Uwe Höpkers Dienstjubiläum Der Berger Dorfpolizist und die kleinen Fälle


Berge/Bippen. Als Uwe Höpker im März 1984 seinen Dienst in der Ein-Mann-Polizeistation in Berge antrat, tauchte er in eine neue Welt ein. Friedlicher und freundlicher. Das war in den zehn Dienstjahren zuvor anders gewesen. Da hat der Polizeioberkommissar auch die gewalttätige Seite menschlichen Daseins erlebt. Am eigenen Leibe.

Die Polizeistation in Berge ist ein kleines Idyll. Das fällt jedem Besucher sofort auf, der vor dem Haus am Osterberg 3 steht und klingelt. Dass dort nicht nur eine Familie wohnt, sondern auch ein Polizist arbeitet, verrät eigentlich nur das blaue Schild mit dem weißen Stern.

Uwe Höpker fühlt sich hier wohl. Privat und beruflich. Kein Wunder. Als er sich vor 40 Jahren von einem Werber davon überzeugen ließ, dass eine Laufbahn bei der Polizei bestimmt interessanter sei als die eigentlich geplante Banklehre, da begann für den gebürtigen Bramscher tatsächlich ein besonderes Leben. Es war aber nicht einfach nur interessant, sondern auch unruhig. In Hannoversch Münden begann die Laufbahn von Uwe Höpker. Es folgten Stationen in Oldenburg und Damme sowie viele Einsätze bei Anti-Atomkraft-Demos – ob in Brokdorf oder Gorleben. Die waren gefährlich. So traf 1977 bei einem Einsatz am Kernkraftwerk Grohnde ein Stein Uwe Höpker schwer am Kopf. Zwar erhielt Uwe Höpker für seinen Einsatz später eine Auszeichnung vom damaligen niedersächsischen Innenminister Röttger Groß, doch das Nachdenken über das damals bisweilen angespannte Verhältnis von Polizisten zu Bürgern blieb.

Uwe Höpker gehörte damals einer Motorradstaffel der Polizei an. Die begleitete auch die Limousinen von hochrangigen Politikern wie Leonid Breschnew oder Jimmy Carter. Die Karriere auf der 1000er BMW habe aber 1978 ein jähes Ende gefunden, erzählt Uwe Höpker. Ein Lkw habe ihm bei einem Einsatz die Vorfahrt genommen. Nach dem Aufenthalt im Krankenhaus sei die Leidenschaft für das Motorradfahren erloschen. Er sei zum 10. Revier in Hannover versetzt worden. Aber auch hier hätten immer wieder Großeinsätze auf der Agenda gestanden. Hinzu sei die Angst vor Anschlägen der RAF gekommen.

Dann kam der März 1984. Uwe Höpker zog mit seiner Frau Anke nach Berge, um dort kleine und große Fälle zu lösen. Alexander und Johanna kamen zur Welt. Alles war anders. „Es war ein deutlich ruhigeres Leben, das mich nicht mehr zu Demonstrationen oder Großkontrollen führte, sondern zu Schulen und Kindergärten“, berichtet Uwe Höpker, der fortan neben Berge auch für Bippen zuständig war. Völlig ungewohnt sei das freundliche Entgegenkommen der Bürger gewesen, vor allem auch die Normalität, mit der ihm die Kinder begegnet seien. „Niemand beleidigte oder bedrohte mich hier, weil ich Polizeibeamter war“, so Uwe Höpker. Das sollte in den folgenden 30 Jahren so bleiben. Nur zwei kleinere Auseinandersetzungen habe es in der gesamten Zeit gegeben. Einmal sei er zum damaligen Citygrill in Berge gerufen worden, weil dort ein Mann randaliert habe. Er sei betrunken gewesen, so habe er ihn kurzerhand an die frische Luft gesetzt. Damit sei die Sache erledigt gewesen – ohne Anzeige, ohne Schreibkram.

Heikler sei ein Einsatz in Bippen gewesen. Da sei er als Gast beim Schützenfest von einem Mann angesprochen worden, den er zuvor wegen einiger Prügeleien vernommen habe. Er sei froh, Uwe Höpker zu treffen, jetzt könne er ihn zusammenschlagen. Nach einigen ernsten Worten, nonverbal unterstützt von der veritablen Größe des Polizeibeamten, war auch diese Sache schnell einvernehmlich geregelt.

Gern denkt Uwe Höpker unterdessen an einen seiner ersten Einsätze in Grafeld zurück. 1985 war das. Da begleitete er einen Martinsumzug. Und wie die gastfreundlichen Grafelder so sind, boten sie ihrem Polizisten auch ein Schnäpschen an. Uwe Höpker lehnte ab. Dienst sei Dienst, Schnaps sei Schnaps. Die Grafelder ließen jedoch nicht locker. Als dann sein Dienst tatsächlich beendet gewesen sei, habe er keine Ausrede mehr gehabt. Den weiteren Verlauf des Abends beschreibt Uwe Höpker so: „Es endete damit, dass ich irgendwann in der Nacht von der Feuerwehr mehr liegend als stehend nach Hause gebracht werden musste.“ Seither komme er mit den Grafeldern aber gut klar.

In dreieinhalb Jahren möchte Uwe Höpker nun in den Ruhestand gehen und sich dem Reisen noch stärker als bisher zuwenden. Wie es dann mit der Polizeistation weitergeht? Eine gute Frage. So viel ist klar: Die Gemeinde wird viele Hebel in Bewegung setzen müssen, um sie in Zeiten des Personaleinsparens erhalten zu können.


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