Thema der Woche: Jagd und Jäger Parforcekorps Fürstenau beteiligt sich an Wettbewerben

Von Nicole Weymann

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Altkreis Bersenbrück. Je professioneller ein Beruf und Berufsstand wird, desto mehr Fachbegriffe entstehen. Es werden Abkürzungen für oft genutzte Begriffe erschaffen, neue Wörter erfunden oder alten Wörtern neue Bedeutungen gegeben. Das gilt für Handwerker ebenso wie für Kaufleute, Köche, Mediziner und eben auch für Jäger.

Die Jägersprache unterscheidet zum Beispiel bei Ohren unter anderem zwischen „Tellern“, „Gehören“, „Lauschern“ oder „Löffeln“, je nachdem, ob das entsprechende Tier ein Wildschwein, Fuchs, Reh oder Hase ist. Auch die Unterscheidung nach Alter, Geschlecht oder anderen Merkmalen lässt sich so mit wenigen Worten ausdrücken, was Eingeweihten die Verständigung untereinander erleichtert, bei Außenstehenden aber für Verwirrung sorgen kann. Wenn ein „reifer Sechser schreckend und hochflüchtig in sein Einstandsgebiet abspringt“, verstehen Nicht-Jäger höchstens, dass irgendetwas weggelaufen ist. Ein Jäger weiß, dass es sich um einen fünf- oder sechsjährigen Rehbock mit sechs Spitzen am Geweih – pardon Gehörn – handelt, der schnell in sein Revier lief und dabei laut
rief.

Viele der Ausdrücke sind allerdings auch in die Alltagssprache eingeflossen. Wer bei einem Flohmarkt ein lang gesuchtes Sammlerstück „aufstöbert“, über „Sauwetter“ schimpft oder von der für ihn geplanten Überraschungsfeier „Wind bekommt“, der benutzt dabei Ausdrücke aus der Jägersprache: ein „stöbernder“ Jagdhund sucht im Unterholz nach Wild und scheucht es auf, bei „Sauwetter“ ist gut Wildschweine jagen, weil die bei feuchtem Wetter den Boden besser nach Nahrung durchwühlen können und aktiver sind, und „Wind bekommen“ bedeutet, dass das Wild den Jäger riecht und flüchtet.

Eine besondere Art der Verständigung auf der Jagd ist das Jagdhornblasen, dessen Ursprünge schon lange zurückliegen. Warum aber ein Instrument herstellen und benutzen, wenn man einfach rufen könnte? Vor allem erzeugen Hörner gleichmäßigere und kräftigere Töne als die menschliche Stimme. Daher sind sie deutlicher zu hören und entsprechend besser zu verstehen, was nicht nur Jäger nutzen, sondern zum Beispiel auch Hirten nutzten. Zudem gibt es bei der Jagd eine enger begrenzte Anzahl von Nachrichten, die ausgetauscht werden, als bei einer Unterhaltung. So gibt es auch weniger Missverständnisse: Wenn ein Jäger ein Jagdhorn hört, weiß er, es geht um die Jagd und um nichts anderes.

Wie die meisten Kulturgüter entwickelten sich auch das Horn und das Hornblasen mit der Zeit immer weiter. Neben den Hörnern von Wildrindern kamen bald auch Holzhörner und später Metallhörner zum Einsatz. Damit ließen sich zwar schon mehr Töne produzieren, weil Jagdhörner aber im Gegensatz zu anderen Blasinstrumenten wie Trompeten in der Regel keinen Klappenmechanismus haben, mit dem man auf Knopfdruck die Tonhöhe ändern kann, ist der Tonumfang dennoch begrenzt.

Grundsätzlich gibt es Jagdhörner heute in verschiedenen Ausführungen. Die sogenannten Plesshörner, benannt nach dem Oberstjägermeister von Kaiser Wilhelm I., Hans Heinrich XI., Fürst von Pless, sind die typischen Signalhörner, mit denen die Jagden an- und abgeblasen und die Strecke vermeldet werden. In der Ausführung für Orchestermusik gibt es sie auch mit Ventilen.

Daneben spielen Jagdhornbläser auch auf Parforcehörnern in den Stimmlagen Es oder B. Sie haben ihren Namen von der Parforcejagd, also der Hetzjagd zu Pferde im Wald. Damit die Bläser die Hände zum Reiten frei hatten, wurden die Jagdhörner so groß gebaut, dass man den Kopf und den Arm hindurchstecken und sie so sie über der Schulter tragen konnte. Mit ihrem größeren Tonumfang sind sie für Konzertmusik besser geeignet als die kleinen Plesshörner.

Mittlerweile ist das Jagdhornblasen wieder so populär, dass Konzertwettbewerbe auf Landes- und Bundesebene abgehalten werden, und neben passionierten Jägern auch Musiker ohne Jagdschein in den Korps sitzen. Das eine schließt das andere nicht aus.


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