861 Einwohner und ein Heimatlied 750 Jahre Grafeld: Ein Blick in die Geschichte

Von Jürgen Schwietert


Grafeld. Der Berger Ortsteil Grafeld feiert im September seinen 750. Geburtstag. Die Bauerschaft blickt somit auf eine lange Geschichte zurück. Die Anfänge erster Besiedlung liegen im Dunkeln. Erste Urkunden datieren auf die Sechzigerjahre des 13. Jahrhunderts. Der Bereich gehörte seinerzeit zum Herrschaftsgebiet der Oldenburger Grafen. Schon lange vorher werden aber wohl Menschen verschiedener Stämme, Sachsen, Friesen, durch das Gebiet gestreift sein. Bot das Moor doch einen Rückzugsraum bei Verfolgungen.

Neben dem Kloster der Zisterzienserinnen, laut literarischer Quellen 1250 von Menslage nach Börstel verlegt, wird ein hus to Grafle, dat Jacob von Vesenfelde van us hadde (Grafen von Oldenburg) genannt. Eine Urkunde (Lehnsregister) ist auf die Zeit zwischen 1260 und 1270 zu datieren. Eine weitere Urkunde aus dem Stift Börstel mit Nennung Grafle ist auf das Jahr 1283 datiert. Neun Urhöfe (Voll-, Halb- und ein Drittelerbe) werden genannt. Diese sind Greskamp, Grothaus, Stolte, Sabelhaus, Triphaus, Wilbers, Schulte, Johanning und Dressmann, die bis auf Dreesmann zwischen Bauernstraße und Beke (Bach) lagen. In der Nähe der ersten Siedlung entstanden in der Folgezeit weitere Höfe, die aber keinen Anteil am Esch erhielten. Zum Teil rangen sie ihre Ackerflächen der Natur durch Rodungen ab. „Geändert haben sich die Verhältnisse, die durch die Jahrhunderte mehr oder weniger unverändert bestehen geblieben sind, erst durch die Markenteilung und die Möglichkeit, mittels Dünger auf weniger guten Boden erfolgreich Ackerbau betreiben zu können“, schreibt Gerhard J. Triphaus in seinem sehr informativen Buch „725 Jahre Grafeld“.

Enge Verbindung zwischen Grafeld und Börstel

In dem genannten Buch wird auch die enge Verbindung zwischen Grafeld und Börstel deutlich. Zum Besitz des Klosters gehörten in Grafeld um 1500 29 Hörige, davon 13 Colone und 16 Kötter. Auch die Reformation streifte Grafeld und Börstel. Die Religionskriege, die mit dem Augsburger Frieden 1555 ihr vorläufiges Ende fanden, berührten dieses Gebiet allerdings nicht. Aber der Quakenbrücker Reformator Hermann Bonnus wirkte auch auf dieses Gebiet ein. Mit dem Dreißigjährigen Krieg fanden die Religionswirren dann ihren Abschluss. Als Normaljahr wurde 1624 festgelegt. Wer zu dieser Zeit katholisch war, blieb katholisch; wer evangelisch war, blieb evangelisch. Grafeld war katholisch geblieben. Wie vor der Reformation gingen die Grafelder weiter an Sonn- und Feiertagen den fünf Kilometer langen Kirchweg nach Berge. Erst 1839 wurde in Berge eine evangelische Kirche errichtet.

Plünderungen im 16. und 17. Jahrhundert

Im 16. und 17. Jahrhundert streiften immer wieder beutelüsterne Söldner aufgrund der niederländischen Freiheitskriege sowie des Dreißigjährigen Kriegs durch die Gegend und raubten Pferde, Kühe und Leinwand. Plünderungen waren an der Tagesordnung. Der Dreiherrenstein, der die Territorien des Fürstbischofs von Münster, des Bischofs von Osnabrück und des Fürsten von Oranien trennte, ist steinerner Zeitzeuge dieser Periode. Er trägt die Jahreszahl 1652. Die Grenzstreitigkeiten zogen sich noch durch weitere Jahrhunderte.

Streit um das Wasser

Streitigkeiten gab es aber auch im Ort, und zwar um das Wasser der von der Gevermühle her kommenden Beeke, die dort aufgestaut wurde. Sie diente der Versorgung des Viehes mit Wasser. Amtlich wurde verfügt, dass außer dem Colon Gevermöhle keiner die Beeke mehr aufstauen durfte. In gemeinschaftlicher Arbeit wurde die Hauptquelle vertieft. Und alle durften zahlen. Und ein weiterer interessanter Prozess ging in die Geschichte ein. Die Grafelder gewannen zu Anfang des 18. Jahrhunderts gegen den Beamten Hieronymus Krimpenfort, der unrechtmäßig zwölf Schweine zur Mast in die Grafelder Mark getrieben hatte. Im 18. Jahrhundert war Grafeld in drei Enden Overend, Middelend und Unnerend aufgeteilt. Zu jedem Teil gehörten jeweils drei Höfe. Und diese Zahl drei zog sich auch durch die weiteren Ortsteile. In verschiedenen Sprüchen wurden die Namen der Höfe überliefert. Seit dem Zweiten Weltkrieg sind viele Höfe und Scheunen, Ställe und Schuppen aus dem Ortskern verschwunden.

Ortschaft hat seit 1840 eine eigene „Hymne“

Diesen Wüstungen wirken aber neue Bebauungspläne entgegen. Weiterhin prägten das Heuerlingswesen und die Markenteilung die Entwicklung Grafelds. Wie aus dem bereits erwähnten Buch hervorgeht, bekam der Nationalsozialismus in Grafeld keine Chance. Dem Berger Ortsgruppenleiter Maus gelang es aber, Pastor Oldopp zu vertreiben und Lehrer August Schlump in den vorzeitigen Ruhestand zu zwingen. In der Nachkriegszeit entwickelte sich Grafeld zu einem liebenswerten Dorf mit derzeit 861 Einwohnern sowie mit eigener Grundschule, einem regen Vereinsleben und einem von Kaplan Seling 1840 geschriebenen Heimatlied. Dort heißt es: „Von alters her bis zu der neueren Zeit hat Grafeld sich rühmlich dem Guten geweiht“.