Klassenfahrten Schulleiter Franz-Josef Hanneken im Interview


Fürstenau. Ein Artikel aus der Klasse!-Jugendredaktion von Florian Fromme. Immer wieder hört man von Klassenfahrten, Ausflügen und Abschlussfahrten, bei denen Schüler die Möglichkeit haben, Orte auf der ganzen Welt zu entdecken, die aber in Alkohol- und schlimmstenfalls Drogenexzessen enden. Da auf solchen Fahrten die Hemmschwelle offenbar sehr niedrig ist und Schüler die Möglichkeit erkennen, viele Kilometer von zu Hause entfernt und nicht unter der Aufsicht ihrer Eltern „so richtig die Sau rauszulassen“, enden solche Ausflüge für die Schüler oft in einer verfrühten Heimreise.

Leidtragende sind vor allem die Lehrer, die über das Erträgliche hinaus ihrer Aufsichtspflicht nachkommen müssen, nur weil sich einige Schüler nicht benehmen können. Auch die nachfolgenden Schülergenerationen leiden unter dem Verhalten, da ihre Vorgänger die Vertrauensbasis der Lehrer strapaziert haben. Franz-Josef Hanneken, Schulleiter des Gymnasium Leoninum in Handrup, äußert sich im Interview zum Thema Exzesse auf Klassenfahrten.

Herr Hanneken, Sie sind jetzt seit sechs Jahren Schulleiter am Gymnasium Leoninum Handrup (Emsland). Es passiert immer mal wieder, dass es auf Klassenfahrten zu Exzessen von Schülern kommt. Gab es solche Fälle auch an Ihrem Gymnasium?
Wenn wir das Wort Exzess benutzen, dann hört sich das immer so an, als ob wir hier bei uns einen ganz außergewöhnlichen Alkoholkonsum hätten. Wir hatten hier auch schon Fälle von übertriebenem Alkoholkonsum, sodass wir eingreifen mussten. Aber generell hält sich das durchaus in Grenzen, weil wir klare Regularien haben. Es wird ja im Vorfeld genau schriftlich informiert, welches Verhalten wir uns vorstellen. Das wird dann den Eltern vorge-lebt, und in der Regel gibt es keine Probleme.

Wie reagieren Sie denn zum Beispiel auf übermäßigen Alkoholkonsum?
Falls dieses geschieht, wenn zum Beispiel Alkohol im Koffer mitgenommen wird, dann hat das Konsequenzen, wie zum Beispiel die Rückbeorderung. Aber das hat es in meiner Zeit als Schulleiter erst einmal gegeben.

Folgt denn auf so ein Vergehen automatisch ein Schulverweis?
Dass war in früheren Zeiten sicherlich so, dass dann der Schulverweis folgte. Heute verstehen wir das Zurückschicken von Schülern nach einem Vorfall nicht als Strafe, sondern als pädagogische Maßnahme, um diese zum Nachdenken zu zwingen. Es ist oft das Problem, dass häufig Schüler betroffen sind, die oft gar keine Erfahrung mit Alkohol haben, die bei solchen Gelegenheiten dann aus der Bahn geworfen werden.

Halten Sie es für verwunderlich, dass solche Exzesse an allen Schulformen auftreten?
Ich halte das nicht für verwunderlich, da solche Prozesse nicht kopfgesteuert ablaufen, sondern es da um andere Dinge geht, wie das Ausprobieren oder Gruppenzwänge, die eine große Rolle spielen. Vielleicht ist es für Leute, die nachdenken, noch unverständlicher. Ich denke aber nicht, dass solche Exzesse abhängig von einer Schulform sind, sondern es sich um ein grundsätzliches Problem handelt. Wir sind ja keine Insel der Seligkeit, was es bei anderen gibt, gibt es bei uns auch. Es gibt keine Veranstaltungen mit vielen Schülern ohne Risiken, die natürlich mit dem Nutzen der Fahrt abgewogen werden müssen. Aber ohne ein Restrisiko könnte man überhaupt nichts machen. Es gibt keine Garantie dafür, dass es gelingt. Man muss es tun, das ist unser Grundsatz.

Was halten Sie für die wichtigsten Erfahrungen auf Klassenfahrten?
Die wichtigste Erfahrung ist sicherlich das Gemeinschaftsbewusstsein. Das klingt zuerst wie ein blasser Begriff, bedeutet aber einiges. Dinge voneinander zu wissen, andere Situationen als den Schulalltag zu erfahren. Also Fazit: Klassenfahrten auf keinen Fall abschaffen, sondern trotz Risiken stattfinden lassen.


Dieser Artikel ist innerhalb des Klasse-Projektes entstanden. Hier können Schüler selbst Artikel schreiben und erste journalistische Erfahrungen sammeln. Ansprechpartnerin ist Kathrin Pohlmann aus der Lokal-Redaktion.