Aktion „Maria 2.0“ Kirchenstreik der Frauen erfährt in Fürstenau große Solidarität

Von Maria Kohrmann-Unfeld

Sie blieben dem Sonntagsgottesdienst fern: Auf dem Vorplatz vor der Schlosskirche in Fürstenau trafen sich die Teilnehmer der Aktion „Maria 2.0“. Es waren auch einige Männer darunter. Foto: Maria Kohrmann-UnfeldSie blieben dem Sonntagsgottesdienst fern: Auf dem Vorplatz vor der Schlosskirche in Fürstenau trafen sich die Teilnehmer der Aktion „Maria 2.0“. Es waren auch einige Männer darunter. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Fürstenau. Mehr als 80 Frauen (und auch Männer) haben am Sonntag Flagge gezeigt und am Frauengottesdienst zur Aktion „Maria 2.0“ im Canisiushaus in Fürstenau teilgenommen. Dieses Projekt wurde von fünf Frauen aus dem Münsterland ins Leben gerufen, die angesichts der Missbrauchsskandale und der andauernden Ausgrenzung der Frauen in der katholischen Kirche Frauen aufriefen, vom 11. bis 18. Mai 2019 ihre kirchlichen Ehrenämter niederzulegen und keine Kirche zu betreten. Auch in Fürstenau zeigten sich kirchliche Gremien mit diesem Projekt solidarisch.

Frauen und auch Männer aus Fürstenau, Schwagstorf, Hollenstede, Berge, Grafeld, Klein Bokern, Ankum und Neuenkirchen trafen sich zunächst am Schlossportal, um dann zum Canisushaus zu gehen, während die Glocken zum Besuch des Sonntagsgottesdienstes in St. Katharina einluden. Im Gemeindehaus wurden sie von Monika Sander im Namen des Pfarrgemeinderates  begrüßt: „Wir beschreiten gemeinsam einen ungewöhnlichen Weg. Wir haben uns entschieden, nicht in die Kirche zu gehen, sondern uns mit der Aktion 2.0 zu beschäftigen.“

In der Schlosskirche St. Katharina in Fürstenau blieben am Sonntag viele Plätze leer. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Während einer kurzen musikalischen Klaviermeditation von Renate Bogers-Hundrup konnten die Anwesenden über ihre Beweggründe und persönlichen Erfahrungen mit der Kirche nachdenken und diese anschließend formulieren: „Vor dreißig Jahren habe ich Theologie studiert und über die Rolle der Frau in der Kirche nachgedacht. Es ist nichts passiert. So ist die ,Maria 2.0' nur ein konsequenter Schritt“, erklärte eine Frau. Eine evangelische Christin war eigens gekommen, um die Katholikinnen in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Eine andere gab an: „Es ist höchste Zeit, dass etwas passiert. Gott liebt Männer und Frauen gleich. Sie werden beide gebraucht und ergänzen sich.“ (Weiterlesen: Kirchenstreik für Frauenrechte: Großes Echo für „Maria 2.0“.

Frauen und auch Männer aus Fürstenau, Schwagstorf, Hollenstede, Berge, Grafeld, Klein Bokern, Ankum und Neuenkirchen trafen sich zunächst am Schlossportal, um dann gemeinsam zum Canisushaus zu gehen, während die Glocken zum Besuch des Sonntagsgottesdienstes einluden.Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Margaretha Kenning und Sabine Horstkott gaben weitere Impulse und informierten über die Beweggründe, die zur Aktion „Maria 2.0“ führten für Frauen, „denen die Kirche zu sehr am Herzen liegt, als dass sie stillschweigend austreten“. Sie forderten unter anderem: Kein Amt mehr für Missbrauchstäter, die Ausrichtung der Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen und den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern. Es schloss sich das Glaubensbekenntnis von Dorothee Sölle an: „Ich glaube an Gott, der den Widerspruch des Lebendigen will und die Veränderung aller Zustände…“ Weitere Teilnehmer formulierten freie Fürbitten wie „Ich wünsche mir, dass die Aktion nicht im Sande verläuft“, „Ich träume von einer Kirche, in der der Mensch wichtiger ist als Strukturen, Vorschriften und Regeln“ oder „Ich wünsche mir, dass die Posten mit Frauen besetzt werden, die den Fortschritt wagen“. 

Ruth Löning (Zweite von links) übernahm die Koordination und bereitete den Wortgottesdienst am Sonntag im Canisushaus vor. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Die Anwesenden bedankten sich mit großem Applaus für den eindrucksvollen Gottesdienst und trafen sich anschließend zum Austausch im Kirchencafé, an dem auch viele teilnahmen, die zuvor die Messe in der Kirche besucht hatten. Hier hatte die Gemeindereferentin Christiane Becker das Thema in ihrer Predigt aufgegriffen: „Wir sind alle getauft und können Hirten sein.“ 

Eine weitere Veranstaltung unter dem Motto „Maria 2.0“, gestaltet von der Katholischen Frauengemeinschaft Schwagstorf, findet am Donnerstag, 16. Mai 2019, um 19.15 Uhr an der Mariengrotte bei Familie Kohrmann-Unfeld in Lütkeberge statt.


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