Zu wenig Männerstimmen Der evangelische Kirchenchor Berge hat nach 85 Jahren Abschied genommen

Von Maria Kohrmann-Unfeld

Ein letztes Gruppenbild: Der evangelisch-lutherische Kirchenchor Berge hat sich in seiner jetzigen Form aufgelöst. Foto: Maria Kohrmann-UnfeldEin letztes Gruppenbild: Der evangelisch-lutherische Kirchenchor Berge hat sich in seiner jetzigen Form aufgelöst. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Berge. In einem Gottesdienst voller Musik hat sich der evangelisch-lutherische Kirchenchor Berge nach 85 Jahren verabschiedet. Viele Menschen waren in die Lutherkirche gekommen, um ein letztes Mal den vierstimmigen Chor unter der Leitung von Tatjana Troffmann zu hören. Die Orgelbegleitung übernahm Ilona Aumann.

„Wir wollen heute einen fröhlichen Gottesdienst feiern, obwohl der Anlass nicht so fröhlich ist“, so Pastorin Katrin Seelenbinder in ihrer Begrüßung. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters und des fehlenden Nachwuchses bei den Männerstimmen habe sich der Chor schweren Herzens entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen.

Die Chormitglieder werden sich weiterhin jeweils am zweiten Montag im Monat um 20 Uhr im Gemeindehaus zum Singen treffen. Im Mittelpunkt stehen dann nicht mehr klassische Kirchenlieder sondern auch weltliche Titel. „Wir hoffen, dass dann auch jüngere Sänger zu unserem Singkreis kommen“, so Petra Schimnick.

Dank für ehrenamtliches Engagement

Im Namen der Kirchengemeinde bedankte sich der Vorsitzende des Kirchenvorstandes Bernd Diekherbers bei allen Chormitgliedern, insbesondere bei der Chorleiterin Tatjana Troffmann, der Liedermutter Elke Zimmermann und dem Liedervater Hans Neithardt Hansch mit Blumen für deren langjährigen ehrenamtlichen Einsatz. „Kirchenmusik ist das Fundament kulturellen kirchlichen Lebens. Für den entstehenden Singkreis wünschen wir gutes Gelingen und viele Teilnehmer“, so Bernd Diekherbers.

Besondere Ehrungen in Form von Urkunden erhielten die Chorleiterin Tatjana Troffmann, die dem Chor seit 15 Jahren „mit großem Humor und viel Freude“ die Treue hielt, sowie die Küsterin Zita Führer für die gute Zusammenarbeit.

Ein Reim kommt selten allein

Im Wechsel mit der Gemeinde sang der Chor unter anderem das Lied „Wunderbarer König“ von Joachim Neander sowie das Halleluja im Kanon. Passend zum musikalischen Thema des Gottesdienstes trug Lektorin Karin Spree die Lesung aus dem Alten Testament in humoriger Reimform vor, wobei es um die Heilung des psychisch kranken Königs Saul ging, der durch Davids Harfenspiel geheilt wurde.

 In ihrer Ansprache ging Pastorin Seelenbinder auf das „Joshua Bell-Experiment“ ein. Der berühmte Violinist spielte als Straßenmusikant verkleidet in einer Washingtoner U-Bahn-Station. Dabei ging es um die Frage: Nehmen Menschen Schönheit auch in einem ganz alltäglichen Umfeld wahr?

Noch einmal zurückgeblickt

Nach dem Gottesdienst lud Liedervater Hans-Neithardt Hansch zu einem Beisammensein. Dabei erinnerte er an die Geschichte des Chores, den Pastorenehepaar Elisabeth und Robert Rautenberg 1934 gegründet hatten. Chorleiter waren Walter Schwertfeger, Gustav Adolf Mielke, Paul Schwertfeger, Fritz Bischoff, Anne Gärdes-Falk, Wolfgang Schmitt, Dietrich Anacker, Henning Rollwage, Irmgard Rieke und seit 2004 Tatjana Trottmann.

Zm Abschluss appelierte der Liedervater an die Gemeinde, die Kirchenmusik nicht aufzugeben: „Heute soll ein Aufbruch sein und kein Abschied.“


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