Nach Unfall beim Baumfällen Ofenhändler aus Fürstenau gewinnt vor Gericht

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Vor dem Sozialgericht Osnabrück bekam jetzt ein Ofenhändler aus Fürstenau recht. Symbolfoto: dpaVor dem Sozialgericht Osnabrück bekam jetzt ein Ofenhändler aus Fürstenau recht. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Nachdem ein Ofenhändler aus Fürstenau (Nordkreis) beim Baumfällen während der Arbeitszeit von einer Eiche getroffen wurde, wollte die Berufsgenossenschaft des Mannes seine Behandlungskosten nicht übernehmen. Am Ende einer Verhandlung vor dem Osnabrücker Sozialgericht musste die Berufsgenossenschaft nun zurückrudern.

Das Unglück geschah im Februar 2012. Mit zwei Mitarbeitern seines Kamin- und Ofenhandels war der Ofenhändler in eine Wallhecke seines Bruders gegangen, um dort Bäume zu fällen. Kurz nach Beginn der Arbeiten beschlich einen der beiden Mitarbeiter ein komisches Gefühl: „Ich sah den Chef nicht mehr.“ Zusammen mit seinem Kollegen eilte der junge Mann zu seinem Vorgesetzten. Der lag schwer verletzt unter der Eiche, die er gerade gefällt hatte.

Mit einem Rettungshubschrauber des ADAC wurde der Mann anschließend ins Marienhospital geflogen. Nach einer zehnstündigen Operation lag er mehrere Wochen im künstlichen Koma. Noch heute, fast zwei Jahre nach dem Unfall, leidet der gelernte Kaufmann unter den Folgen des Unfalls. Zur Verhandlung vor dem Osnabrücker Sozialgericht erschien er mit Gehhilfen und einer externen metallenen Schiene an seinem Bein.

Dass der Ofenhändler nun als Kläger vor Gericht auftrat, hat folgenden Grund: Seine Berufsgenossenschaft hatte sich bislang geweigert, die Kosten seiner Heilbehandlung zu übernehmen. Nach Meinung der Berufsgenossenschaft hatte der gelernte Kaufmann im Februar 2012 nur für den Ofen in seinem Wohnhaus Bäume fällen wollen. Der Kläger hielt dagegen, das Holz sei für die Öfen in seiner Verkaufsausstellung gewesen.

Bezahlt hat die Heilbehandlung kurioserweise eine andere Berufsgenossenschaft – und zwar die des Bruders des Klägers. Der Landwirt hatte den Unfall sofort bei der für ihn zuständigen Berufsgenossenschaft gemeldet. „Die Holzfällarbeiten haben ja auf meiner Fläche stattgefunden.“

Laut dem Ofenhändler liegen seine Heilbehandlungskosten mittlerweile in einer Höhe von rund 250000 Euro. Warum die Berufsgenossenschaft seines Bruders weiterhin für ihn zahlt, wisse er nicht. „Aber zum Glück tut sie es, sonst wäre sein Geschäft längst am Ende“, sagte der Rechtsanwalt des Klägers.

Vor dem Sozialgericht sollte nun aber die Frage geklärt werden, ob nicht die Berufsgenossenschaft des Ofenhändlers für die Heilbehandlung aufkommen muss. Die Vorsitzende Richterin befragte den Kläger zu den Umständen des Unfalls und merkte sichtbar auf, als der Mann sagte, sein privater Ofen und die Öfen in seiner betrieblichen Ausstellungshalle würden Holzscheite unterschiedlicher Größe benötigen. „Das Holz für den Betrieb muss viel kleiner geschnitten werden.“ Dementsprechend habe er auch seine Mitarbeiter angewiesen, das Holz in passender Größe für die Öfen in der betrieblichen Ausstellungshalle zuzuschneiden. Die Vorsitzende Richterin wertete allein diese Aussage als deutlichen Beleg dafür, dass der Ofenhändler am Unfalltag für betriebliche Zwecke Holz geschlagen hatte. Für das Protokoll diktierte sie: „Der Kläger hat spontan und ohne gezielte Nachfrage berichtet, dass die Holzscheite nicht für den privaten Gebrauch geeignet sind.“ Als anschließend auch die Mitarbeiter des Ofenhändlers aussagten, sie hätten das Holz für die Ausstellungs-Öfen schlagen wollen, war die Sache für die Vorsitzende entschieden.

„Wir haben fast immer Fälle, in denen vieles unklar ist. Hier ist aber eigentlich alles klar.“ Ein Urteil musste das Gericht nicht mehr sprechen. Die Vertreterin der Berufsgenossenschaft des Klägers erklärte, den Widerspruchsbescheid gegen die Übernahme seiner Heilbehandlungskosten aufzuheben.


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