Udo Hafferkamps Erinnerungen Als im Nordkreis der Naturschutz nur wenig zählte

Der Erklärer: Udo Hafferkamp war immer wieder in Sachen Naturschutz unterwegs. Besonders lag ihm auch der Lernstandort Grafelder Moor/Börstel (Foto) am Herzen, für dessen Erhalt und Weiterentwicklung er sich immer wieder auch bei der Kommunalpolitik einsetzte. Archivfoto: Björn ThienenkampDer Erklärer: Udo Hafferkamp war immer wieder in Sachen Naturschutz unterwegs. Besonders lag ihm auch der Lernstandort Grafelder Moor/Börstel (Foto) am Herzen, für dessen Erhalt und Weiterentwicklung er sich immer wieder auch bei der Kommunalpolitik einsetzte. Archivfoto: Björn Thienenkamp
Björn Thienenkamp

Berge. Viele haben Udo Hafferkamp einst abwertend als "Moorvogt von Berge" bezeichnet, oft musste er sich für sein Naturschutz-Engagement rechtfertigen. Und einmal hat ihn ein Landwirt aus dem Nordkreis unter der Androhung, eine Flinte zu holen, vom Hof geschickt. Der inzwischen 82-jährige Berger ließ sich in den vergangenen Jahrzehnten davon nicht beirren. Die Gegenwart gibt ihm recht.

Bewahren, entwickeln, erklären. Das war das, was Udo Hafferkamp Zeit seines Lebens gemacht hat –als Heimatfreund in vielen Funktionen, als Grundschullehrer, als Beauftragter des Landkreises Osnabrück für Naturschutz und Landschaftspflege. Und das hat ihm – wie berichtet – im Juni eine besondere Auszeichnung des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land für sein Engagement in der Umweltbildung und im Naturschutz eingebracht und Jahre zuvor das niedersächsische Verdienstkreuz.

Zu recht: Vieles an Kultur und Natur wäre verloren gegangen. Das alte Fischer-Haus in Berge, das inzwischen als Heimathaus dient, die Lernstandorte im Nordkreis. Und auch das Moor. So verhinderte Udo Hafferkamp in Zusammenarbeit unter anderem mit dem Kreisheimatbund die Anlage einer Deponie für arsenhaltige Stoffe im Hahnenmoor bei Felsen. Heute undenkbar, damals allen Ernstes gewollt, und zwar ohne Rücksicht auf die Gefahr für die unterirdischen Grundwasserströme.

Kampf an vielen Naturschutzfronten

Auch hat Udo Hafferkamp einen wesentlichen Beitrag zur späteren Unterschutzstellung  des Hahnenmoores mit einer Größe von 620 Hektar geleistet. Von diesem Rückzugsraum profitieren heute viele Tierarten und Pflanzen. Überdies ging aus diesen Bemühungen die Gründung des Lernstandortes "Moor und seine Randbereiche" Grafeld/Börstel hervor.

Es war ein Kampf an vielen Naturschutzfronten. Auch die ersten Flurbereinigungen des Amtes für Agrarstruktur stellten bedenkliche Eingriffe in die Kulturlandschaft dar, wie sich Udo Hafferkamp erinnert. Zurückgeblieben seien nackte ausgeräumte Landschaften mit großen zusammenhängenden Flächen, die zudem gründlich entwässert worden seien. Schwerer zu bewirtschaftende Flächen mit Baumbestand und zudem zeitweise stark vernässt, hätten hingegen als Ödland gegolten, so Udo Hafferkamp. Solche Fläche wieder vermehrt zu schaffen, sei auch im Sinne des Artenschutzes wichtig. Nicht mehr zu retten seien hingegen die langen Baumreihen an beiden Seiten zu den Hofeinfahrten, die landschaftsprägend gewesen seien, aber in der Vergangenheit  immer wieder hätten weichen müssen, damit die landwirtschaftliche Fahrzeuge und Maschinen besser hätten rangieren können.

Ein-Meter-Streifen an Gewässern zu gering

Wie Udo Hafferkamp betont, sei es ihm nie darum gegangen, gegen die Landwirte zu arbeiten. Auch habe er sie nie denunziert. Ihm sei ein Miteinander wichtig gewesen, um gemeinsam den Kultur- und Naturraum in der Region zu erhalten. Alle müssten sich bewegen: die Naturschützer, die Landwirte und auch die Politik. Gerade sie habe die aktuelle Situation mit den zahlreichen Umweltproblematiken mit der Förderung der industriellen Landwirtschaft eingeleitet und begünstigt. Der Landwirtschaft selbst attestiert Udo Hafferkamp, dass sie heute  durchaus an Lösungen beispielsweise bei der Bodenbearbeitung, dem Anlegen von Blühstreifen  oder der Bewältigung der Güllemassen mitarbeiten wolle.

Mit großem Interesse verfolgt Udo Hafferkamp noch immer die Diskussionen rund um den Naturschutz im Osnabrücker Land wie beispielsweise die über die Randstreifen an Gewässern. Für ihn ist klar, dass lediglich ein Meter absolut nicht ausreichten, um Gewässer vor unerwünschten Einträgen zu schützen. Das im Landkreis darüber noch immer diskutiert werde, sei ihm unverständlich. Seinen Parteikollegen von der CDU könne er in dieser Frage nicht folgen. Schließlich sei auch der wirtschaftende Mensch ein Teil der Natur und von ihr abhängig. Deshalb müssten Umsicht und Nachhaltigkeit Priorität genießen.        


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