Vortrag von Carolin Goßen Eine Talentsucherin zu Gast beim Unternehmertag in Fürstenau

Von Ilek

Am 5. September findet bei der Richter Möbelwerkstätten der 10. Nordkreis-Unternehmenstag statt. Ab 19 Uhr sind dazu alle Unternehmer und Wirtschaftsvertreter eingeladen. Referentin des Abends ist Karriere- und Unternehmensberaterin Carolin Goßen von Talent.Mensch aus Aachen. Foto: Talent.MenschAm 5. September findet bei der Richter Möbelwerkstätten der 10. Nordkreis-Unternehmenstag statt. Ab 19 Uhr sind dazu alle Unternehmer und Wirtschaftsvertreter eingeladen. Referentin des Abends ist Karriere- und Unternehmensberaterin Carolin Goßen von Talent.Mensch aus Aachen. Foto: Talent.Mensch

Fürstenau. Am 5. September findet bei der Richter Möbelwerkstätten GmbH der 10. Nordkreis-Unternehmenstag statt. Ab 19 Uhr sind dazu alle Unternehmer und Wirtschaftsvertreter eingeladen. Referentin des Abends ist Karriere- und Unternehmensberaterin Carolin Goßen von Talent.Mensch aus Aachen. Ein Gespräch.

Frau Goßen, Ihr persönlicher Leitsatz lautet „begeistern kann wer begeistert ist“. Was können Unternehmen konkret tun, um für Begeisterung im eigenen Betrieb zu sorgen?

Die Grundlage dafür ist, die eigenen Mitarbeiter richtig kennen zu lernen. Stärken und Vorlieben zu erkennen oder auch die Produktivität im individuellen Tagesrhythmus richtig einzusetzen. Manchmal sind Mitarbeiter nicht mit der Aufgabe vertraut, für die sie ein Talent haben. Teams sind nicht effektiv zusammengesetzt, oder die Arbeitsstrukturen sind nicht flexibel genug. Oder aber es gibt atmosphärische Spannungen. Allein mangelnde oder falsch ausgedrückte Wertschätzung kann die Produktivität stark verringern. Alle diese Punkte lassen sich aber angehen. 

Das klingt nach einem hohen Aufwand für die Unternehmensleitung. Können sich das kleinere Betriebe überhaupt leisten?

Ich gehe immer erst einmal davon aus, dass alle Unternehmer sich zufriedene Mitarbeiter wünschen. Gerade in kleineren Unternehmen ist der Umgang meist familiärer. Viele Unternehmer wollen auch etwas dafür tun, nur wird es im Alltagsgeschäft oft und gerne auf später verschoben. Auf die lange Sicht ist das nicht gut für das Unternehmen. Der Fachkräftemangel bewegt die Unternehmen sehr, schauen Sie sich doch allein die Bewerbungszahlen von Auszubildenden an. Im Grunde kann ich aber sagen, dass es in kleinen Betrieben oft einfacher ist diese Projekte umzusetzen. Aufgrund der flacheren Hierarchien und der familiären Atmosphäre, sind die Kommunikationswege kürzer und die Implementierungsrate höher.

Sie sind als TV-Jobcoach bekannt geworden. Was beeindruckt Sie bei der Beratung junger Menschen zu ihren Berufswünschen am meisten? 

Im Kern geht es mir immer darum herauszufinden, für was sich jemand begeistern kann. Damit meine ich nicht, was jemand gut findet, sondern für was jemand förmlich brennt. Dafür muss man manchmal lange suchen und tiefgehende Gespräche führen. Es gibt immer wieder Menschen, bei denen das schwierig ist. Oft höre ich Sätze wie „Ein besonderes Talent habe ich keins“. Und da sage ich entschieden: Doch, und wir werden es finden! Und am Ende kann ich sagen, wir sind alle begeisterungsfähig! Übrigens ist das nicht nur bei jüngeren der Fall, der Großteil meiner Privatkunden sind die Altersklassen Mitte 30 bis Mitte 50.

Hat Karriereberatung also immer auch etwas mit einer Lebensberatung zu tun?

Auf jeden Fall. Arbeitsabläufe harken oft an zwischenmenschlichen Dingen. Wenn wir unser Gegenüber so nehmen wie er oder sie ist, dann lösen sich ganz viele vermeintliche Grenzen auf. Grundsätzlich ist eben jeder Mensch nach wie vor einzigartig und diese Einzigartigkeit unseres Seins und der Prägung machen sich letztendlich natürlich in allen Bereichen des Lebens bemerkbar und beeinflussen diese auch.

Von welchen Eigenschaften reden Sie, für die Sie nach Begeisterung suchen?

Denken Sie bitte nicht an die Kategorien, die oft bei Berufswahl abgefragt werden wie „ich arbeite gerne im Freien“ oder „gerne am Computer“. Es geht mir um die wirklichen Talente. Also darum, was jemand inhaltlich machen will und in Verbindung mit dem wie, also der Art der Tätigkeit. Wenn jemand gerne mit Holz arbeitet, denken alle sofort an Tischler oder Zimmermann. Aber es kann auch der Forstwirt, der Holzhandel oder der Bürstenmacher sein. Deshalb ist mein Ansatz, den wirklichen persönlichen Antrieb zu ergründen. Am Ende ist es dann vielleicht ein Holzbildhauer oder ein Holzhausbauer. Es geht vielmehr darum, seine ganz persönliche Vorstellung von einem sinnerfüllten Leben kennenzulernen und dieser dann im gelebten Leben möglichst nahe zu kommen.

Sie arbeiten mit Menschen auf allen Ebenen zusammen, mit Firmenvorständen bis zu Schülern. Welche Gruppe ist am aufgeschlossensten? Was verbindet sie?

Alle mit denen ich zusammenarbeite haben gemein, dass sie nach Veränderung, nach Bestätigung suchen. Oder sagen wir besser: Nach dem Sinn. Aufgeschlossen sind alle, da es die meisten Menschen fasziniert so viel über sich selbst zu erfahren.

Sie haben persönlich eine Leidenschaft Pferde und sind in Ihrer Jugend sehr erfolgreich geritten. Was hat Sie davon abgehalten, das Hobby zum Beruf zu machen?

Ich habe in meiner Jugend und Studienzeit viele Dinge ausprobiert. Zum Beispiel die Geschäftsführung eines gehobenen Gastronomiebetriebs, zwei Studiengänge abgeschlossen, eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie und vieles mehr. All das habe ich immer mit vollem Antrieb gemacht, genauso wie die Reiterei. Dann habe ich mich gefragt, worüber kann ich sieben Tage die Woche, 24 Stunden reden, ohne die Begeisterung zu verlieren und dann war klar, es sind die Menschen. Trotz allem ist meine Begeisterung für die Pferde nach wie vor sehr groß.

Wussten Sie, dass das Osnabrücker Land eine tolle Region für einen Reiturlaub ist? Ich war zwar bereits mehrfach in der Region, habe es aber bis jetzt nur zum Arbeiten und nicht zum Urlaub geschafft. Gerne lasse ich mich überraschen. 


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