Teinnahme an Aktion Maria 2.0 Fürstenauer Frauen machen mobil gegen Unbeweglichkeit der katholischen Kirche

Von Maria Kohrmann-Unfeld

viele Plätze werden bei der nächsten Probe des Cäcilienchores in Fürstenau frei bleiben, wenn die Frauen bei der Aktion Maria 2.0 mitmachen und aus Protest ihre Ämter und Funktionen niederlegen. Sie fordern eine radikale Änderung der Strukturen in der katholischen Kirche. Foto: Maria Kohrmann-Unfeldviele Plätze werden bei der nächsten Probe des Cäcilienchores in Fürstenau frei bleiben, wenn die Frauen bei der Aktion Maria 2.0 mitmachen und aus Protest ihre Ämter und Funktionen niederlegen. Sie fordern eine radikale Änderung der Strukturen in der katholischen Kirche. Foto: Maria Kohrmann-Unfeld

Fürstenau. „Stellen Sie sich vor, es ist Gottesdienst und keine Frau geht hin. “Dieses Szenario wird in der kommenden Woche in vielen Kirchen deutschlandweit zu erwarten sein aufgrund der von katholischen Frauen aus dem Münsterland initiierten Protestaktion „Maria 2.0“. Auch in der Pfarreiengemeinschaft Fürstenau beteiligen sich Frauen an der Aktion.

Ausgangspunkt war ein Treffen von Frauen der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster. Sie wollten das apostolische Schreiben von Papst Franziskus aus dem Jahr 2013, das „Evangelii Gaudium“ gemeinsam lesen. Doch angesichts des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche sowie der Ausgrenzung der Frauen in der Kirchen war ihnen gar nicht nach Freude zumute. Sie wurden aktiv und forderten alle Frauen dazu unter dem Motto „Maria 2.0“ auf, in der Woche vom 11. bis 18. Mai ihre kirchlichen Ehrenämter niederzulegen und keine Kirche zu betreten. Dieser Aufruf hat hohe Wellen geschlagen. Hinzu kam ein offener Brief an Papst Franziskus, in dem um die Themen Misbrauch und Zulassung von Frauen zum Weiheamt ging.

 "Zu viel Macht in Männerhänden"

Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates St. Katharina Fürstenau seien ebenfalls auf die Aktion aufmerksam geworden“, wie Mitinitatorin Ruth Löning berichtet. Eine Freundin habe einen Aufruf zur Unterzeichnung der Petition erhalten und dieses Schreiben an den Pfarrgemeinrat weitergeleitet. Die Mitglieder hätten beschlossenn, sich der Aktion „Maria 2.0“ anzuschließen. Ludger Bogers-Hundrup nahm überdies Kontakt zum Bersenbrücker Kreisblatt auf und verfasste einen Text für den Pfarrbrief „Miteinander“. „Mittlerweile ahnen wir immer deutlicher, dass der Missbrauch leichter möglich war, wo der Priester als abgehoben und unantastbar galt, wo sich zu viel Macht in Männerhänden befand“, heißt es in dem Schreiben unter anderem. In den Gremien und Verbänden sieen inzwischen überwiegend Frauen aktiv. Sie seien es, die die Basis der Gemeinden bildeten. Entscheidungsträger in der katholischen Kirche blieben aber meist immer noch Männer. Frauen würden nicht gefragt. Wie sähe die Kirche ohne engagierte Frauen aus? Was machen kirchliche Gremien, Vereine und Verbände wie zum Beispiel Kolpingsfamilie oder KAB, Kirchenchor, Familienmesskreis, wenn die Frauen ihr ehrenamtliches Engagement ruhen lassen?

Auf sanfte Art aufmerksam machen

Während der Probe des Cäcilienchores in Fürstenau in dieser Woche am Dienstagabend ließen viele Frauen durchblicken, dass sie in der kommenden Woche nicht zur Chorprobe kommen werden, auch auf die Gefahr hin, dass ein geplanter Auftritt am Monatsende abgesagt werden muss. „Wir wollen damit ein Zeichen setzen; es ist eine sanfte Art auf uns aufmerksam zu machen“, so Marietheres Schulte. Elisabeth Kahmann wird zudem ihren Lektorendienst ruhen lassen, und Ursula Weitzel wird der Maiandacht der Kolpingsfamilie fernbleiben. Während der Chorprobe tagten auch die Mitglieder der KJG im Canisiushaus. Als sie von der Aktion „Maria 2.0“ erfuhren, zeigten auch sie Solidarität.

Sie unterstützen die Aktion Maria 2.0: Vertreterinnen des PGR und der KFD. Von links: Ursula Weitzel, Marietheres Schulte, Brigitte Reckmann, Ruth Löning, Helga Hagen, Elisabeth Kahmann.Foto: Maria Kohrmann-Unfeld


Mit „Maria 2.0“ (frei übersetzt: Maria – neu gedacht) werden nun viele Frauen eine Woche lang ihren Unmut über die fortbestehenden Machtstrukturen zeigen. In Fürstenau hat Ruth Löning hat die Koordination des Projektes in die Hand genommen. „Wir sind positiv überrascht, dass innerhalb kurzer Zeit viele Mitstreiter aus der Pfarreiengemeinschaft die Aktion unterstützen“, freut sie sich. Auch das Pfarrteam stehe hinter dieser Aktion.

Frauengottesdienst am 12. Mai

 Am Freitag fährt sie zudem NDR nach Osnabrück, um dort ein Interview zu geben. Für den kommenden Sonntag, 12. Mai hat sie einen Frauengottesdienst vorbereitet, der parallel zum Sonntagsgottesdienst im Canisiushaus stattfinden wird. Treffpunkt ist um 10.30 Uhr vor dem Schloss. „Sicherlich wird die Entscheidung für manche Frau nicht so einfach zu treffen sein, wenn ihre Familie am Sonntag ohne sie in die Kirche geht, oder wenn sie einen gehbehinderten Angehörigen nicht zum Kirchgang begleiten kann“, so ein Mitglied des Kirchenchores.

Wie die Frauen ausdrücklich betonten, gehe es bei der Aktion nicht um Kritik am Pfarrteam oder am Bischof. Sie sollten vielmehr dabei unterstützt werden, die Ursachen des Missbrauchsskandals aufzudecken und zu korrigieren.

Enttäsuchung über Unweglichkeit der Kirche groß

„Auch die KFD Fürstenau hat sich entschlossen, diese Aktion zu unterstützen und hat einen Aufruf im Pfarrbrief gestartet“, erklären Brigitte Reckmann und Helga Hagen. Es sei 5 vor 12. Die Enttäuschung über die Unbeweglichkeit der katholischen Kirche sei groß, sagen die beiden Frauen. Es sei höchste Zeit, partnerschaftlich zu denken und einen Neubeginn zu wagen, heißt es. Dazu gehöre auch, dass Frauen leitende Rollen in der Kirchenhierarchie erhielten, wie die KFD betont. 


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