175 Jahre Lutherkirche Berge: Der lange Weg zu einer eigenen Kirche

Von Jürgen Ackmann

Die Lutherkirche in Berge ist inzwischen 175 Jahre alt. Die Kirchweihe erfolgte am 10. November 1839 – ein wichtiger Tag für die Kirchengemeinde.Foto: Jan AckmannDie Lutherkirche in Berge ist inzwischen 175 Jahre alt. Die Kirchweihe erfolgte am 10. November 1839 – ein wichtiger Tag für die Kirchengemeinde.Foto: Jan Ackmann

Berge. Es muss ein erhabener Moment gewesen sein, als Pastor Gottlieb Fachtmann am 24. Sonntag nach Trinitatis, dem 10. November 1839, die Tür zur neuen evangelisch-lutherischen Kirche in Berge öffnete. Ihm auf dem Fuße folgte die Gemeinde, um am ersten Gottesdienst im gerade errichteten Gebäude teilzunehmen. Das war vor 175 Jahren. Am Sonntag, 9. November, wird die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde an die Kirchweihe erinnern. Natürlich mit einem Gottesdienst. Und mit einer kleinen Feier im Gasthaus Schohaus.

Schon lange vor der Kirchweihe 1839 gab es Bestrebungen nach Selbstständigkeit in der evangelischen Bevölkerung in Berge sowie den Bauerschaften Anten und Dalvers. Die befeuerte die Königlich-Hannoversche Regierung zusätzlich, als sie 1815 definitiv vorschrieb, alle Kirchspieleingesessenen abweichenden Bekenntnisses an einen außenwärtigen Pfarrer zu verweisen. Die Berger Lutheraner waren solche „Abweichler“. Mithin erfolgte die „Verweisung“ nach Börstel. Die Königlich-Hannoversche Regierung hatte die Rechnung allerdings ohne die Dalveraner und Antener gemacht. Zu weit weg sei Börstel, zu beschwerlich der Weg – gerade im Winter, schimpften sie. Sie wollten auch weiterhin in Berge zur Kirche gehen. Sollte doch der katholische Pfarrer bei Beerdigungen der Evangelischen weiterhin die Leichenrede halten. Warum nicht?

Der Unmut sei in diesen Tagen erheblich gewachsen und habe zweifellos das Bemühen um eine Verselbstständigung zu einer evangelisch-lutherischen Gemeinde beschleunigt, so das Ergebnis von Recherchen von Udo Hafferkamp, die er im Buch „150 Jahre Lutherkirche in Berge“ veröffentlichte und auf deren Ergebnissen auch dieser Artikel fußt. Auch ein Dokument von 1816 lässt einen Blick auf die Befindlichkeiten der Protestanten blicken. Dort wird der Wille erklärt, die „hiesige Kirche auch zum evangelisch-lutherischen Gottesdienste mit zu gebrauchen“ oder eine eigene Kirche zu erbauen.

Der Druck aus Berge, Dalvers und Anten wuchs weiter. Am 1. März 1822 verpflichteten sich die evangelischen Eingesessenen aus Berge und den umliegenden Bauerschaften auf dem Hof Niemann in Dalvers in Gegenwart eines Notars unter anderem dazu, alles Erforderliche zum Bau einer Kirche und eines Pastorats beizutragen. Dieser Tag gilt seither als Gründungstag der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde – auch, weil Berger, Antener und Dalveraner gemeinsame Sache machten.

Die Königlich-Hannoversche Regierung reagierte und machte den Vorschlag, in Berge den Bau einer evangelischen Kirche zu genehmigen, in der aber der Börsteler Pastor predigen sollte. Das zuständige Cabinetsministerium akzeptierte den Vorschlag, die Genehmigung erfolgte im November 1823. Während sich die Berger, Antener und Dalveraner freuten, wehrte sich der Börsteler Pastor. Der Kirchenbau diene doch nur den Interessen einiger Handel- und Gewerbetreibender, zeterte er. Außerdem sei es keine Lösung, von Börstel aus eine so weit verzweigte Gemeinde zu betreuen.

Gleichwohl: Die Dinge nahmen ihren Lauf. 1835 folgte zunächst die offizielle Trennung von der katholischen Kirchengemeinde. Auch die Debatte um den richtigen Standort für die Kirche entbrannte. Die Gründe, die für den heutigen Standort sprachen, waren die Nähe zu den Bauerschaften Dalvers und Anten sowie zur evangelischen Schule in Berge.

Und so zog jener Tag herauf, an dem Gottlieb Fachtmann den wuchtigen Schlüssel der Kirchentür im Schloss umdrehte. Vollendet war damit das Kirchenbauprojekt noch nicht. Es fehlte noch ein veritabler Turm. Den bekam die Kirche 1896. 42 Meter hoch war das Bauwerk. Einen eigenen Namen hatte das Gotteshaus aber immer noch nicht. Der folgte erst am 18. November 1958: Lutherkirche. Zu jener Zeit waltete Pastor Hansch in Berge seines Amtes.

Viele kleine und große Veränderungen hat es auch in den folgenden Jahren gegeben – den Umbau des Gemeindehauses 1972 beispielsweise, die Neuanlage des Kirchenvorplatzes im Zuge der Umgestaltung der Berger Hauptstraße 1979, die Fertigstellung der Kinderkrippe 2013 . Immer gab es Menschen, die sich für solche Projekte engagiert haben – ideell und materiell. Auf dieser Grundlage ist die Kirchengemeinde bis zum heutigen Tage gewachsen und gediehen.

Da zu einem Rückblick auch ein Ausblick gehört, bleibt die Frage, wie es in 25 Jahren um die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Berge bestellt sein mag. Wird sie dann noch einen Pastor haben? Wird sie noch eigenständig sein? Wird sie noch von einer ausreichenden Zahl von Menschen getragen? Antworten auf solche und andere Frage wird es geben. Das ist sicher. Immerhin.