Die Tatkraft einer Dorfgemeinschaft Neue Berger Turnhalle der Bestimmung übergeben

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Berge. Es endet, wie es begonnen hat – in aller Bescheidenheit. Kein rauschendes Fest, keine großen Reden, keine aufwendigen Geschenke. Die offizielle Eröffnung der neuen Turnhalle in Berge ging im kleinen Kreis über die Bühne. Ein Blumenstrauß, ein symbolischer Schlüssel und ein Glas Sekt – gereicht von der Schülerfirma Meet &Eat – reichten. Umso größer war die Freude über das Erreichte. Noch im November 2013 hätte niemand geglaubt, dass die Turnhalle Realität werden könnte.

Überhaupt: Der November ist offenbar ein guter Monat, um gewichtige Bauprojekte in Berge abzuschließen. Vor 175 Jahren stand die Weihe der Lutherkirche auf dem Programm, nun die offizielle Eröffnung der Berger Turnhalle. Sie ist nicht nur wegen des Bauvolumens ein besonderes Projekt. Wie vor 175 Jahren haben die Berger die Dinge selbst in die Hand genommen, kühne Entschlüsse gefasst und sie konsequent umgesetzt. Und so wie damals hat das den Bergern viel Anerkennung über die Grenzen der Gemeinde hinaus eingebracht.

Den fast schon wundersamen Lauf nahmen die Dinge, als die Simper-Stifung im November 2013 ihren Spendenaufruf startete. Um den Bau einer Turnhalle finanzieren zu können, seien noch mindestens 100000 Euro notwendig. 1,1 Millionen Euro seien insgesamt notwendig. Davon wolle die Simper-Stiftung als Bauherrin 600000 Euro an Kredit aufnehmen, 400000 könne die Gemeinde Berge geben. Zudem könne die Samtgemeinde über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Nutzungsentschädigung von jährlich 38000 Euro zahlen, wobei die Gemeinde Berge wiederum 8000 Euro übernehmen würde, hieß es damals.

Was dann geschah, nannte Günter Simper bei der Eröffnung der Turnhalle „überwältigend“. Alle Spendendämme brachen. Nach sechs Wochen – am Silvestertag – waren die 100000 Euro auf dem Konto – angesichts der Tatsache, dass Berge gerade einmal gut 3500 Einwohner hat, ein Ausdruck absoluten Wollens.

Dass die Berger aber überhaupt ihren Bürgersinn so demonstrativ zeigen konnten, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Bürgermeister Volker Brandt. Immer wieder war in der Vergangenheit gefordert worden, endlich eine Turnhalle mit Wettkampfmaßen zu errichten. Zwar gab es sogar erste Pläne, auch kümmerten sich Landtagsabgeordnete, doch am Ende blieb es bei Worten. Als die Berger Volker Brandt 2006 zum Bürgermeister wählten, hielt er sich in der Turnhallenfrage zunächst stets zurück. Versprechen mache er nicht, hieß es. Gleichwohl verlor er das Projekt nie aus den Augen, wie sich spätestens im November 2013 zeigte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er ein Finanzkonzept ausgearbeitet, die Simper-Stiftung als unverzichtbaren Bestandteil mit ins Boot geholt, im Vorfeld den Turnhallenplan von Bauingenieur Jochen Bohmann prüfen lassen und auch schon hinter den Kulissen politische Überzeugungsarbeit bei der Samtgemeinde und dem Landkreis geleistet.

Sein Konzept sollte aufgehen. Und wie. Die Freude über das Silvesterspendenergebnis war kaum verklungen, da waren schon die nächsten 20000 Euro auf dem Spendenkonto eingezahlt. Insgesamt gaben 380 Bürger und Vereine sowie 36 Firmen Geld, sodass am Ende 173000 Euro zusammenkamen. Geld, das die Simper-Stiftung in die Innenausstattung investierte, die ursprünglich erst nach und nach angeschafft werden sollte. Hinzu kamen mehr als 180 Helfer , die beispielsweise die Baustelle einrichteten oder 800 Quadratmeter pflasterten. Auch die beauftragten Firmen und Planer aus der Region rechneten längst nicht jeden Cent ab. So entwickelte sich ein Gemeinschaftsprojekt, das weit und breit seinesgleichen sucht und das nun am Mittwochabend seinen offiziellen Abschluss fand. Die Krönung: Der Kostenrahmen ist genau eingehalten worden. Wann kommt das schon mal bei Bauprojekten vor.

Wie ein kleiner Rundgang mit Jochen Bohmann und Jürgen Plagge belegte, hat es sich ausgezahlt, dass so viele engagierte Bürger an dem Projekt mitgewirkt und ebenso viele hilfreiche Tipps für den Bau gegeben haben. So ist mit vereinten Kräften eine Halle entstanden, die allen Ansprüchen genügt. Und noch mehr. Die neue Berger Turnhalle ist kein seelenloses Bauwerk, sondern Teil einer besonderen Geschichte, die von der Kraft einer Dorfgemeinschaft zeugt.


Die neue Berger Turnhalle hat die Maße 22 x 44 Meter. Die Deckenhöhe beträgt sieben Meter. Damit ist in dem Gebäude auch Turniersport möglich – ob Fußball, Basketball oder Handball. Weiterhin ist die Halle mit gasbetriebenen Infrarot-Dunkelstrahlern ausgestattet. Sie gelten als besonders energieeffizient. Die Heizungsanlage in der kleinen, alten Turnhalle ist im Gegenzug komplett abgebaut worden.

Zusammen mit den Solarkollektoren auf dem Dach für die Warmwasseraufbereitung führen diese Maßnahmen dazu, dass die Heizkosten für die neue sowie die kleine, alte Halle niedriger sind als bisher ausschließlich für die alte Turnhalle.

Für Licht sorgen energiesparende LED-Leuchtmittel. Die Schaltung der Beleuchtung erfolgt über Präsensmelder, sodass das Licht nur an ist, wenn sich tatsächlich Personen im jeweilen Raum befinden. Gibt es über einen bestimmten Zeitraum keine Bewegung, schaltet sich das Licht automatisch ab. An diesem Projekt hat auch das Unternehmen RWE mitgewirkt und sich finanziell beteiligt.

Schließlich ist die gesamte Gebäudetechnik über ein Computersystem vernetzt. So ist eine zentrale Steuerung von Licht, Heizung, Lüftung und Beschattung in allen Räumen möglich.

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