Mehr als 200 Bürger vor Ort Stolpersteine verlegt: Bewegender Tag in Fürstenau

Von Jürgen Schwietert


Fürstenau. Es war beeindruckend: Die Fürstenauer haben jüdischen Mitbürgern ein Denkmal gesetzt, die einst von den Nazis ermordet worden sind. An vier ehemaligen Wohnorten verlegte der Künstler Gunter Demnig Stolpersteine aus Messing mit den Daten der Getöteten. Mehr als 200 Bürger begleiteten die Aktion. Nun gibt es Stolpersteine für die Familien Isidor Weinberg an der St.-Georg-Straße, Alfred Hamburger an der Schwedenstraße sowie Julius Frank und Hermann Hamburger am Schwarzen Weg.

„Diese Versammlung gilt der Erinnerung und dem Gedenken an unsere Mitbürger jüdischen Glaubens, denen zur Zeit des Terrorregimes der Naziregierung Schreckliches widerfahren ist“, sagte Fürstenaus Bürgermeister Herbert Gans zum Auftakt der Veranstaltung im Sitzungssaal im Schloss. Sein besonderes Willkommen galt Bernhard Süskind, dem Ehrenbürger der Stadt Fürstenau , der heute in den USA lebt und damals als Jude Fürstenau verlassen musste. Der Dank von Herbert Gans galt unter anderem dem Arbeitskreis Stolpersteine für die Recherche zu den Ereignissen in der Vergangenheit sowie allen Spendern, die diese Aktion finanziell unterstützt haben.

Weiterhin ging Herbert Gans der Frage nach, warum das alles habe geschehen können. Warum seien die Männer, Frauen und Kinder gefoltert und ermordet worden? Wegen ihrer Andersartigkeit, Hautfarbe, Rasse? „Wir wissen es nicht; wir fassen es nicht. Heute wollen wir diesen Menschen wieder einen Namen geben“, so Herbert Gans. Ein Mensch sei erst vergessen, wenn sein Name vergessen sei. Die Stolpersteine stellten sicher, dass das nicht passiere.

Sodann ging der Koordinator der Aktion, Bernd Kruse, auf die Arbeit der Projektgruppe ein. Er dankte dem Stadtrat sowie Herbert Gans und Samtgemeindebürgermeister Peter Selter für die Unterstützung. Unter anderem ging er noch einmal auf das damalige Mitteilungsblatt der NSDAP in Fürstenau ein. In der Ausgabe Juni 1942 habe dort die Überschrift gestanden „Fürstenau frei von Juden“. Auch die Indoktrinierung der Schülerschaft thematisierte Bernd Kruse. Er forderte dazu auf, die Werte aus dem Grundgesetz Deutschlands zu leben – vor allem mit Blick auf die Unantastbarkeit der Würde des Menschen.

Nach den Ansprachen im Sitzungssaal ging es zur ersten Verlegestelle an der St.-Georg-Straße. Auf dem jetzigen Parkplatz der Kreissparkasse stand seinerzeit das Haus der Familie Weinberg. Dort hieß Bürgermeister Herbert Gans die hinzugekommenen Gäste willkommen. Während Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte, informierten wiederum Bernd Kruse sowie die Schüler der Marienschule über die damals hier lebende Familie Weinberg. Ellen Eilermann spielte überdies zum Abschluss „Un as (und was) der Rebbe singt“; ein Verwandter der Familie Weinberg sprach zudem ein Gebet.

An der zweiten Verlegestelle an der Schwedenstraße, dem Wohnort der Familie Alfred Hamburger, spielte die Big Band der Integrierten Gesamtschule eine Klezmoresque. Dort galt auch den Zeitzeugen, darunter der Nachbarin Anneliese Sonntag, ein Willkommen.

Weiter führte der Weg zum Schwarzen Weg. Am ehemaligen Haus der Familie Hermann Hamburger wirkten die Grundschule Fürstenau mit den Lehrkräften Elisabeth Karmann, Kerstin Havermann und Sabine Brockel mit. Überdies sangen die Schüler unter Leitung von Renate Hundrup das Lied „Ich gebe dir die Hände“.

Den Abschluss bildete die vierte Verlegestelle am Haus der Familie Julius Frank. In diesem Haus befand sich einst der Versammlungsraum der jüdischen Gemeinde, den die Nazis in der Reichspogromnacht 1938 schändeten. Unter der Leitung von Renate Hundrup sang der katholische Kirchenchor „So ist Versöhnung“. Der Kantor der jüdischen Gemeinde Osnabrück, Baruch Chauskin, sprach außerdem ein Gebet, in dem er auf die Konzentrationslager sowie auf die in Fürstenau lebenden Juden einging.

Weiterhin gab es für jede Verlegestelle Blumengebinde sowie erklärende Texte, verfasst von Harald Münch. Der Weg zurück führte vorbei am Ehrenmal im Bürgerpark. Dort ging Bürgermeister Herbert Gans auf die an die jüdischen Bürger erinnernden Tafeln ein. Und so ging ein bewegter und bewegender Tag seinem Ende entgegen. Ein Tag, der in Erinnerung bleiben wird.