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Ein Mann, ein Unternehmen, viele Ideen

Von "maßgeschneiderten Lösungen", um Kunden zu begeistern, sprach Franz-Josef Meurer gern. Die Philosophie, die dahintersteht, machte es möglich, dass aus kleinsten Anfängen heraus ein 500-Mitarbeiter-Betrieb mit engagierten Fachleuten entstand, der selbst in der Inneren Mongolei Klang hat. Der Firmengründer ist im vergangenen Monat gestorben, seine Philosophie lebt aber weiter - in der ganzen Welt und den Köpfen seiner Mitarbeiter.

Die Verpackung - das ist nicht nur das Geschäft eines Christo aus Bulgarien, das ist vor allem das Geschäft von Meurer aus Deutschland. Fast alles, was in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie Rang und Namen hat, kommt gern nach Fürstenau, um sich jene "maßgeschneiderten Lösungen" von Meurer-Ingenieuren kreieren zu lassen. Aber auch die Kosmetikbranche oder die Papier verarbeitende Industrie setzen auf Meurer-Fachwissen bei Verpackungs-, Palettier- und Fördersystemen.

Es sieht für einen außenstehenden Betrachter simpel aus, wenn in den Werkhallen des Unternehmens zu Testzwecken Ketchup-Flaschen über Förderbänder laufen, innerhalb von Sekunden wie von "magischer Hand" in Kartons verpackt ihren weiteren Weg antreten. Dahinter steckt jedoch eine ausgeklügelte Elektro- und Steuerungstechnik, an der heute mehr als 120 Fachleute in Fürstenau viele Stunden tüfteln - Robotertechnik, Bustechnologie, Servo-Antrieb. Ohne den Gründergeist von Franz-Josef Meurer, der 1943 in Stolberg bei Aachen geboren wurde, in Fürstenau aufwuchs und nach dem Studium des Maschinenbaus mit einigen wenigen Mitarbeitern startete, wäre das nicht denkbar gewesen.

Das Unternehmen hat es inzwischen weit gebracht. Zum Beispiel bis nach China. Ein nicht alltäglicher Kunde in jüngster Zeit war die "Inner Mongolia Mengniu Dairy Industrie Group" - eine der größten Molkereien des Landes. Zwölf Verpackungslinien hat Meurer in der Inneren Mongolei aufgebaut. Zwölf mal 12000 Packungen können dort pro Stunde vom Band laufen. Gefüllt werden sie von tausenden Kühen, die auf den Mengniu-Farmen stehen.

Die Technik zu liefern war das eine, sie präsentabel aufzubauen das andere. Die Chinesen liebten nämlich den großen Auftritt, erzählen Verkaufsleiter Ludger Richter und Projektleiter Alois Wilde. Deshalb war es Pflicht, dass die verpackten Milchpackungen an einer Besucherplattform vorbeilaufen, schließlich soll alle Welt sehen, wie modern China inzwischen ist. Und überhaupt: Die Kundschaft dort ist anspruchsvoll. Sie könne nicht einfach mit einem "Sack E-Mails" abgespeist werden, Präsenz vor Ort sei zwingend notwendig, egal wie weit die Wege seien, sagt Alois Wilde. Nur so könnten über alle Mentalitätsunterschiede hinweg Gemeinsamkeiten aufgebaut werden.

Und natürlich schmückt sich eine Firma wie Mengniu, die innerhalb von sieben Jahren von einer kleinen regionalen Molkerei zu einem Wirtschaftsriesen aufgestiegen ist, auch gern mit ihren Kontakten zur "westlichen Wirtschaft". Als das chinesische TV einen Film im Unternehmen drehte, sollten die Meurer-Mitarbeiter unbedingt mit aufs Bild. "Das war denen mehr als wichtig", erzählt Alois Wilde.

Das sind die Auftraggeber in China. Meurer liefert seine Technologie aber auch in arabische Länder, in die USA, in viele Länder Europas. Da die Projekte in der Regel von einigen Mitarbeitern vor Ort begleitet werden - bei Mengniu beispielsweise ist ein Kollege mindestens ein halbes Jahr vor Ort - ist das Fürstenauer Unternehmen für junge Fachkräfte gleichsam ein Tor zur Welt. Sie können Lebenserfahrungen machen, die sie auch beruflich weiterbringen.

Doch trotz aller Weltläufigkeit des Unternehmens - Franz-Josef Meurer hat stets auf Arbeitskräfte aus der Region gesetzt, wegen der Heimatverbundenheit, wegen der Verlässlichkeit, wegen der Kontinuität. Denn trotz allen Wachstums ist Meurer immer das geblieben, was es 1969 schon war - ein Familienunternehmen, bei dem Franz-Josef Meurer für Elan und technisches Wissen stand und Christel Meurer nach wie vor die kaufmännische Verantwortung trägt und im Sinne ihres Mannes das Unternehmen weiterführt. In nicht allzu ferner Zukunft wird nun Thomas Meurer in die Fußstapfen seiner Eltern treten und weiterhin die Kunden mit "maßgeschneiderten Lösungen" begeistern. Dazu sind auch zukünftig kreative Mitarbeiter und wissbegierige Auszubildende notwendig.


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