Frauen müssen am Ball bleiben Fürstenauer ziehen positives Fazit der Aktion "Maria 2.0"

Von Maria Kohrmann-Unfeld

Ruth Löning (Zweite von rechts) im Kreise ihrer Mitstreiterinnen. Foto: Maria Kohrmann-UnfeldRuth Löning (Zweite von rechts) im Kreise ihrer Mitstreiterinnen. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Fürstenau. Der sogenannte „Kirchenstreik“, zu dem die Münsteraner Initiatorinnen der Aktion „Maria 2.0“ aufgerufen hatten - und an dem sich auch der Pfarrgemeinderat St.Katharina Fürstenau beteiligt hatte - endet. Was hat sich in der vergangenen Woche getan?

Der Pfarrgemeinderat St.Katharina Fürstenau hat sich der Aktion "Maria 2.0" aktiv angeschlossen, die von Ruth Löning koordiniert wurde. „Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen und wollen die Initiatorin von „Maria 2.0“, Elisabeth Kötter, über unsere Aktivitäten informieren.“ Wichtig sei, dass die Aktion nicht im Sande verlaufe, sondern weitergeführt werde. So sei angedacht, regelmäßige Treffen gemeindeübergreifend in den Kirchen unter dem Motto „Maria 2.0“ zu veranstalten. „Dazu brauchen wir noch Mitstreiter“, so die Koordinatorin. Wer Lust hat, diese zu organisieren, kann sich bei Ruth Löning unter Telefon 05901 305592 melden.

Den Anstoß zum „Gebet am Donnerstag“ gab die Benediktinerin Schwester Philippa Rath in ihrem ausführlichen Interview zur Krise der Kirche in der Zeitschrift „Frau und Mutter“. „Es wäre wunderbar, wenn sich möglichst viele Frauen an diesem weltumspannenden Gebet für Veränderungen in der Kirche beteiligen würden“, heißt es da und weiter: „Ich bin überzeugt, dass die Frauenfrage schon sehr bald eine Frage von Sein oder Nichtsein für unsere Kirche werden wird.“ Auch Pastor Hubert Schütte und das Pfarrteam solidarisieren sich mit der Aktion „Maria 2.0“. „Wenn die Frauen jetzt nicht am Ball bleiben, wird wieder alles beim Alten bleiben“, so Pastor Schütte. 

Aufhebung des Pflichtzölibats gefordert

Was hat sich in der vergangenen Woche getan? Kommunionhelferinnen und Lektorinnen erschienen nicht zum liturgischen Dienst, die von Frauen geführte Bücherei im Canisiushaus in Fürstenau war geschlossen und an der Chorprobe des Cäcilienchores nahmen nur Männer teil. „Wir haben trotzdem intensiv geprobt“, so die Chorleiterin Renate Bogers-Hundrup. 

Am Sonntagsgottesdienst in St. Katharina waren die Ministrantinnen nicht erschienen. Zeitgleich nahmen viele Frauen und auch einige Männer aus Fürstenau und den Nachbargemeinden an dem von Ruth Löning vorbereiteten Frauengottesdienst im Canisiushaus teil, in dem die Forderungen der Aktion „Maria 2.0“ deutlich gemacht wurden: Kein Amt mehr für Missbrauchstäter und -vertuscher, Überstellung der Täter an weltliche Gerichte, Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, Aufhebung des Pflichtzölibats und die Ausrichtung der Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen.

Auch Männer zeigen sich solidarisch

Eine ältere Teilnehmerin war von ihrer Tochter auf die Aktion aufmerksam gemacht worden und zeigte sich durch ihre Anwesenheit solidarisch. Eine andere nahm sowohl an der Eucharistiefeier am Vorabend als auch am Wortgottesdienst der Frauen teil, da ihr ihr der Empfang der Kommunion sehr wichtig ist. „Ich gehe mit einer tollen Stimmung nach Hause“, erklärte eine weitere engagierte Teilnehmerin. „Ich bin gekommen, um die Aktion zu unterstützen, obwohl ich mich sonst eher von der Kirche fern halte“, sagte eine andere. „Ich sehe keinen Grund, warum Frauen nicht die gleiche Wertstellung in der Kirchen haben sollten wie Männer“, so Jörg Brüwer, ein Landwirt aus Neuenkirchen, und zeigt sich solidarisch.

Mit Blick auf die Aktion „Maria 2.0“ verlegte die Kopingsfamilie Fürstenau ihre Maiandacht aus der Schlosskirche heraus in den Innenhof. Während der Hagelfeier auf dem Hof der Familie Mehmann-Lücke in Grafeld und der Marienmesse der KFD Schwagstorf auf der Diele der Familie Kohrmann-Unfeld wurde das Thema ebenfalls angesprochen. Dabei wurden sieben Fragen des deutschen Theologen Andreas Knapp vorgetragen, auf die nach seiner Feststellung Papst und Bischöfe trotz aller schönen Worte bis heute keine Antwort gefunden haben. Eine davon lautet: „Wenn eine Frau das Wort geboren hat, warum sollten Frauen dann das Wort nicht von der Kanzel künden?“ 

Pastor Schütte stellte in dem Zusammenhang die kürzlich verstorbene katholische Theologin Elisabeth Gössmann vor, die wertvolle Forschungsarbeiten zur feministischen Theologie geleistet hat. „Sie hat mit der Kirche gerungen und ist dabei geblieben. Solche Frauen, die Kirche grundlegend beeinflussen, müssen wir studieren.“


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