolf Riebau und Margreth van der Meer sind gegen die Pläne, im Gewerbegebiet Utdrift ein entsprechendes Gewerbe zuzulassen. Sie fürchten um das Image der Stadt und sehen Gefahren.

Der Bauherr aus Neuenkirchen hingegen beruhigt. Er kündigt sogar einen Tag der offenen Tür kurz vor der geplanten Eröffnung im Sommer 2016 an. Dann werde sich auch die Betreibergesellschaft vorstellen.

Wie berichtet, hatten die Bürger bereits während einer Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt Anfang Juli ihrem Unmut über das geplante Bordell an der Werner-von-Siemes-Straße Luft gemacht – auch, weil das Gremium entgegen den Vorschlägen der Stadtverwaltung den Bau nicht durch entsprechende Änderungen im Bebauungsplan verhindern wollte.

Die Einwände fruchteten nicht. Auch ein Widerspruch beim Landkreis gegen den Bauvorbescheid von Rudolf Riebau – er verfügt über Grundstücke in der Nachbarschaft des Bordells – hatte keinen Erfolg. Die Behörde verwies unter anderem darauf, dass das Vorhaben planungsrechtlich zulässig sei.

Film- und Fotostudie im Obergeschoss

Inzwischen ist der Bauantrag bei der Stadt Fürstenau eingegangen, wie Monika Kolosser auf Nachfrage des Bersenbrücker Kreisblattes erklärte. Den Unterlagen zufolge sei auf einer Gesamtfläche von etwa 4800 Quadratmetern eine 840 Quadratmeter große Halle mit zehn so genannten „Indoor-Parkplätzen“ vorgesehen, dazu gebe es zehn Zimmer. Im Obergeschoss sei zudem ein Film- und Fotostudio geplant. Weiterhin wolle der Bauherr auf dem Grundstück eine SB-Waschanlage errichten lassen. Schließlich sehen die Pläne noch einen Wintergarten mit Pool und Gartenanlage vor – angedockt an der Halle, wie Monika Kolosser weiter berichtet. Die Pläne habe eine Architektin aus Neuenkirchen entworfen.

Wie unterdessen der Bauherr auf Nachfrage berichtete, werde der Erotik-Club nach Fertigstellung von einer Gesellschaft aus Berlin betrieben, die über Erfahrungen in der „Erlebnisgastronomie für Männer“ verfüge.

Wie der Neuenkirchener weiter erklärte, könne er die Kritik der Fürstenauer Bürger durchaus verstehen, betonte aber zugleich, dass kriminelle Machenschaften meistens dann die Regel seien, wenn Menschen versuchten, schnelles Geld mit Prostitution zu erwirtschaften. In Fürstenau hingegen entstehe „kein Puff mit Plüsch und Rotlicht“, sondern ein edel gestaltetes Lokal für Männer. Alkoholisierte Personen hätten dort grundsätzlich keinen Zutritt. Überdies sei die Halle von außen nicht als Erotik-Club erkennbar und mit einem 3,50 Meter hohen Sichtschutz umgeben.

Bauherr: Kein „Schmuddel-Bordell

Wie der Bauherr weiter erklärte, wolle er ebenso wie die Gesellschafter aus Berlin auf keinen Fall ein „Schmuddel-Bordell“ mit kriminellem Umfeld. Vielmehr sei ein sozial verträgliches und vor allem legales Geschäft das Ziel. Immerhin werde in Fürstenau eine hohe sechsstellige Summe in das Projekt investiert. Da sei Seriosität wichtig.

Die Frauen, die in dem Club arbeiteten, würden dazu nicht gezwungen. Sie müssten eine monatliche Miete für die Zimmer bezahlen, ansonsten verblieben die Einnahmen bei den Frauen, betonte der Neuenkirchener. Der Bedarf für diese gehobene Form der Erlebnisgastronomie sei gegeben.

Trotz dieser Argumente glaubt zumindest ein Teil der Fürstenauer Bürger nicht, dass das Projekt positiv für die Stadt sein könnte. So bekräftigten Kay-Ute Hallen und Margreth van der Meer und Ernst Kruse in einem Gespräch, dass der Bau eines Bordells in vielerlei Hinsicht schädlich für Fürstenau sei – ob für den Tourismus, ob für das Image, ob für die weitere Ansiedlung von Gewebetrieben im Umfeld. Welche Firma wolle sich schon in direkter Nachbarschaft eines Bordells ansiedeln?

Bürger: Bordell ist „total familienfeindlich“

Außerdem sei so ein „Amüsierbetrieb menschlich gesehen eine Katastrophe“, so Kay-Ute Hallen. „Ein Bordell ist total familienfeindlich.“ Vor ihrem Umzug vor sechs Jahren nach Fürstenau habe sie in Hamburg gelebt und dort die Prostitution miterlebt. Sie sei davon überzeugt, dass die oft sehr jungen Frauen regelrecht in die Szene gedrängt und zunächst mit angeblich guten Arbeitsangeboten gelockt würden, so die 42-Jährige. Freiwillig würden sich die Frauen nicht prostituieren. Das hätten ihr Aussteigerinnen in Gesprächen bestätigt.

Margreth van der Meer sieht das ähnlich. Sie sei erschrocken, wie naiv viele Bürger seien. Sie verharmlosten die Prostitution und seien nicht wirklich über das Geschehen und kriminelle Machenschaften informiert. Nur weil Prostitution in Deutschland legal sei, heiße das nicht, dass sie in Ordnung sei, betonte sie.

Ernst Kruse wiederum verweist unter anderem auf eine Reihe von Artikeln im Internet, wo es um Schießereien und Schlägereien in Bordellen in Deutschland gehe. Schon aus diesem Grunde könne er ein Bordell in Fürstenau nicht gutheißen.


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