"Probeliegen" im Sarg inklusive Konfirmanden gucken Fürstenauer Bestattern über die Schulter

Von Maria Kohrmann-Unfeld

Über Urnen, Sargmoden und Bestattungsrituale informierten sich die Konfirmanden bei "Heeger und Wübbel". Foto: Maria Kohrmann-UnfeldÜber Urnen, Sargmoden und Bestattungsrituale informierten sich die Konfirmanden bei "Heeger und Wübbel". Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Fürstenau. 13 Konfirmanden haben sich zusammen mit Pastorin Anke Kusche und Laura Hochlow auf den Weg zu „Wübbel und Heeger“ gemacht, dem Bestattungsunternehmen an der St. Georg-Straße in Fürstenau. Die Gruppe wollte sich über das Arbeitsfeld der beiden Inhaber Reinhard Wübbel und Josef Heeger informieren.

Im Konfirmandenunterricht setzen sich die Jugendlichen zurzeit mit dem Thema Tod, Sterben, Trauer und Auferstehung auseinander. Seit vielen Jahren gewähren die beiden Bestatter den Konfirmanden, aber auch anderen interessierten Personen, Vereinen und Verbänden einen umfassenden Einblick sowohl in ihre inhaltliche Arbeit als auch in die Ausstellungsräume.

Reinhard Wübbel ist gelernter Landwirt. Er trat in die Fußstpapfen seines Vaters und kümmerte sich über Jahrzehnte um den Transport und die Überführung von Verstorbenen. Josef Heeger hat die Tischlerei seines Vaters übernommen, zu dessen Aufgaben traditionell auch das Bauen von Särgen gehörte. Vor neun Jahren gründeten sie das Bestattungsunternehmen „Wübbel & Heeger“ und haben seither viel erlebt. „Im Umgang mit den Angehörigen braucht man viel Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis“, verrieten sie. Sie arbeiten konfessionsübergreifend, kennen sich mit den unterschiedlichen Bestattungskulturen aus. Häufig seien die Angehörigen eines Verstorbenen mit der Situation überfordert. „Wir beruhigen die Menschen zunächst und nehmen ihnen Arbeit ab, organisieren das Begräbnis vom Kartendruck über Trauerredner bis zum Beerdigungskaffee, falls es gewünscht wird.“ Auch das Überführen eines Verstorbenen aus dem Ausland gehört zum Service, ebenso wie die Sichtung von Versicherungsunterlagen.

„Die Urnen müssen biologisch abbaubar sein und sich innerhalb von 20 Jahren zersetzen.“Josef Heeger

Nach der Begrüßung machten sich die Konfirmanden mit dem Anblick von Grabsteinen, Lampen, Grabschmuck und Urnen vertraut. An einem Begräbnis hatten alle schon teilgenommen. Von der Existenz des Bestattungsunternehmens in unmittelbarer Nähe „ihrer“ Kirche wussten viele noch nichts. Josef Heeger zeigte ihnen ein Regal mit unterschiedlichsten Zierurnen. „Die Urnen müssen biologisch abbaubar sein und sich innerhalb von 20 Jahren zersetzen“, erklärt er. Eine Seebestattungsurne besteht zum Beispiel aus gepresstem Salz und löst sich sehr schnell im Wasser auf. Im Friedwald sind nur Biournen zulässig. Aber auch Kupfer-, Stahl- und Porzellanurnen werden innerhalb von 20 Jahren abgebaut. „Ein Fußballfan kann auch eine Urne oder einen Sarg mit dem Logo seines Vereins bekommen“, erfuhren die erstaunten Konfirmanden.

Wer bezahlt eine Beisetzung?

Dann durfte jeder einmal eine Urne mit der Asche eines verstorbenen Menschen in die Hand nehmen, die immerhin ein Gewicht von viereinhalb bis sieben Kilo haben kann. Reinhard Wübbel beschrieb die Registrierung der persönlichen Daten des Verstorbenen und das Prozedere im Krematorium. Laut Bestattungsverordnung muss die Erdbestattung oder die Einäscherung innerhalb von fünf Tagen nach dem Versterben erfolgen. Viele Fragen stellten die Jugendlichen, die von den Bestattern ausführlich beantwortet wurden, wie zum Beispiel die Frage nach den Kosten und nach der Finanzierung, wenn diese nicht von den Angehörigen getragen werden können. In diesem Fall kann ein Antrag bei der Kommune gestellt werden. „Auch die Kirche unterstützt die Familie“, gab Anke Kusche Auskunft. Hinter einem Vorhang verbargen sich einfache und hochwertige Särge in verschiedenen Formen und Holzarten. „Wie bei Möbelstücken gibt es auch hier Modetrends“, erfuhren die Konfirmanden.

„Man sollte sich beizeiten mit dem eigenen Tod auseinandersetzen und seine Wünsche den Angehörigen mitteilen.“Reinhard Wübbel und Josef Heeger

Jeder Sarg wird mit einer Matratze ausgestattet sowie mit Kissen und Decken mit und ohne christliche Motive oder mit Blümchenmuster. Letzte Beigaben von den Angehörigen sind möglich in Form von Bildern oder anderen Dingen, die dem Verstorbenen wichtig waren. „Je mehr man als Angehöriger mitwirken kann, desto leichter wird die Trauerarbeit.“ Darüber sind sich sowohl die Pastorin also auch die Bestatter einig.

Im Raum nebenan steht ein Sarg zum „Probeliegen“ bereit. Die Konfirmanden hatten keinerlei Berührungsängste. Spontan legten sich einige von ihnen hinein. „Angenehm, gemütlich, schön weich“, stellten sie erstaunt fest. „Man sollte sich beizeiten mit dem eigenen Tod auseinandersetzen und seine Wünsche den Angehörigen mitteilen“, empfahlen die Bestatter.

Weiter ging es durch einen Raum, angefüllt mit Dekomaterialien wie Kerzen, Blumen, Engeln und vielem mehr. „Unsere Ehefrauen sind für die Ausgestaltung der jeweiligen Friedhofskapelle oder Kirche zuständig“, gaben die Bestatter Auskunft.

Besichtigungen auf Anfrage möglich

Regelmäßige Arbeitszeiten gibt es bei Wübbel & Heeger nicht. Die Bestatter sind 24 Stunden an sieben Wochentagen telefonisch erreichbar, auch und vor allem bei tödlichen Unfällen oder dem Verdacht eines unnatürlichen Todes. Mitunter muss auch mal ein Streit zwischen den Angehörigen geschlichtet werden. „Besonders schlimm ist es, wenn ein Kind betroffen ist“, berichteten beide. Sie zeigten den Konfirmanden einen kleinen weißen Kindersarg und beschrieben den sensiblen Umgang mit den „Sternenkindern“. Und doch macht ihnen ihre Arbeit Freude. „Es ist ein interessanter Beruf“, sagen sie. Die Menschen seien immer sehr dankbar für ihre Hilfe. Gerne sind Reinhard Wübbel und Josef Heeger bereit, interessierten Menschen oder auch Gruppen ihre Einrichtung auf Nachfrage vorzustellen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN