Großer Dozenten-Pool Vom Rollstuhlbasketball bis zum Mikroskopieren: Kinderuni in Berge

Von Maria Kohrmann-Unfeld

Marco Kötter und Tobias Hermes von den „Frerener Falcons“ stellten den Teilnehmern der Kinderuni in Berge Rollstuhlbasketball vor. Fotos: Maria Kohrmann-UnfeldMarco Kötter und Tobias Hermes von den „Frerener Falcons“ stellten den Teilnehmern der Kinderuni in Berge Rollstuhlbasketball vor. Fotos: Maria Kohrmann-Unfeld

Berge. Am letzten Ferienwochenende war es wieder so weit: Für einen Tag verwandelte sich die Oberschule Berge in eine Universität. 60 Kinder bis zum sechsten Schuljahr aus Berge und den umliegenden Gemeinden hatten sich für Vorlesungen und Workshops eingeschrieben.

Seit neun Jahren wird die Kinderuni Berge vom Verein Kinderwerkstattwissen in Kooperation mit der Kolpingsfamilie Berge und der katholischen Kirchengemeinde St. Servatius Berge veranstaltet. „Wir sind im ganzen Umkreis die einzige Kinderuni, die auch nach neun Jahren mit den Vorlesungen und Workshop-Angeboten einen ganzen Tag füllen kann“, erklärt Heiko Köster, Vorsitzender des Vereins. Und Oliver Becker, der zweite Vorsitzende, ergänzt: „Wir haben einen Dozenten-Pool von 50 ehrenamtlichen Leuten, die mit Engagement und viel Freude dabei sind.“  

Ziel des Vereins ist es, Kindern auf spielerische, dem Alter entsprechende Art eine neue, zusätzliche Möglichkeit zu erschließen, ohne Leistungsdruck Wissen zu erfahren.

Über eine Kleinbahn in Berge

Um 9.15 Uhr wurden die Mini-Studenten vom Dekan Heiko Köster begrüßt. Dann ging es gleich los mit den Vorlesungen. Sigrid Lömker ging auf das Thema „Essen und Trinken mit allen Sinnen“ ein – Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen. Neben einem Hör-Memory, Geruchsproben und dem blinden Ertasten von unterschiedlichen Gemüsesorten testeten die Kinder die unterschiedlichen Geschmackszonen der Zunge.

Anhand von anschaulichen Modellen brachte Ingo Hollermann den Kindern die Kleinbahn näher, die von 1904 bis 1952 von Quakenbrück über Berge nach Lingen fuhr und unter anderem Holz und Tuchwaren transportierte, die in Berge produziert wurden. Eine Petroleumlampe, mit der die Bahn beleuchtet wurde, ging von Hand zu Hand. Die Nachwuchswissenschaftler erfuhren, dass es heute nur noch zwei Kleinbahnen gibt, und zwar den Rasenden Roland auf Rügen und die Harzer Kleinspurbahn.

Anhand von anschaulichen Modellen brachte Ingo Hollermann den Kindern die Kleinbahn näher. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Wilhelm Hülshoff zeigte mit verblüffenden Experimenten, wie vielfältig das Tätigkeitsfeld eines Apothekers ist. Die Entstehung von Wasserdampf auf dem Meer war ebenso Thema wie die schwimmenden Eiskugeln.

Was passiert in einem Gefängnis? – Diese Frage erörterten die wissbegierigen Studenten mit den Beamten der Justizvollzugsanstalt Lingen. Stefan Herrmann und Stefan Mehmann hatten Anschauungsobjekte wie Schutzkleidung sowie Reizsprühgeräte, Einsatzmehrzweckstöcke und Fesselungsgeräte mitgebracht.

Christiane Achelwilm vom Lernstandort Grafeld/Börstel nahm die Kinder mit auf einen Ausflug in die nähere Umgebung, um die Welt mit aufmerksamen Augen zu erforschen. Ihre gesammelten Schätze – wie etwa Kastanien, Eicheln, Nüsse und Pilze – wurden anschließend genau untersucht. Dabei fanden die kleinen Forscher unter anderem heraus, dass zerkleinerte Kastanien durch Schütteln mit Wasser Saponine freisetzen, die einen seifenartigen Schaum ergeben, der sich zum Waschen eignet.

Hinterglasmalerei gelernt

Uwe Demmer lockte die Schüler mit seinem Falken Joe auf den Schulhof, um ihnen Einblicke in die Arbeit mit dem Greifvogel, einem Harris Hawk, zu vermitteln. Auch die Jagd mit Greifvögeln wurde thematisierit.

 Bei Erich Huesmann drehte sich alles um das Element Luft. Mit interessanten Experimenten zeigte er den verblüfften Schülern, wie man einen Tennisball in der Luft schweben lassen kann.

In der Sporthalle wurden die Studenten von Marco Kötter und Tobias Hermes von den „Frerener Falcons“ erwartet, die ihnen die Sparte Rollstuhlbasketball vorstellten. Sie hatten für alle Teilnehmer Rollstühle mitgebracht. Nach einer kurzen Einführung hieß es schon „Auf die Pätze, fertig, los“. Mit vollem Körpereinsatz waren die Schüler bei der Sache.

Bei Dagmar Schwager erlernten die Mädchen und Jungen die Technik der Hinterglasmalerei. Mithilfe von Schablonen entstanden hübsche Kunstwerke Durch das Auftragen der Acrylfarbe in Schichten wurden Tiger, Elefanten, Hunde oder Fledermäuse plastisch herausgearbeitet.

Wunderwelten

Bei Thomas Kaschuba hieß es „Mikroskopie – Weltwunder im Kleinen“. Dabei wurden Zucker, Sand, Komposterde, Wasser und Grasschnitt genau unter die Linse genommen und Kleinstlebewesen und Teilchen entdeckt. Im Seminar Robotik beschäftigten sich die Studenten mit dem Bau und der Funktion von Robotern und bauten unter Anleitung von Daniela Heskamp einen Roboter, ausgestattet mit Sensoren, den sie per Laptop selbst programmierten.

Thomas Kaschuba gewährt Einblicke in den Mikrokosmos. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Eine Außenstelle der Kinderuni bildete die Zimmerei Brunneke in Berge. Während eines Rundgangs durch das fast 300 Jahre alte Doppelheuerhaus, das Zimmermeister Uwe Brunneke in mühevoller Arbeit renovierte und restaurierte, erklärte er den Kindern alles Wissenswerte über Fachwerkhäuser und über das Heuerlingswesen. Anschließend ging es an die praktische Arbeit. So arbeitete eine Gruppe an der Giebelinschrift „Kinderuni Berge 2019“.

In der Zimmerei Brunneke ging es um das Handwerk. Die Teilnehmer der Kinderuni fertigten auch eine Giebelinschrift mit dem Titel "Kinderuni Berge 2019". Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Nachmittags nahmen die Kinder ein echtes Segelflugzeug in Augenschein und erfuhren von Henri Bittner, wie es möglich ist, dass so eine schwere Konstruktion überhaupt vom Boden abheben kann. Mit Thilo Schwager baute eine Gruppe aus einem Stück Holz, etwas Kupferdraht und einem Teelicht ein Knatterboot, das sogleich zu Wasser gelassen wurde. Frank Albutat informierte über die Aufgaben des Technischen Hilfswerks, die Einsatzorte und zeigte spannende Aufgaben auf. Kreativ wurden die jungen Teilnehmer beim Entwerfen von farbenfrohen Snapp-Armbändern von „Stoffkleks“. Die Firma Segler zeigte, was sich aus Blechen alles machen lässt.

Der Verein Kinderwerkstattwissen würde sich über finanzielle Unterstützung freuen: VR-Bank eG Osnabrücker Nordland; IBAN: DE 05 265 67 943 121 532 3000.


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