Warum die Awo so wichtig ist Nordkreistreffen der Arbeiterwohlfahrt in Berge

Von Jürgen Schwietert

Auch sie hatte ihren Auftritt beim AWO-Nordkreistreffen:  Maria Kohrmann-Unfeld als Bendine Ziepelding. Foto: Jürgen SchwietertAuch sie hatte ihren Auftritt beim AWO-Nordkreistreffen: Maria Kohrmann-Unfeld als Bendine Ziepelding. Foto: Jürgen Schwietert

Berge. Zu den Höhepunkten im Veranstaltungsreigen der Ortsvereine der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gehört das jährlich an wechselnden Orten stattfindende Nordkreistreffen. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr das Referat zur hundertjährigen Geschichte der Awo, gehalten vom Osnabrücker Präsidiumsvorsitzenden Wolfgang Kirchner. Er machte die Wichtigkeit der Awo-Arbeit deutlich.

In der Gaststätte Schohaus in Berge kamen Awo-Mitglieder aus Menslage mit Dieter Engebrecht, aus Bippen mit Anita Thole und aus Berge mit Claudia Plagge an der Spitze zu einem gemütlichen und informativen Nachmittag zusammen. Die Vorsitzende der Awo Berge, Claudia Plagge, hieß besonders Wolfgang Kirchner und Bürgermeister Volker Brandt willkommen. Sie freute sich über den guten Besuch der Veranstaltung. Nach Kuchen und Schnittchen ging Wolfgang Kirchner auf die Gründungsphase der Awo vor hundert Jahren ein. Der Vorsitzende des Präsidiums der Awo-Region Osnabrück (Kreisverbände Osnabrück Stadt und Osanbrück Land) stellte zunächst die neue Struktur auf Kreisebene vor. Neben dem ehrenamtlich tätigen Präsidium gebe es einen Vorstand, der aus den Geschäftsführern Annegret Brockfeld und Martin Fromme bestehe. 

Dieses stärke die Struktur der Awo im Osnabrücker Land. Die Awo sei nicht nur ein Verband mit 1400 Mitgliedern im Bereich Osnabrück, sondern sei auch als Träger zahlreicher Einrichtungen von Kindergärten bis hin zu Seniorenwohnungen ein soziales Unternehmen. Hier werden etwa 400 Mitarbeiter beschäftigt und 14 Millionen Euro umgesetzt.

Am 13. Dezember 1919 von Marie Juchacz gegründet

Sodann ging er auf die Gründung der Awo am 13. Dezember 1919 durch Marie Juchacz ein. Sie war sozialdemokratische Abgeordnete im Reichstag. Sie war die erste Frau, die im frei gewählten Reichstag gesprochen hat. Sie bekam den Auftrag vom Parteivorstand, einen Wohlfahrtsverband zu gründen, zunächst als Hauptausschuss der SPD. Juchacz kam aus ärmlichen Verhältnissen aus Landsberg am Lech.

Ihr Wissen eignete sie sich im Selbststudium mit Unterstützung ihres Vaters an. Sie heiratete, wurde aber von ihrem Mann nicht gut behandelt; ließ sich scheiden und zog mit ihren beiden Kindern und der Schwester nach Berlin, um sich unter anderem für die Belange der Frauen zu engagieren. Nach der Gründung breitete sich die Awo recht schnell aus. In der Region Weser/Ems wurde die Awo 1920/21 ins Leben gerufen, gefördert von Elisabeth Frerichs aus Wilhelmshaven.

In Bissendorf besonders stark verankert

„Eine der ersten Einrichtungen, die es auch heute noch gibt, ist ein Kinderheim in Bissendorf (Werscherberg). Dadurch ist die Awo in Bissendorf sehr stark verankert“, sagte Wolfgang Kirchner. Der Bramscher ging weiterhin auf das Schicksal der Awo zu den Zeiten des Nationalsozialismus ein. Sie wurde 1933 zwangsaufgelöst und unmittelbar nach Ende der Nazizeit im Bereich der Bundesrepublik wieder ins Leben gerufen. Im Bereich der DDR gab es die Awo nicht mehr. Ab 1959 habe sich die Awo breit aufgestellt und eine Vielfalt von Einrichtungen ins Leben gerufen, so Kirchner. 

Er erinnerte an Lotte Lemke, die lange Jahre Bundesvorsitzende der Awo war. Im geselligen Teil trat Maria Kohrmann-Unfeld alias Bendine Ziepelding auf. Mit ihren Erlebnissen aus der Landwirtschaft und so nebenbei dem Kinder kriegen, ihren Berichten von Arztbesuchen hatte sie die Lacher schnell auf ihrer Seite. Der gelungene Nachmittag ging mit einem weiteren Auftritt von Bendine Ziepelding und in lockerer Gesprächsrunde viel zu schnell zu Ende.   


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