Gesprächsabend im Museum Meyer Haus Landarzt aus Berge plaudert über Bildung, Bürokratie und Zweitnamen

Von Jürgen Schwietert

Plauderten über Bildung, Bürokratie und Zweitnamen: Mediziner Heiko Michael Köster (von links),Renate Schillingmann, stellvertretende Museumsbeauftragte im Heimatverein Berge, und Moderator Christoph Otten. Foto: Jürgen SchwietertPlauderten über Bildung, Bürokratie und Zweitnamen: Mediziner Heiko Michael Köster (von links),Renate Schillingmann, stellvertretende Museumsbeauftragte im Heimatverein Berge, und Moderator Christoph Otten. Foto: Jürgen Schwietert

Berge. Die Gesprächsabende mit Personen aus dem öffentlichen Leben in Berge im Museum Meyer Haus werden immer zu einem Erlebnis. In humorvoller Weise spricht Christoph Otten mit seinen Gästen. Jetzt war der Landarzt Heiko Michael Köster zu Gast.

„So ein Doktor im Dorf, der ist schon eine wichtige Persönlichkeit: Er engagiert sich für das Dorf, besonders für die Kinder. Wer steckt eigentlich dahinter?“, begann der Moderator die Fragerunde. Hier ein paar Antworten: Familie Köster hat vier Kinder, zwei Jungs mit Doppelnamen wie der Vater und zwei Mädchen mit nur einem Namen wie die Mutter, erforschte Otten. Und auch das Geburtsdatum ist für Heiko Köster ein besonderer Tag, denn seinerzeit hatte er am Geburtstag immer frei. Es war der in mehreren Bundesländern gesetzliche Feiertag Allerheiligen. Kösters Weg zum Landarzt in Berge, nunmehr schon seit zehn Jahren hier, führte über eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, den Beruf des Vaters. Mediziner war aber nicht erste Priorität. Er wollte Ornithologe werden, kannte alle lateinischen Knochennamen der Vögel. Dieses zerschlug sich ebenso wie die zweite Präferenz, Förster, Berufswunsch nach einem Praktikum im Vreden bei Bad Iburg.

„Bildung ist das größte Gut, welches wir haben.“Heiko Köster

Mit einem kleinen Spiel lockte Otten weitere Informationen aus dem Gast des Abends. Er durfte Buchstaben ziehen. Er zog das N, assoziierte es mit Norddeutschland, wo er sich inzwischen auch aufgrund der Mentalität der Bewohner sehr wohl fühlt. Er zog das das T und machte deutlich, dass ihm die Theolgie und der Glauben sehr wichtig seien.

Und er zog das B und verband es – mit Berge? Nein, oder: nicht nur, mehr mit Bildung. „Bildung ist das größte Gut, welches wir haben“, betonte Heiko Köster. Er forderte, massiv in Bildung zu investieren. Nicht in Dressur auf gute Noten, sondern in Allgemeinbildung zur Lebensbewältigung in allen Lagen. „Kinder, die bei ihrer Bildung unterstützt werden, können alles erreichen“, so der Landarzt. Und auch das Wissen der Generation mit langer Lebenserfahrung gelte es zu erhalten, denn Lebenserfahrung sei ein hervorragender Lehrmeister.

„Die Kinder des Dorfes kommen zurück, wenn sie ein Heimatgefühl haben.“Heiko Köster

Ein weiteres Thema war die Arbeit und das Aufgabenfeld eines Landarztes; die Problematik Landarztpraxen auf Dauer zu sichern. Hier seien die überbordende Dokumentationspflicht und die Bürokratie ein großes Hemmnis. Er machte deutlich, dass Medizinstudenten aus dem Dorf angesprochen werden müssten, die örtlichen Landarztpraxen zu übernehmen. „Die Kinder des Dorfes kommen zurück, wenn sie ein Heimatgefühl haben“, betonte er.  


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